Zwischen Freude und Frust

Der Raum ist abgedunkelt, Bässe wummern aus mannshohen Boxen. Flimmernde Bildschirme beleuchten die Wände, die mit Figuren aus bekannten Serien verziert sind.

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Erzielte Tore werden mit entsprechenden Posen bejubelt. (Bild: Patrick Tobler)

Erzielte Tore werden mit entsprechenden Posen bejubelt. (Bild: Patrick Tobler)

Der Raum ist abgedunkelt, Bässe wummern aus mannshohen Boxen. Flimmernde Bildschirme beleuchten die Wände, die mit Figuren aus bekannten Serien verziert sind. Man wähnt sich in einem Berliner Szenetreff, wäre da nicht ein gravierender Unterschied: Kinder und Jugendliche in voller Erwartung, nervös, kreischend, herumrennend. Ihr Verhalten ist begründet, schliesslich beginnt in wenigen Minuten das Fifa-Turnier des Jugendsekretariats im Kubus in Gossau.

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Gut ein Dutzend Teilnehmer haben sich für das Turnier eingefunden. Die Jüngsten gehen noch in die Primarschule, andere sind bald volljährig. Alle sind männlich. Das Klischee, dass sich Mädchen nicht für Fussball interessieren, bestätigt sich an diesem Nachmittag. Sozialarbeiter Robert Mydla versucht unterdessen, die Regeln für das Turnier zu erklären. Mit mässigem Erfolg. Nicht nur, weil das Mikrophon zu leise ist, sondern vor allem, weil die Jugendlichen bereits versuchen, den Gewinner verbal auszumachen. «Du hast eh keine Ahnung», «Wenn ich auf dich treffe, ist das Turnier für dich vorbei», sind nur einige der Zwischenrufe.

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«Sim», ruft ein Spieler lautstark durch den ganzen Raum und imitiert so Cristiano Ronaldo bei seiner Wahl zum Weltfussballer. «Sim» ist portugiesisch und heisst soviel wie «Ja» und soll in diesem Zusammenhang wohl Ausdruck grosser Freude sein: Schliesslich hat er gerade auf der Playstation ein Tor geschossen. Real Madrid führt gegen die Bayern: 1:0. Immer wieder rennt die Offensive von Madrid gegen das bavarische Abwehrbollwerk an. Dem Spieler, der die Mannschaft der Bayern steuert, ist der Druck sichtlich anzumerken. Erste Schweissperlen bilden sich auf seiner Stirn. Und es kommt noch dicker. Nach einem Übersteiger grätscht sein Spieler zu spät und erwischt nur noch den gegnerischen Spieler. Letzter Mann, Rote Karte. Nach der schmerzlichen Niederlage fällt der Verlierer ein klares Verdikt: «Was für ein Scheissspiel». (pat)