Zu viel Wind fürs Windrad

MÖRSCHWIL. Beim Gewerbezentrum Meggenhus steht ein weltweit einzigartiges Windrad. Während des heftigen Sturms vom vergangenen Wochenende ist ein Teil des Flügelkastens abgebrochen. Bei der Herstellerfirma aus Bern ist man froh, dass das jetzt passiert ist.

Corinne Allenspach
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Wegen des Sturms ist beim Windrad im Mörschwiler Meggenhus der obere Teil eines Flügels abgebrochen. (Bild: Urs Bucher)

Wegen des Sturms ist beim Windrad im Mörschwiler Meggenhus der obere Teil eines Flügels abgebrochen. (Bild: Urs Bucher)

Es ist weder von der Autobahn noch von der St. Gallerstrasse aus zu übersehen, das 23 Meter hohe Windkraftwerk beim Gewerbezentrum Meggenhus. Seit November produziert es dort Strom und Wärme für rund 30 Gewerbebetriebe. Laut der Herstellerfirma, der MSW Energie AG aus dem Bernbiet, ist die Windanlage ein weltweit einzigartiger Prototyp.

Theorie ist nicht gleich Praxis

Nun hat aber ausgerechnet der Wind am Wochenende dem Windkraftwerk zugesetzt. «Ein Teil des Alu-Flügelkastens ist abgebrochen», sagt Werner Zürcher von der MSW Energie AG. Zwar habe man die Kräfte, die auf die Anlage wirken, für Windspitzen bis 150 km/h berechnen lassen. Manchmal seien aber Theorie und Praxis nicht dasselbe. Am Wochenende seien zudem teils noch stärkere Winde gemessen worden. Was fürs Material kein Problem gewesen sei. «Aber die Schweissnähte haben nicht gehalten», sagt Zürcher.

Alle Flügel austauschen

Hergestellt wurden die Flügel von einer «namhaften Firma, die täglich Alu schweisst». Weil es sich um eine Versuchsanlage handelt, wurden beim Aufstellen zusätzliche Sicherheiten eingebaut. So habe man etwa die Flügel (Rotorblätter) mit Seilen gesichert, um ein Abstürzen zu verhindern. Zürcher hat inzwischen veranlasst, dass die Flügel nachgebessert werden. «Ein Windrad muss selbstverständlich dem Sturm standhalten», sagt er. Neu werde man sämtliche Alu-Flügel durch solche aus extrem starken Kunststofffasern ersetzen. Die Alu-Flügel seien zwar stabil, haben laut Zürcher aber bei gewissem Sonnenstand gespiegelt. Er bedauert es für die Betreiber des Gewerbezentrums, dass schon nach kurzer Zeit eine Reparatur nötig ist. Er selber ist aber froh, dass der Sturm jetzt und nicht erst in ein paar Jahren gekommen ist: «Dann wären vermutlich bereits Dutzende solcher Windräder in Betrieb gewesen.»

Kein Problem für Vögel

Die bisher üblichen horizontalen Windräder funktionieren nach dem «Prinzip Flugzeugflügel». Anders die Anlage in Mörschwil: Dort stehen die Rotorblätter senkrecht und die Übertragung der Windenergie in elektrische Energie erfolgt hydraulisch. Vorteile dieser Technik seien, dass die Flügel langsam drehen und kein Problem für Vögel und Fledermäuse seien. Zudem ist die Anlage nahezu geräuschlos und die Flügel können den Wind frontal aufnehmen. «Dadurch kann man bereits bei ganz schwachem Wind Strom produzieren.» Zürcher ist überzeugt, dass die Mörschwiler Anlage dereinst «super funktionieren» wird. Als Rückschlag sieht er den Sturmschaden nicht. «Gerade bezüglich erneuerbarer Energien könnte man ja nichts mehr machen, wenn man keine Risiken einginge.»