Zum Essen fast zu schön

GOSSAU. Eine Grossmutter, ein Polizist oder ein Appenzeller: Die Confiserie Gehr in Gossau stellt besondere Osterhasen her. Sie sind so hübsch, dass es Kunden gibt, die sie gar nicht essen.

Christa Kamm-Sager
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Unter Isabella Gehrs geschickten Händen entstehen einzigartige Schoggi-Osterhasen. (Bild: Benjamin Manser)

Unter Isabella Gehrs geschickten Händen entstehen einzigartige Schoggi-Osterhasen. (Bild: Benjamin Manser)

Der Grossmutter-Osterhase hält eine «Lismete» in den Pfoten und trägt eine graue Schürze. Daneben steht ein Polizist in blauer Uniform – auch er ein Osterhase. «Dieses Jahr haben wir einen Bachelor-Osterhasen kreiert», sagt Isabella Gehr, «er hat eine Rose im Knopfloch». Die Rose ist aus Marzipan und Isabella Gehr der kreative Kopf hinter den einzigartigen Osterhasenkreationen, von denen das Ladengeschäft der Confiserie Gehr in Gossau vor den Ostertagen fast überquillt und eine lustiger anzusehen ist als die andere.

Der Papst als Osterhase

Vor sechs Jahren hätten sie den ersten verkleideten Osterhasen auf Kundenwunsch produziert: einen Appenzeller. Unter den geschickten Händen der Gehr-Confiseure entstand ein schicker Kerl mit rotem Gilet und schwarzem Appenzeller-Hut aus Marzipan. Der kam so gut an, dass fortan die Produktion dieser Spezialanfertigung ins Osterprogramm der Confiserie aufgenommen wurde. Aber weil Confiseure kreative Leute sind, blieb es nicht bei diesem einen Sujet. «Es kamen immer wieder neue Figuren dazu», sagt die 27jährige Isabella Gehr lachend, die zusammen mit ihrem 35jährigen Bruder Matthias die Confiserie in vierter Generation führt. Heute stehen neben einem Prinzessin-Osterhasen, ein Schwinger, ein Staplerfahrer oder – dieses Jahr speziell zum Ereignis passend – sogar ein Papst. «Wir fertigen auf Wunsch eigentlich alle Berufsleute.» So hätten sie für die Angestellten einer Metzgerei auch schon Metzger-Osterhasen hergestellt. In den fünf Gehr-Filialen in Gossau, Andwil, Arnegg und Degersheim stehen insgesamt 2700 Osterhasen zum Verkauf bereit, 450 davon sind Sujethasen.

Idealismus und Freude am Beruf

Die Fertigung eines Osterhasen, der nicht vom Fliessband springt, ist eine zeitaufwendige Arbeit: Zuerst werden die Formen geschminkt – erhalten also Augen und Schnauzhaare. Dann werden sie mit der Couverture ausgepinselt, damit sich auf der Oberfläche keine Luftblasen bilden. Schliesslich werden die Vorder- und die Rückseite zusammengeklammert und die Form mit Couverture ausgegossen. Auf einem Gitter werden sie umgekehrt aufgestellt, so dass die Couverture wieder ausläuft und nur ein dünner Rand zurückbleibt. Dieser wird leicht angetrocknet und dann der Boden angefügt. Nach einer halben Stunde im Kühlschrank lässt sich das Schokoladehäschen leicht aus der Form lösen. Kommt ein Confiseur-Osterhase normalerweise so in den Verkauf, wird er in der Confiserie Gehr jetzt noch mit bunten Marzipankleidern aufgepeppt. «Pro Hase gibt das etwa eine Viertelstunde zusätzlichen Aufwand», sagt Isabella Gehr. Arbeitszeit, die sich auch im Preis niederschlägt, aber hinter der vor allem Idealismus und Freude am Beruf steht: «Wir wollen uns abheben von den Grossverteilern. Solche Hasen kann man sonst nirgends kaufen. Und wir haben einfach selber Freude daran.»

Dreijähriger Osterhase

Die Kundinnen und Kunden kommen denn auch von weit her, um einen Gehr-Osterhasen zu erstehen. Eine Bernerin habe letzthin fünf Appenzeller-Hasen – der beliebteste von allen – gekauft. Immer wieder kommt es vor, dass ganz spezielle Sujets bestellt werden und die drei Lehrlinge und drei Angestellten in der Confiserie in ihrer Kreativität gefordert werden. Manche Kunden finden die Hasen so schön, dass sie es gar nicht übers Herz bringen, sie zu essen, weiss Isabella Gehr: «Eine Kundin hat mir erzählt, dass ihr Hase jetzt schon drei Jahre alt ist.»

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