Zwei streiten, einer lacht

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Stadtrat Kaum hatten die Redaktoren Angelina Donati und Sebastian Schneider das Podium im Fürstenlandsaal eröffnet, zeigten sich schon die unterschiedlichen politischen Auffassungen der Stadtratskandidaten. Die Kosten für den Masterplan Sportanlagen würden auf zwischen 67 und 100 Millionen Franken geschätzt, sagte Schneider und fragte: «Soll einmal über die ganze Summe abgestimmt werden oder mehrmals über einzelne Beträge? Ein Rahmenkredit sei besser, antwortete Monika Gähwiler-Brändle (SP). Sonst bestehe die Gefahr, dass das Projekt «auf halber Strecke stehen bleibt, weil nicht mehr alle dahinter stehen». Dieser Meinung schloss sich Stefan Harder (Flig) an. Über einen Zeitraum von 15 Jahren falle die Summe nicht mehr so stark ins Gewicht. Hier widersprach Claudia Martin (SVP) heftig: «Ich sehe die Finanzierung nicht so locker.» Die Bürger seien bereit, zu investieren und würden wohl auch eine leichte Steuererhöhung akzeptieren. «Sie müssen dafür aber genau wissen, was auf sie zukommt.»

Gemeinnützige Wohnungen sind kein Schwerpunkt

Heiss diskutiert wurde über Wohnungen. Schon seit Jahren fordert die SP Massnahmen für günstige Wohnungen. Darauf angesprochen nannte Gähwiler-Brändle eine Familie, die nicht mehr glaubt, in Gossau eine bezahlbare Wohnung zu finden. Dem entgegnete Martin, Gossau habe etwa so viele Leerwohnungen wie vergleichbare Orte. «Auch die Mietpreise sind durchschnittlich.» Die Stadt solle sich nicht in den Wettbewerb einmischen. Dem stimmte Harder zu. Jedoch sei eine gute Durchmischung der sozialen Klassen wichtig. Gähwiler-Brändle liess Martins Aussage indes nicht auf sich sitzen: «In Gossau sind die Preise gleich hoch wie in anderen Gemeinden, weil diese dasselbe Problem haben.» In Biel sei man an einem runden Tisch zusammengesessen, um das Problem gemeinsam zu lösen. Schliesslich wurde die Diskussion von Harder abgeklemmt: Gemeinnütziger Wohnungsbau sei kein Schwerpunktthema. «Man muss es aber im Auge behalten.»

Einig waren sich Gähwiler-Brändle und Harder, als es um die Läden im Zentrum ging. Das von Coop geplante Einkaufszentrum im Eichen werde den Fachgeschäften schaden. Martin betonte wiederum den freien Wettbewerb und forderte von den Gewerblern innovative Angebote. «Problematisch wird es eher, wenn Parkplätze wegfallen.» Harder betonte, ein gewisser Grundverkehr sei nötig. Dem stimmte Gähwiler-Brändle zu.

Insgesamt wirkte Harder in der Debatte am selbstsichersten. Die Lacher waren oft auf seiner Seite. Dasselbe galt für Gähwiler-Brändle, die sich immer wieder bürgernah gab. Daneben hinterliess Martin einen überraschend unsicheren Eindruck. Einen Glanzmoment hatte sie aber. Als sie sagte, «jeder normale Tag ist perfekt», applaudierte das Publikum spontan. (mha)