Zweigeteiltes Riethüsli

Seit Jahrzehnten führt die Verbindung zwischen dem St. Galler Autobahnzubringer und der Schnellstrasse ins Appenzellerland durch das Quartierzentrum Riethüsli. Fast ebenso lange wollen die Appenzeller Bahnen (AB) einen Tunnel mitten durch dieses St. Galler Quartierzentrum bauen.

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Seit Jahrzehnten führt die Verbindung zwischen dem St. Galler Autobahnzubringer und der Schnellstrasse ins Appenzellerland durch das Quartierzentrum Riethüsli. Fast ebenso lange wollen die Appenzeller Bahnen (AB) einen Tunnel mitten durch dieses St. Galler Quartierzentrum bauen. Und ebenso lange schaut die Politik der Stadt St. Gallen weg. Das absolute Desinteresse der Stadtregierung hat dazu geführt, dass ein allzu einseitiges Projekt nun plötzlich Realität werden soll, ein Katastrophenszenario für das Quartier Riethüsli und ein Verkehrsproblem für die ganze Stadt.

Im Riethüsli werden auf der Teufener Strasse 14 000 tägliche Durchfahrten gezählt, die Belastungsgrenze für die Hauptstrasse ist erreicht. Während der jahrelangen Tunnelbauzeit verlangen die AB nun die Hauptstrasse als Trassee für ihr Schmalspurbähnchen. Anstatt nach kilometerlangen Bohrungen auch die letzten 300 Meter des Quartierzentrums Riethüsli unterirdisch zu durchqueren, kommt das Bähnchen ausgerechnet in der Mitte unseres Quartierzentrums wieder zum Vorschein.

Deshalb müsste rund um diesen riesigen, bleibenden Graben ein klotziger Betonbunker gesetzt werden, obendrauf eine wüste Plexiglas-Verkleidung im Stile der 1970er-Jahre. Da diese Konstruktion Platz fordert im Flaschenhals Riethüsli, will man anschliessend die Teufener Strasse kurzerhand noch näher an die vielen Wohnhäuser drängen. Anscheinend haben nur «bähnlerische Belange» in der Projektplanung eine Rolle gespielt. Die Stadt verhält sich bisher defensiv.

Einzig der Quartierverein Riethüsli mit Präsident Hannes Kundert und einige Privatpersonen haben Einsprache ergriffen.

Der Verkehr sollen während der Bauzeit durch eine gewundene Quartierstrasse geführt werden: Das Riethüsli wird eine Grossbaustelle mit Betonmischern und Muldenkippern. Dazwischen die Bahn und die Bewohner eines dichtbesiedelten Stadtviertels.

Dass dies auch ohne Unfälle zu grossem Rückstau bis zur Autobahnausfahrt führen wird, ist schon jetzt klar. Dies wird zur Umlagerung des Verkehrs durch die Quartiere St. Georgen und Linsebühl führen, die den Ansturm auch nicht staufrei ableiten werden können. Rund um das Stadtzentrum wird sich der Verkehr stauen. Als Bürger ist man ein bisschen irritiert: Für einen Parabolspiegel oder ein Dachfenster benötigt man eine Bewilligung, Baumhäuser werden gekürzt.

Aber wenn ein ausserkantonales Baukonsortium ein Nervenzentrum der Stadt durchbohren und verschandeln will, dessen Rückstau womöglich die ganze Stadt ins Verkehrschaos stürzt, dann gibt es von der Politik weder Einspruch noch Hilfe.

Das nostalgische Zahnradbähnchen war bei uns noch nie ein Problem. Wohl aber das Verbindungsstück zwischen zwei Autobahnen, welches das Riethüsli in zwei Teile zerschneidet. Die frühere Regierung hat es geschafft, eine Autobahn durch ganz St.

Gallen zu realisieren. Heute ist anscheinend niemand mehr fähig, die damals nicht dringlichen Anschlüsse fertig zu bauen. Ist nicht einmal eine Reaktion zu erwarten, wenn der Ortscharakter eines ganzen Quartiers unwiederbringlich zerstört werden soll? Dabei stinkt nicht nur der Appenzellerkäse-Vorschlag, sondern auch der Feinstaub-Ausstoss der täglich 14 000 Pendlerfahrzeuge, deren Abgase fein über die Stadt rieseln werden, anstatt aus einem Durchführungstunnel gefiltert auszutreten.

Ein vernünftiges Gesamtprojekt wäre nicht nur gut für Appenzeller und Riethüsler, sondern auch eine Investition für die Luft- und Lebensqualität von St. Gallen. Eine Tunnelverbindung für den Strassenverkehr würde alle dringenden Verkehrsprobleme vom Riethüsli, der Stadt St. Gallen und des Kantons Appenzell nachhaltig lösen.

Thomas Schmid Wattweg 21, 9012 St. Gallen

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