Zungenschnalzer und Kalauer

Am Samstag ging die Sendung «Die grössten Schweizer Talente» in die dritte Casting-Runde. Auch zwei Stadtsanktgaller haben an der Show mitgemacht. Beide sind ausgeschieden, lassen sich aber davon nicht von ihren Träumen abbringen.

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Wenn Ursula Rüegg mit der Zunge schnalzt, dann tönt es wie Kastagnetten. (Bild: Ralph Ribi)

Wenn Ursula Rüegg mit der Zunge schnalzt, dann tönt es wie Kastagnetten. (Bild: Ralph Ribi)

Ursula Rüegg bewegt ihre Lippen, doch sie sagt kein Wort. Stattdessen kommen rhythmische Klack- und Schnalzlaute aus ihrem Mund, begleiten zuerst ein Ländlerlied, danach einen Jive. «Als Kind habe ich gemerkt, dass ich mit meiner Zunge diese Geräusche machen kann», sagt die adrett gekleidete 67-Jährige, während sie an einem Tisch im Restaurant Walhalla in ihrem Tee und ihren Erinnerungen rührt. In welchem Alter, weiss sie nicht mehr genau, «etwa mit sechs oder acht Jahren.»

«Nicht berühmt, aber bekannt»

Ursula Rüegg ist in ärmlichen Verhältnissen in Zürich aufgewachsen, für ein richtiges Instrument hat das Geld nie gereicht. Möglicherweise hat sie deshalb mit dem Zungenschnalzen angefangen, um dann irgendwann wieder damit aufzuhören. «Ich fand keine Zeit mehr dafür, war zu sehr mit anderen Dingen beschäftigt.» Vor sechs Jahren hat sie ihr Talent wiederentdeckt, sich den Künstlernamen Ava Duena zugelegt und seither viel Zeit ins Üben investiert, um damit «nicht berühmt, aber bekannt zu werden.»

Von der Sendung enttäuscht

Stolz breitet sie Zeitungsartikel aus, zeigt eine Liste mit ihren bisherigen Auftritten. Mit einem Lächeln erzählt sie von ihrem Auftritt auf der St. Galler Talentbühne, von ihrer Statistenrolle im Film «Fräuleinwunder», von den Castings bei «Deutschland sucht das Supertalent». Doch als sie auf ihren Auftritt bei «Die grössten Schweizer Talente» zu sprechen kommt, wirkt sie enttäuscht: «Ich war im Fernsehen nur ganz kurz zu sehen. Die haben meine Show einfach rausgeschnitten.»

Ursula Rüegg hat schon einige Rückschläge einstecken müssen; ist bei den Talentwettbewerben nie weitergekommen. Doch aufgeben will sie nicht. Sie sei keine, die ihre Pension mit Kaffee, Klatsch und Kuchen verbringe. «Ich bin eine sehr aktive Person», sagt sie. Sie könne nicht einfach auf dem Ofenbänklein sitzen und nichts tun. (hae)

Gilbert-René Huber sitzt im Restaurant Alten Bäumli, ein Bier vor sich, eine Sonnenbrille auf der Nase. «My Comedy is my Musik» steht auf seinem grünen Sweatshirt. «Eigentlich wollte ich ja mit eigenen Liedern bei der Show mitmachen», beginnt Huber zu erzählen. Doch beim ersten Casting-Termin habe er unterwegs den Keyboard-Koffer mit seinem Keyboard verloren. Den zweiten Termin verpasste er, weil er sein Portemonnaie zu Hause liegen liess. Beim dritten Mal sei er dann einfach mit einer Comedy-Nummer ans öffentliche Casting gegangen. Mit seinen beiden «sprechenden» Kissen schaffte er es in die nächste Runde.

«Highlight meines Lebens»

«Ich mache Stegreif-Comedy – Reif am Steg am Vierwaldstättersee», kalauert Huber. Er hat viele solcher Sprüche auf Lager, spielt mit Wörtern und verdreht sie. Er wolle die Menschen zum Lachen bringen. Huber ist überzeugt: «Lachen hat eine positive Wirkung auf die Gesundheit.» Dass er die drei Juroren nicht überzeugen konnte und ihm einige der Zuschauer den Rücken zugekehrt und gebuht haben, stört ihn nicht weiter. «Der Auftritt war das Highlight meines Lebens.»

Glaube an sich selbst behalten

Als Kind ist Huber beim Schlitteln kopfvoran in ein Geländer geprallt. Die Folgen des Unfall in der Kindheit bekam er erst Jahre später zu spüren. «Einige Jahre nach dem Kaufmännischen Lehrabschluss bekam ich Migräneanfälle, Panikattacken und Sehstörungen», erzählt Huber.

Seither ist er arbeitsunfähig, lebt seine künstlerische Kreativität aus, indem er malt, fotografiert, Gedichte schreibt und Lieder komponiert. «So behalte ich den Glauben daran, dass ich etwas kann», sagt Huber. Er bemüht sich um Auftritte, ist als Musiker und Komödiant bei mehreren Talentshows und an Messen aufgetreten. «Ich träume davon, irgendwann davon leben zu können», sagt Huber. (hae)

Hat Spass am Lachen: Gilbert-René Huber mit seinen beiden Kissenpuppen. (Bild: Urs Jaudas)

Hat Spass am Lachen: Gilbert-René Huber mit seinen beiden Kissenpuppen. (Bild: Urs Jaudas)

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