Zweiter Glasbruch im Stadtwald

Am vergangenen Mittwoch ist an der Fassade des Stadtwaldes drei in Rorschach ein Brüstungsglas zerbrochen und auf die Strasse gestürzt. Laut der Besitzerin Fortimo AG bestehe keine Gefahr für Passanten. Anwohner zeigen sich jedoch besorgt.

Selina Schmid
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Eine Scheibe im siebten Stock des mittleren Turms ist herausgefallen. (Bild: Christoph Renn)

Eine Scheibe im siebten Stock des mittleren Turms ist herausgefallen. (Bild: Christoph Renn)

RORSCHACH. «Müssen wir hier ums Leben fürchten, wenn wir das Haus verlassen oder nach Hause zurückkehren? Wurde hier nicht sicher genug gebaut?», postete ein Bewohner des Stadtwaldes vergangene Woche auf Facebook. Doch was ist passiert? Am vergangenen Mittwoch ist ein Brüstungsglas am Wohnblock Stadtwald drei in Rorschach zerbrochen. Das Glas stürzte vom siebten Stock auf die Strasse. Einen ähnlichen Vorfall hat es am selben Gebäude bereits vergangenen Mai gegeben. Gemäss Elias Zürcher, Angestellter der Besitzerin Fortimo AG, sei es nicht möglich, diese sogenannten Spontanbrüche zu verhindern. Doch sie seien ausgesprochen selten.

Bruch durch Teilcheneinschluss

«Für einen Passanten, der von einer solchen Sicherheitsscheibe getroffen wird, besteht keine Gefahr», sagt Elias Zürcher. Denn zerbricht dieses Material, falle es nicht als Ganzes herunter, sondern in tausend kleinen Teilen. «Die Verletzungsgefahr ist minim, da die Kanten stumpf und die Teilchen klein sind», ergänzt er. Statistisch zerbreche von etwa 20 000 Scheiben eine.

Elias Zürcher hat von dem externen Experten, der den Vorfall untersucht hat, den Grund für den Spontanbruch erfahren: Bei der Herstellung dieser Sicherheitsgläser können Nickelsulfid-Teilchen (NiS) in der Scheibe eingeschlossen werden. Werden die NiS-Teilchen später beispielsweise durch die Sonne stark erhitzt, könne es zu einem Spontanbruch kommen. «Ob das Glas bricht, hängt von verschiedenen Parametern wie Grösse, Form oder Lage ab. Darum kann man es nicht vorhersagen», sagt Zürcher. Er ergänzt, dass eine Schutzvorrichtung als nicht notwendig erachtet werde. Das Alter des Sicherheitsglases habe keinen Einfluss auf den Bruch.

Wie Tropfen herabgeregnet

Das Schweizerische Institut für Glas und Bau hat 2013 die Richtlinie 203 für Einscheibensicherheitsgläser veröffentlicht. Die Fortimo AG achte streng darauf, diese Normen zu erfüllen. «Selbst diese Richtlinie erklärt, dass solche NiS-Einschlüsse immer möglich sind. Da gibt es einen Toleranzbereich», sagt Zürcher. Auch kann man diese Teilchen nach dem heutigen Stand der Technik nicht nachweisen. Die Bauweise mit dieser Glasfassade wird auf der ganzen Welt angewendet und ist so vom Bund bewilligt.

Zum Zeitpunkt des Fenstersturzes standen glücklicherweise keine Personen oder Güter an der betroffenen Stelle. Laut Augenzeugen seien die Splitter wie Wassertropfen auf die Strasse geregnet. Ein Anwohner, der den Vorfall beobachtet hat, mache sich keine Sorgen wegen des Vorfalls. «Allerdings werde ich in Zukunft aufpassen, wenn ich am Gebäude vorbeigehe», sagt er. Laut Elias Zürcher sei das Gebäude allerdings sicher genug gebaut worden. «Wir halten uns an die Richtlinien», sagt er. Hält die Hitze an, ist also ein weiterer Bruch nicht ausgeschlossen.