Zusammen mit der Freundin Drogen verkauft

ST.GALLEN. Ein 41jähriger Schweizer hat kurz nach seiner Haftentlassung mit Drogen gehandelt. Er habe Geld verdienen wollen, weil er erfahren habe, dass er Vater werde, erklärte er jetzt vor Gericht.

Merken
Drucken
Teilen

Das Kreisgericht St. Gallen hat den Mann zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von fünf Jahren und neun Monaten verurteilt. Die Staatsanwaltschaft hatte acht Jahre, die Verteidigung nicht mehr als vier bis viereinhalb Jahre gefordert. Der Beschuldigte sass schon mehrmals wegen Betäubungsmitteldelikten und anderen Straftaten im Gefängnis. Erst im August 2009 wurde er bedingt aus dem Strafvollzug entlassen.

Grosse Heroinmenge

Die Anklage warf dem 41jährigen Schweizer vor, als Mitglied einer Bande einen florierenden Drogenhandel betrieben zu haben. Er hatte nach seiner Haftentlassung im Herbst 2009 bis zu seiner Verhaftung im Juni 2010 mehrheitlich in der Stadt St. Gallen Heroin und Kokain verkauft. Im Dezember lernte er eine Konsumentin kennen; nach einer Woche waren sie ein Paar. Zunächst nahm er die Freundin mit zu den Abnehmern, später schickte er sie alleine zur Auslieferung des Stoffes. Seine Aufgabe war es, die Drogen zu kaufen, die Streckmittel zu organisieren und die Bestellungen entgegenzunehmen.

Laut Anklageschrift verkaufte das Paar mindestens acht Kilogramm Heroin und rund fünfzig Gramm Kokain. Die Freundin erhielt für ihre «Läuferdienste» Betäubungsmittel für den Eigenkonsum. Der erzielte Umsatz wird auf über 200 000 Franken beziffert. Das Paar sei täglich mit dem Drogenverkauf beschäftigt gewesen, betonte die Staatsanwältin. In der fraglichen Zeit seien über 1000 Bestellungen abgewickelt worden. Angesichts der Tatsache, dass der Mann den Drogenhandel kurz nach der Haftentlassung gestartet habe, müsse man sein Vorgehen als besonders dreist bezeichnen.

Reinen Tisch machen

Der Beschuldigte war an der Gerichtsverhandlung mehrheitlich geständig. Er bezweifelte, dass die gehandelte Heroinmenge tatsächlich so hoch ist, wie sie ihm vorgeworfen wird. Als er erfahren habe, dass er Vater werde, habe er schnelles Geld machen wollen, begründete er den Drogenhandel. Sein Ziel sei gewesen, sein Kind finanziell zu versorgen. Nun wolle er «reinen Tisch» machen, damit seine Tochter einen Vater habe, der ein straffreies Leben führe.

Der Verteidiger betonte, dass die Anklagepunkte gegen seinen Mandanten nicht bestritten seien. Es gehe aber um eine der Schuld angemessene Strafe. Die von der Staatsanwaltschaft beantragten acht Jahre sprengten jedes Mass. Es könne durchaus sein, dass die Geburt seines Kindes eine Wende zum besseren im Leben seines Mandanten bedeute. Die Rolle als Vater nehme dieser ernst.

70 000 Franken Kosten

Das Kreisgericht St. Gallen sprach eine unbedingte Freiheitsstrafe von fünf Jahren und neun Monaten aus. Darin eingerechnet ist eine Reststrafe von einem Jahr. Bei der Verbüssung der letzten Gefängnisstrafe hatte man ihn frühzeitig bedingt entlassen. Die Untersuchungs- und Verfahrenskosten belaufen sich auf über 70 000 Franken, die der Verurteilte zahlen muss. (cis)