Zwei von acht endlosen Nächten

Achtmal pro Jahr sind in der Stadt Freinächte angesagt. Auch am St. Galler Fest dürfen Club-, Bar- und Restaurantbetreiber die ganze Nacht geöffnet haben. Doch auch in Freinächten gibt es Grenzen.

Roger Berhalter
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Party bis in die Frühe: Heute und morgen sind die Clubs lange offen. (Archivbild: Michel Canonica)

Party bis in die Frühe: Heute und morgen sind die Clubs lange offen. (Archivbild: Michel Canonica)

Das St.Galler Fest dauert nicht bis zum frühen Morgen. Heute Freitag endet die grösste Party der Stadt um 1 Uhr, morgen Samstag um 2 Uhr. Danach aber müssen Nachteulen trotzdem noch lange nicht nach Hause, denn während des St.Galler Fests müssen sich Restaurants, Bars und Clubs an keine Polizeistunde halten. Es ist zweimal Freinacht angesagt, das heisst: Am Freitag und Samstag sind die Schliessungszeiten aufgehoben; Gastrobetriebe haben so lange geöffnet, wie sie wollen, und sie müssen dafür auch keine Bewilligung einholen.

Silvester, Fasnacht, 1. August

Die Stadt St.Gallen kennt acht solche Freinächte pro Jahr. «Die Regel wird konsequent angewendet», sagt Roman Kohler, Sprecher der Stadtpolizei. Konkret sind es neben dem St. Galler Fest folgende Termine: Die Silvesternacht, die drei Nächte von Fasnachtsdonnerstag bis -samstag sowie der 1. Mai und der 1. August. Wenn zusätzlich das Kinderfest stattfindet, sind auch dann die Schliessungszeiten aufgehoben. Diese «wiederkehrenden Veranstaltungen» sind im städtischen Gastwirtschaftsreglement explizit aufgelistet, das sich wiederum auf das kantonale Gastwirtschaftsgesetz stützt.

Letzte Ausnahme vor 15 Jahren

Ausnahmen von dieser Regel kann der Stadtrat bestimmen. Aber das kommt laut Roman Kohler «praktisch nie» vor. Zuletzt sei dies vor 15 Jahren der Fall gewesen: am 7. Juni 2000, als der FC St.Gallen Meister wurde. Damals erteilte der Stadtrat eine Ausnahmebewilligung, damit die Fussballfans in der Stadt bis zum frühen Morgen feiern konnten.

Allerdings gibt es auch in Freinächten Grenzen. Roman Kohler betont, dass das Gastwirtschaftsreglement nur für private Gastrobetriebe gelte und nur für den Innenbereich. Gartenwirtschaften sind also von Freinächten ausgenommen, und für Veranstaltungen im öffentlichen Raum ist auch dann eine Bewilligung nötig.

Afterparties und Alternativen

Viele Clubs der Stadt versuchen heute und morgen, die St. Galler-Fest-Besucher gezielt anzusprechen. So betiteln Trischli, Elephant, Backstage und Downtown ihre Clubnächte explizit mit «St. Galler Fest Afterparty». Auch das Øya freut sich gemäss Webseite über das Stadtfest «direkt vor der Tür».

Andere Clubs fahren bewusst ein Alternativprogramm. Die Tankstell nutzt das Wochenende für zwei lange elektronische Nächte, und im Kugl steht das «Trip This»-Festival auf dem Programm: ein zweitägiges Minimal-Techno- und House-Festival, das ein Gegenpol zum Stadtfest sein soll – im besten Fall so, wie es die «Lethargy»-Party in der Roten Fabrik in Zürich jeweils zum Grossanlass Street Parade ist.