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Zwei Richter im Wahlkampf

RORSCHACH. Mit Olav Humbel und Gabriel Bawidamann kandidieren am 23. September zwei erfahrene Richter fürs Kreisgerichtspräsidium. Für ihn spreche, dass er an mehreren Gerichten gearbeitet habe, sagt Humbel. Bawidamann sieht seinen Vorteil darin, dass er in den Gerichten gut vernetzt ist.
Andrea Sterchi
Wer wird Präsident des Kreisgerichts? Die kandidierenden Richter Olav Humbel (links), FDP, und Gabriel Bawidamann, CVP. (Bild: Andrea Sterchi)

Wer wird Präsident des Kreisgerichts? Die kandidierenden Richter Olav Humbel (links), FDP, und Gabriel Bawidamann, CVP. (Bild: Andrea Sterchi)

Der FDP und der CVP ist gelungen, was sich jede Partei wünscht: Sie haben den perfekten Kandidaten gefunden. Olav Humbel, FDP, und Gabriel Bawidamann, CVP, bringen die besten Voraussetzungen für das Amt des Kreisgerichtspräsidenten mit. Sie sind in der Region aufgewachsen, studierten an der HSG Jura und arbeiteten als Gerichtsschreiber, bevor sie Richter am Kreisgericht Rorschach wurden.

An verschiedenen Gerichten

Trotz ihres ähnlichen Werdegangs gebe es Unterschiede, sind beide überzeugt. «Ich war an verschiedenen Gerichten tätig und kenne andere Abläufe», sagt Olav Humbel. Der Betrieb am Rorschacher Kreisgericht laufe gut, das eine oder andere könne er trotzdem verbessern, eben weil er von extern gekommen sei. Zudem führe er bereits jetzt ein kleines Team und schliesse Ende Monat eine spezifische Weiterbildung an der Schweizerischen Richterakademie ab, wirbt er für sich.

Gutes Netzwerk, klare Führung

Dass er seit bald zwanzig Jahren am Kreisgericht Rorschach tätig ist, wertet Gabriel Bawidamann als Vorteil. «Ich kenne die Abläufe, sie waren immer mein Steckenpferd.» Und er kenne die elektronische Geschäftsverwaltung. «Die EDV ist mein Kind.» So sei er als Vertreter aller Kreisgerichte im Fachausschuss EDV gewesen, zudem sei er vom Kanton bei allen wesentlichen Revisionen hinzu berufen worden. Auch auf eidgenössischer Ebene habe er diesbezüglich mitgearbeitet. So habe er mit vielen anderen Gerichten zusammengearbeitet, deren Abläufe kennengelernt und sich ein gutes Netzwerk aufgebaut. «Ein guter Gerichtspräsident braucht eine gute Vernetzung», ist er überzeugt. Ein guter Präsident müsse aber auch sein Personal transparent führen. «Ein gutes Klima ist wichtig», sagt Bawidamann. «Führung bringt jedoch auch mit sich, einmal unbeliebte Entscheidungen zu treffen.»

Glaubwürdigkeit, Integration

Für Olav Humbel muss ein guter Gerichtspräsident das Gericht glaubwürdig gegen aussen vertreten. «Dazu gehört ein ordentlicher Lebenswandel, aber auch eine gewisse Zurückhaltung im öffentlichen Leben und in der Politik.» Für die Mitarbeiter des Gerichts solle er eine Integrationsfigur sein, für alle ein offenes Ohr haben und ihre Anliegen ernst nehmen. Zwischenmenschliche Probleme dürfe er nicht ignorieren, sondern soll ihnen nach Möglichkeit auf den Grund gehen. Und ein guter Präsident müsse die richterliche Unabhängigkeit achten. «Es ist der Richter, der das Urteil unterschreibt und dafür hinstehen muss. Der Präsident kann ihm nicht vorschreiben, wie er zu urteilen hat.»

Ein Richter und die Politik

Einig sind sich Humbel und Bawidamann, dass die Politik und die Parteizugehörigkeit keinen Einfluss auf die Arbeit eines Richters haben. «Die Politik ist wichtig, sie deckt verschiedene Interessen ab. Das gilt besonders bei der Gesetzgebung und der Zusammensetzung der Gerichte. Hierbei vor allem bei den Laienrichtern, damit die Bevölkerung auch breit abgestützt ist», sagt Bawidamann. «Die Politik und die Partei tangierten aber meine Funktion als Richter nicht.» Olav Humbel: «Solange die Richterwahlen Volkswahlen sind, haben die politischen Parteien Einfluss.» Zudem unterstützten sie die Kandidaten im Wahlkampf. «Im Tagesgeschäft des Richters haben sie keine Bedeutung.» Sinnvoll finden beide, dass am Gericht Mitglieder unterschiedlicher Parteien arbeiten.

In der Vergangenheit einigten sich die Parteien oft auf eine Kandidatur, so dass es zu einer stillen Wahl gekommen ist. Dass dem dieses Mal nicht so ist, sei nicht falsch, meint Humbel. «Letztlich wird eine Person gewählt, keine Partei.» Bawidamann sagt dazu: «Ein Gericht ist auch ein Betrieb, der im Team harmonieren muss, fachlich und menschlich braucht es Leute, die dem Gericht einen Nutzen bringen. Auch dies ist bei Richterwahlen zu beachten.»

Gegen den Arbeitskollegen

Beide sind froh, wenn die Wahl vorüber ist. Der Wahlkampf sei anstrengend, wenn auch eine gute Erfahrung, sagen sie. Zumal sie gegen einen Arbeitskollegen antreten. «Wir nehmen es sportlich. Unser Arbeitsverhältnis wird es nicht trüben», sagt Humbel. Bawidamann: «Die Situation ist suboptimal. Aber es geht um den Betrieb, nicht um Eigeninteressen.» Egal wie die Wahl ausgeht, dem Kreisgericht bleiben beide als Richter erhalten. Ein Beruf, den sie gerne ausüben. «Ein guter Richter muss zuhören und sich in die Leute einfühlen können. Er muss fair sein, beide Seiten gleich behandeln, aber auch gesunden Menschenverstand walten lassen. Es geht immer um den konkreten Fall», sagt Humbel. Für Bawidamann ist ein guter Richter einer, der mit den Leuten eine Lösung sucht und findet. «Er soll selbstkritisch sein und auch einmal eine zweite Meinung einholen.» Nicht zuletzt müsse Humor am Gericht Platz haben. «Mit Humor wird auch in einer ernsten Situation die Stimmung lockerer. Solange ein Richter über sich selber lachen kann, bleibt er auf dem Boden.»

Bild: ANDREA STERCHI

Bild: ANDREA STERCHI

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