ZONENPLANÄNDERUNGEN: Rorschach hat weniger Zeitdruck

Ab 1. Oktober lange Zeit fast keine Umzonungen mehr: Das trifft Rorschach dank einer Ausnahme wenig. Deshalb liegen hier vorher nur Änderungen für drei kleine Bauzonen und eine grössere auf.

Fritz Bichsel
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Das Quartier zwischen der Mariabergstrasse (links) und dem Stadthof (rechts) soll zwischen Kirchstrasse und Bahnlinie Kernzone werden für dichteres Bauen. (Bild: Marcel Muttner)

Das Quartier zwischen der Mariabergstrasse (links) und dem Stadthof (rechts) soll zwischen Kirchstrasse und Bahnlinie Kernzone werden für dichteres Bauen. (Bild: Marcel Muttner)

Fritz Bichsel

redaktionot@tagblatt.ch

Rorschach wird umgebaut. Neubauten anstelle der Alcan-Fabriken, der Brauerei, von Lagern am See und auf lange nur noch zum Parkieren genutzten Arealen: Das sind die auffälligsten Neuerungen im Stadtbild. Solche und weniger spektakuläre planen oder prüfen der Stadtrat und Grundeigentümer viele weitere – aktuell für gut zwanzig Flächen in weiten Teilen von Rorschach.

Oft geht es dabei auch um eine andere Nutzung – wie um Wohnen statt Industrie. Dafür muss der Zonenplan geändert werden. Vorläufig ist das nun grundsätzlich nur noch möglich, wenn die Umzonung bis 30. September 2017 öffentlich aufgelegt war. Mit dem kantonalen Planungs- und Baugesetz ab 1. Oktober wird es übliche Umzonungen in einer St. Galler Gemeinde erst wieder geben, nachdem sie ihren ganzen Zonenplan und ihr Baureglement diesem Gesetz angepasst hat. In dicht überbautem Gebiet wie in Rorschach ist das oft umstritten. So kann es Jahre dauern. Erlässt Rorschach nun noch viele Zonenpläne für weitere bauliche Erneuerung? Oder wird der Umbau der Stadt für längere Zeit unterbrochen? Nein; der Stadtrat vermeidet beides.

Er steuert die Entwicklung der Stadt umfassend, stösst die meisten Projekte selber an. «Weil Rorschach zu fast hundert Prozent überbaut ist, geht es stets um den Ersatz von Altem durch Neues», erklärt Stadtpräsident Thomas Müller. «Das Neue soll sich gut in den Stadtkörper einfügen und gemäss dem Gesamtkonzept für die Entwicklung der Stadt genutzt werden.» Umzonungen koppelt der Stadtrat deshalb möglichst mit Sondernutzungsplänen. In diesen kann er weitgehend mitbestimmen, wie und wofür gebaut, wie der Verkehr geführt und die Umgebung gestaltet wird. Mit dem neuen kantonalen Planungsgesetz wird das schwierig: Grundsätzlich müsste die Stadt jetzt alle Flächen umzonen, auf denen in den nächsten Jahren alte Bauten ersetzt werden sollen für andere Zwecke – auch wenn sie noch nicht bestimmen konnte, wie gebaut werden darf. Sie nutzt aber eine Gesetzesbestimmung, die das vermeidet: Die «Schwerpunktzone», die mit dem neuen Planungsgesetz geschaffen wird. «Schwerpunktzonen ermöglichen die Neuüberbauung von Siedlungsgebieten, die zur Umstrukturierung bestimmt sind», steht im Gesetz. In Rorschach trifft das für viele Stadtteile zu. Und der Kanton hat festgelegt, dass solche Zonen auch geschaffen werden können, bevor der ganze Zonenplan geändert ist. Das will der Stadtrat in den nächsten Jahren nutzen für mehrere grössere Flächen – darunter das ganze Feldmühleareal.

Noch bevor das neue Gesetz gilt, beantragt er jetzt nur die Umzonung für die bereits projektierte Wohnsiedlung anstelle von Betriebsbauten an der Löwenstrasse sowie von vier Flächen, deren neue Nutzung bereits feststeht: Das Gebiet zwischen Mariabergstrasse und Stadthof in die Kernzone für dichteres Bauen –als einzige grössere Neuerung; drei Parzellen westlich der Industriestrasse beim Wasserwerk von der Wohn- in die Wohn-/Gewerbezone wie angrenzende Liegenschaften; zwei Parzellen am nördlichen Ende der Feldmühlestrasse – wo die Unterführung des Stadtbahnhofs enden wird – als Reserve für den Ausbau der Berufsschule; das Garderobengebäude am Sportplatz in die Wohn- und Gewerbezone, damit ein Neubau von Privaten mitbenützt werden kann.