Zwei wollen an die Spitze der VSGP

Die St. Galler Gemeindepräsidentinnen und Gemeindepräsidenten suchen einen neuen Chef. Beat Tinner tritt als Präsident ihrer Vereinigung (VSGP) zurück. In den Startlöchern stehen zwei Kandidaten mit unterschiedlichen Voraussetzungen.

Regula Weik
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Boris Tschirky Gemeindepräsident Gaiserwald (Bild: Michel Canonica)

Boris Tschirky Gemeindepräsident Gaiserwald (Bild: Michel Canonica)

ST. GALLEN. Die VSGP zählt 77 Mitglieder – so viele, wie es noch Politische Gemeinden im Kanton gibt. Das tönt nach einer eher kleinen und bescheidenen Organisation. Das täuscht. Die Vereinigung steht im Fokus der Öffentlichkeit und hat in den vergangenen Monaten öfter Staub aufgewirbelt, so wegen ihrer harschen Kritik am Kanton über dessen Umgang mit jungen, unbegleiteten Asylsuchende. Spürbar ist das Gewicht der Gemeindepräsidenten auch im Kantonsparlament, etwa dann, wenn es um die Aufgabenteilung und damit um die Finanzflüsse zwischen Kanton und Gemeinden geht. Da übernimmt der Präsident der Vereinigung nicht selten die Gegenposition zur Regierung. So überrascht nicht, dass es eine «politische» Auflage für das Amt des Präsidenten gibt: Er sollte Mitglied des Kantonsparlaments sein – wegen des Netzwerks. So war es jedenfalls in der Vergangenheit. Der scheidende VSGP-Chef Beat Tinner – er stand der Vereinigung zwölf Jahre vor – ist FDP-Kantonsrat. An ein Parteibuch ist das Amt nicht gebunden, auch wenn es bisher meistens in der Hand von CVP oder FDP war.

Zeitliche Belastung

Seit Tinners Rücktrittserklärung sind einige Monate ins Land gezogen – und bislang wurden nur Absagen bekannt, vor allem wegen der zeitlichen Belastung. Männiglich fragte sich daher: Gibt es überhaupt Interessenten? Es gibt sie – Lucas Keel, Gemeindepräsident Uzwil, und Boris Tschirky, Gemeindepräsident Gaiserwald. Bis zur Versammlung der VSGP – sie findet in einer Woche statt – dürften kaum noch weitere Kandidaten ihre Ambitionen anmelden.

Eine eigene «Idee Keel»

Keel scheut sich nicht, sich aus dem Fenster zu lehnen, sei es mit seiner Kritik an der vorberatenden Kommission zum Baugesetz, mit der Arbeitszeiterhöhung für sein Gemeindepersonal oder mit seinen wöchentlichen Kommentaren zum politischem oder gesellschaftlichem Geschehen. Die häufigsten Einschätzungen des 46-Jährigen: kreativ, ideenreich, frisch, manchmal etwa gar quirlig. Er hat eine klare Vorstellung, die «Idee Keel», wie es mit der Vereinigung weitergehen soll. Verraten mag er sie noch nicht; den Mitgliedern stellt er sie vor der Versammlung zu. Keel ist nicht Kantonsrat – ein Handicap? Das müssten die Mitglieder beurteilen, sagt der CVP-Politiker. Und: «Das Kantonsparlament ist nicht meine Welt.»

Scharnier zwischen den Ebenen

Anders Konkurrent Tschirky. Er ist im Februar für die CVP ins Kantonsparlament gewählt worden. Er versteht das Präsidium als «Scharnier» zwischen den beiden politischen Ebenen Gemeinde und Kanton. Die zusätzliche Belastung schreckt ihn nicht ab. Er spricht von einem «Aufgaben-Portfolio», das um eine zusätzliche Aufgabe erweitert würde, die es zu erfüllen gäbe. Er sei keiner, der die Stunden wie Erbsen zähle. Tschirky bezeichnet sich als lösungsorientiert und kommunikativ und als jemanden, der «gerne unter die Leute geht».

Der Präsident der VSGP ist der einzige, der von den Mitgliedern gewählt wird. Die übrigen Vorstandsmitglieder werden von den Regionen delegiert.

Lucas Keel Gemeindepräsident Uzwil (Bild: Ralph Ribi)

Lucas Keel Gemeindepräsident Uzwil (Bild: Ralph Ribi)