Zwei Kandidaten, zwei Meinungen

Goldach wählt am 15. November ein neues Gemeinderatsmitglied. Die Kandidaten Reto Kuratli (SP) und Martin Hochreutener (SVP) haben sich gestern abend an einem Podium der Öffentlichkeit präsentiert. Und dabei gezeigt, dass sie nicht überall einer Meinung sind.

Linda Müntener
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Moderator Rudolf Hirtl, Martin Hochreutener und Reto Kuratli (v. l.). (Bild: Linda Müntener)

Moderator Rudolf Hirtl, Martin Hochreutener und Reto Kuratli (v. l.). (Bild: Linda Müntener)

GOLDACH. Kurz vor acht Uhr abends füllt sich die Aula doch noch. Knapp 60 Personen sind gestern zum Goldacher Gemeinderatspodium, organisiert von der SP Rorschach Stadt am See, erschienen. Die beiden Kandidaten Reto Kuratli (SP) und Martin Hochreutener (SVP) haben sich erstmals der Öffentlichkeit präsentiert – und sich den Fragen von Rudolf Hirtl, Moderator und Leiter der Tagblatt-Redaktion Rorschach, gestellt.

«Jammern auf hohem Niveau»

Das Hauptthema in Goldach ist der Verkehr. So auch am Podium. Während sich Martin Hochreutener klar für den A1-Zubringer als Lösung des Verkehrsproblems ausspricht, fragt sich Reto Kuratli, warum Goldach seine letzten verbliebenen Grünflächen verbauen soll, «nur damit man zehn Minuten früher zu Hause ist». Seiner Meinung nach jammere man hier auf hohem Niveau, in Zürich beispielsweise stehe man während der Stosszeiten deutlich länger im Stau. «Die Frage ist, was uns diese Zeitersparnis wert ist», sagt der SP-Kandidat. Hochreutener, der sich die Lösung des Verkehrsproblems als Schwerpunkt gesetzt hat, sieht das anders. Vor allem das Gewerbe leide unter dem täglichen Stau, sagt er. «Die geplante Umfahrungsstrasse löst dieses Problem nur in Kombination mit dem Autobahnanschluss.»

Diskussion übers Gmünderhaus

Auch beim Thema Gmünderhaus gehen die Meinungen auseinander. Für Hochreutener ist der Zeitpunkt da, um das geschichtsträchtige Haus abzubrechen. «Man hat jahrelang nichts für den Unterhalt getan. Warum es jetzt erhalten?» Kuratli hingegen will eine Diskussion anstossen. Es sei durchaus möglich, das Gmünderhaus zu erhalten. «Nur, weil jemand nicht ins Bild passt, ist er nicht zwangsläufig fehl am Platz.» Gegen den Entscheid des Gemeinderats, das Haus aus der Schutzverordnung heraus zu nehmen, könne man sich als Privatperson nicht wehren, sagt er. «Hier wird die Diskussion verweigert.»

Heiss wird hingegen derzeit über die Flüchtlingsproblematik diskutiert – auch in Goldach. 70 Asylsuchende zähle die Gemeinde momentan. «Eine hohe Zahl», findet Hochreutener. «Und sie wird steigen.» Seiner Meinung nach müsse man gezielt Hilfe vor Ort leisten, statt immer mehr Flüchtlinge aufzunehmen. Kuratli sieht die Aufnahme von Asylsuchenden auch als Bereicherung und Chance. «Die Gemeinde muss hier ihre Aufgaben übernehmen.»

Kommunikation verbessern

In einem Punkt sind sich die beiden einig: In die Bildung lohnt es sich, zu investieren. Moderator Rudolf Hirtl will wissen, ob es auch Aufgabe der Gemeinde ist, familienergänzende Betreuung anzubieten. «Ich bin in dieser Hinsicht konservativ», sagt Hochreutener. «Eine Mutter ist die beste Erzieherin.» Kuratli, der einer der Mitbegründer des Goldacher Mittagstischs ist, plädiert dafür, dass jeder die Möglichkeit haben soll, solche Angebote zu nutzen. «Viele können es sich nicht leisten, dass ein Elternteil zu Hause bleibt.»

Ebenfalls einer Meinung sind sich die Kandidaten in Sachen Kommunikation des Gemeinderats. Diese wollen sie verbessern. Hochreutener wünscht sich im Vorfeld grosser Projekte Workshops für Anstösser. Das ist auch in Kuratlis Sinn. «Die Bevölkerung soll mitreden dürfen.»