Zug ist bereits abgefahren

GOSSAU. Der Gossauer Bahnschalter ist seit dem 1. November jeweils am Sonntag geschlossen. Gegen diesen Entscheid der SBB regt sich Widerstand. Auch von politischer Seite.

Lukas Aebersold
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Zu wenig Kundschaft: Der Gossauer Bahnschalter ist seit 1. November am Sonntag geschlossen. (Bild: Michel Canonica)

Zu wenig Kundschaft: Der Gossauer Bahnschalter ist seit 1. November am Sonntag geschlossen. (Bild: Michel Canonica)

Wer in Gossau am Sonntag ein Bahnbillett lösen will, kann dies nicht mehr am Schalter tun. Er muss sich das Billett auf einem anderen besorgen. Die Schliessung ärgert nicht nur die Bürgerinnen und Bürger, sondern auch Politiker. Einige Stadtparlamentarier reichten dem Stadtrat eine Interpellation ein. Laut dem Mediensprecher der SBB, Daniele Pallecchi, seien die Verhandlungen beendet.

«Der Regionenleiter der SBB bezog brieflich und in persönlichen Gesprächen die Vertreter der Politik frühzeitig in die Planung mit ein.» Jetzt seien die Gespräche abgeschlossen. Auch für eine Wiederaufnahme des Schalterbetriebes am Sonntag im Rahmen einer Probephase sähen die SBB keine Veranlassung.

Die SBB begründen den Entscheid «als notwendigen Schritt». Der Bund habe den SBB aufgetragen, das Unternehmen nach «marktwirtschaftlichen Grundsätzen zu führen.» Das bedeute, dass wenn die Kosten nicht mehr gedeckt werden könnten, Massnahmen ergriffen werden müssten.

Am Sonntag sei der Betrieb nicht mehr kostendeckend gewesen (Tagblatt vom 28. Oktober 2009). «Die Zahlen der Bahnschalter werden über längere Zeit beobachtet», sagt SBB-Mediensprecher Daniele Pallecchi. Die Schliessung des Schalters in Gossau am Sonntag komme nicht aus heiterem Himmel.

Entscheid nicht hinnehmen

Der Entscheid der SBB stösst vielen sauer auf. Auch die SP Gossau ist verärgert über die Schliessung.

In einer von Karl Bürki eingereichten Interpellation schreibt die SP, dass im ähnlich grossen Wil der Bahnschalter Sonntags geöffnet bleibe. Gossau werde «in denselben <Topf> geworfen wie das wesentlich kleinere Arbon.»

Die SP will vom Stadtrat wissen, ob dieser über die bevorstehende Schliessung informiert worden sei und wie er darauf reagiert habe.

Des weiteren fragt sie, wie der Stadtrat die weitere Entwicklung des Bahnhofs Gossau sehe und was er unternehmen werde, um ein gutes Angebot im öffentlichen Verkehr zu gewährleisten. Ein Abbau von Dienstleistungen fördere wohl kaum die Attraktivität Gossaus.

Alternativen nutzen

Den Beschwerden hält Daniele Pallecchi entgegen: «Man darf nicht vergessen, dass der Gossauer Bahnschalter nach wie vor während sechs von sieben Tagen geöffnet ist.

» Wer dennoch keine Zeit habe, während den Schalteröffnungszeiten ein Billett zu kaufen, der könne die zahlreichen anderen Kanäle benutzen, welche die SBB anböten, sagt Pallecchi. Bahnreisende könnten via Internet und neu sogar via Handy ihr Billett kaufen.

Rund um die Uhr erreichbar

Die SP ist mit diesen Vorschlägen nicht zufrieden, denn «ein grosser Teil der Bevölkerung» verfüge nicht über diese Hilfsmittel.

Dem entgegnet Pallecchi, dass Billette auch täglich rund um die Uhr telefonisch bestellt werden könnten. Zudem gebe es auch die Möglichkeit, Mehrfahrtenkarten zu kaufen oder den Vorverkauf zu nutzen: «Unsere Erfahrungen zeigen, dass gerade ältere Leute gerne den Vorverkauf benützen», sagt der SBB-Mediensprecher.

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