Zu viele Angebote, zu wenig Grenzen

Am Montagabend sprachen CVP-Frauen und Fachleute über Jugendalkoholismus. Schwerpunkte waren die 24-Stunden-Gesellschaft, die öV-Angebote und die Rolle der Eltern.

Malolo Kessler
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Jugendalkoholismus: Immer öfter wird öffentlich getrunken. (Archivbild: Hannes Thalmann)

Jugendalkoholismus: Immer öfter wird öffentlich getrunken. (Archivbild: Hannes Thalmann)

Ein 13-Jähriger, der sich ins Koma trinkt. Eine 14-Jährige, die unter Drogen durch die Stadt irrt. Ein 12-Jähriger, der nach 10 Uhr abends noch in der Innenstadt unterwegs ist. Davon erzählten Jugendpolizistin Rahel Hug und Hansueli Salzmann, Abteilungsleiter Offene Jugendarbeit, am Montagabend im «News» am Standtischgespräch der CVP-Frauen zum Thema «Jugendalkoholismus». Salzmann und Hug sprachen aber auch von den anderen: Dem grössten Teil der Jugendlichen. Jenen, die «ganz normal ausgehen».

Ein «brennendes Thema»

Ein gutes Dutzend Zuhörerinnen und Zuhörer waren zum Gespräch gekommen. Jugendalkoholismus sei ein «brennendes Thema», sagte Martina Signer, Präsidentin der CVP-Frauen der Stadt St. Gallen. Man sehe immer öfter junge Menschen, die sich in Ausgangssituationen «sinnlos betrinken» würden. «Junge Menschen, die unsere Zukunft sind». Salzmann bestätigte, dass sich die Situation rund um Alkohol und Gewalt zugespitzt habe, als er eingangs seine Arbeit vorstellte.

Allerdings, sagte Jugendpolizistin Hug, habe nicht die Zahl der Schlägereien zugenommen, sondern deren Intensität. Ein weiteres Problem seien die Eltern. Freiwillige Angebote, wie etwa Informationsabende zum Thema, würden fast gar nicht genutzt, sagte Salzmann. Zudem gebe es viele Eltern, die sich gar nicht so sehr für das Trinkverhalten ihrer Kinder interessieren würden, sagte Hug. Eine Zuhörerin schlug daraufhin vor, «obligatorische Kurse für Eltern» einzuführen.

Verkaufsverbot ab 22 Uhr?

Über die Grundprobleme in bezug auf Jugendalkoholismus waren sich Zuhörer und Fachleute an diesem Abend mehr oder minder einig. Jugendliche kommen jederzeit zu Alkohol, sie dürfen überall trinken, kommen mit dem öV bis tief in die Nacht wieder nach Hause. Ein Alkoholverbot von 24 bis 7 Uhr im öffentlichen Raum würde wenig nützen, sagte Hug. «Die meisten Jugendlichen betrinken sich vor Mitternacht.

» Salzmann kritisierte die 24-Stunden-Gesellschaft, sprach sich für ein Alkohol-Verkaufsverbot ab 22 Uhr aus. Dennoch solle man Jugendliche auch Jugendliche sein lassen, sagte er abschliessend. Solche, die ein bisschen anecken, ein bisschen «wehtun». Und die Erwachsenen plagen.

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