Zuerst Ersatzbank, jetzt Captain

Die leichten spielerischen Vorteile in der zweiten Halbzeit reichen dem FC Abtwil-Engelburg in Herisau nicht zum Sieg. Er verliert 1:2. Captain Nico Forster macht über 90 Minuten das, was er am besten kann: Kämpfen bis zum Schlusspfiff.

Beni Bruggmann
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Abtwil-Engelburgs 29 Jahre alter Captain Nico Forster im Spiel gegen Herisau. (Bild: Urs Bucher)

Abtwil-Engelburgs 29 Jahre alter Captain Nico Forster im Spiel gegen Herisau. (Bild: Urs Bucher)

FUSSBALL.. Verletzungen gehören zum Fussball. Nico Forster, den 29jährigen Mittelfeldspieler des FC Abtwil-Engelburg, erwischte es ganz arg. Zwei Jahre lang schmerzen ihn beide Knie. Es folgen Operationen, Aufbautraining, Hoffnungen – und Rückschläge. Die Statistik der Vorrunde spricht eine deutliche Sprache. In den elf Spielen spielt er nie. Dreimal sitzt er auf der Ersatzbank, ohne eine einzige Minute Einsatzzeit. Kein Wunder, dass er sich Gedanken über ein Ende der Fussballkarriere macht.

Aber für den Kämpfer ist klar: «Ich will nochmals zurück ins Team.» Die Vorbereitung auf die Rückrunde verläuft erfolgreich, also verletzungsfrei, und so ist der Weg frei für ein Comeback. Im ersten Spiel gegen Flawil steht er in der Startformation, im zweiten, gegen Wängi, ist er bereits Captain und Torschütze, und seither ist die Fussballwelt für ihn wieder in Ordnung. Aber bei aller Freude und Zufriedenheit: Ende Saison ist Schluss.

Beruf und Gesundheit

«Mein Körper braucht Ruhe. Der Entschluss zum Rücktritt steht fest.» Forster arbeitet im Marketing von Coca Cola in Brüttisellen, pendelt also zwischen St. Gallen und Zürich. Und die Knie-Geschichten sind nicht vergessen. Seine Freundin Jana wird diesen Entscheid wohl auch akzeptieren. «Sie hat sich vor unserer gemeinsamen Zeit nicht gross für Fussball interessiert», sagt er, «aber nun hat sie mich in meinem Sport sehr unterstützt.» In Herisau jedenfalls war sie als Zuschauerin dabei.

Für Forster gibt es nur den FC Abtwil-Engelburg. Da hat er als Knirps die ersten Fussballspiele bestritten, und da wird er ab nächster Saison als Senior spielen. «Vielleicht nehmen sie mich dort auch dann noch, wenn ich nur noch selten trainieren kann», schmunzelt er. Auf seinen Stammverein ist er stolz: «Hier habe ich meine Kollegen. Und die Philosophie, als Dorfverein auf hohem Level zu spielen, gefällt mir.»

Zweikampfstark

Forsters und der FC Abtwil-Engelburg, die gehören zusammen: Nicos Vater Ivo ist Präsident, sein Bruder Kevin spielte als Torhüter auch schon in der ersten Mannschaft, und Peter Forster, der Bruder von Ivo, ist Juniorentrainer, sein Sohn Jordi steht in Herisau im Abtwiler Tor. Nico Forster, Rechtsfüsser, spielt im linken Mittelfeld. Er ist stark in den Zweikämpfen und kommt so immer wieder in Ballbesitz. Wenn er den Ball einmal hat, ist er in sicheren Händen – beziehungsweise Füssen. Er deckt ihn mit seiner ganzen Körperkraft ab und hat deshalb kaum einen Ballverlust. Seine Zuspiele sind von guter Qualität. Als sein Team in den letzten Minuten mit aller Kraft den Ausgleich sucht und jeder nach vorne stürmt, bleibt er besonnen. Aus dem Mittelfeldspieler wird der hinterste Mann.

Ligaerhalt geschafft

Die Niederlage werden Forster und seine Mitspieler verkraften, denn genau an diesem Sonntag wurde endgültig: Der FC Abtwil-Engelburg bleibt nach der Niederlage von Flawil in Tägerwilen in der zweiten Liga.