Züglete an der Sitter

Platz frei für die Geothermie: Seit Anfang April sind die Vorarbeiten für das Heizkraftwerk in Gang. Polizeischützen und Reiter müssen weichen. Für beide wurde ein neues Plätzli gefunden – für die Reiter allerdings ausserhalb der Stadt.

Malolo Kessler
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Blick auf den künftigen Bohrplatz: In der Mitte das Fundament der «Silberhalle», die bereits rückgebaut wurde. Links der Stand der Polizeischützen, im Hintergrund der Reitplatz des Reitclubs St. Gallen. Das Gebäude rechts im Bild bleibt stehen. (Bild: Hanspeter Schiess)

Blick auf den künftigen Bohrplatz: In der Mitte das Fundament der «Silberhalle», die bereits rückgebaut wurde. Links der Stand der Polizeischützen, im Hintergrund der Reitplatz des Reitclubs St. Gallen. Das Gebäude rechts im Bild bleibt stehen. (Bild: Hanspeter Schiess)

Nur das Betonfundament steht noch. Sonst ist nichts mehr übrig vom Materiallager der Entsorgung St. Gallen, der «Silberhalle», die zwischen Rechenwaldstrasse und Sitter stand. Die Halle wurde in den vergangenen zwei Wochen dem Erdboden gleichgemacht. Denn hier, auf 18 000 Quadratmetern in der Au gleich neben dem OpenAir-Gelände, könnte in wenigen Jahren das Geothermie-Kraftwerk stehen (siehe Kasten).

Schützen auf die Ochsenweid

Die Vorarbeiten am Bohrplatz des Kraftwerks wurden Anfang April aufgenommen. Bevor gebohrt und gebaut wird, muss rückgebaut werden. Die «Silberhalle» wird laut Marco Huwiler, Bereichsleiter Geothermie bei den St. Galler Stadtwerken, bei der Deponie Tüfentobel wieder aufgestellt. Es stehe nur noch die definitive Baubewilligung der Gemeinde Gaiserwald aus.

Aber nicht nur die «Silberhalle» muss weichen. Gegenwärtig wird auch der Schiessstand der Polizeischützen rückgebaut. Später soll er in der Ochsenweid wieder aufgestellt werden. Diese Woche wird dafür laut Huwiler das Baugesuch eingereicht. Die Ochsenweid sei eine Lösung, über welche die Mitglieder der Polizeischützen zu Beginn «nicht gerade erfreut» gewesen seien, wie Präsident Gerhard Stucki sagt. «Der Schiessstand wurde erst 2002 neu gebaut. Wir haben viel Fronarbeit und Herzblut investiert.» Aber schliesslich sei das Heizkraftwerk ein zukunftsgerichtetes Projekt, dessen Notwendigkeit man einsehe. Und wofür man das Zügeln in Kauf nehme.

Reiter können «damit leben»

Auch für die Reiter des Reitclubs St. Gallen ist auf dem Areal des künftigen Heizkraftwerks kein Platz mehr. Für ihren Reitplatz musste ebenfalls eine Alternative gefunden werden. «Was nicht ganz einfach war», sagt Huwiler. Ein Reitplatz müsse ebenerdig und trocken sein. So etwas auf Stadtboden zu finden, sei schwierig. Und so zügeln die Reiter voraussichtlich von Abwasserreinigungsanlage zu Abwasserreinigungsanlage: Die Alternative, über die der Vorstand des Reitclubs diese Woche entscheidet, liegt bei der ARA-Hofen in Wittenbach. Auf Boden, der St. Gallen gehört.

Dieser Platz sei zwar kleiner als jener an der Sitter und liege etwas ausserhalb, sagt Bruno Brovelli, Präsident des Reitclubs St. Gallen. «Aber wir sind froh darüber, dass wir jetzt wahrscheinlich eine Alternative haben. So wie es aussieht, können wir mit dieser Lösung leben.»

Fläche frei in drei Wochen

Sobald der Reitclub sich mit der Alternative in Wittenbach definitiv einverstanden erklärt, wird laut Huwiler auch mit dem Rückbau des Reitplatzes begonnen. Der gesamte Rückbau sei eine «grosse logistische Herausforderung». Läuft alles nach Plan, ist in drei Wochen die Züglete an der Sitter vorbei, die ganze Fläche frei für die Geothermie. Und auch das Fundament der «Silberhalle» verschwunden.

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