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Zollamt vor der Schliessung

Noch ist es nicht fix, aber aller Wahrscheinlichkeit nach wird das zivile Zollamt St. Gallen bald geschlossen. Bundesrat Ueli Maurer will auch nach der Vernehmlassung an seinen Sparplänen festhalten. E-Commerce-Firmen bedauern das sehr.
Daniel Wirth
Stempel des Zollamtes St. Gallen: Sie werden wohl bald nicht mehr auf Abfertigungspapiere gedrückt. (Bild: Benjamin Manser)

Stempel des Zollamtes St. Gallen: Sie werden wohl bald nicht mehr auf Abfertigungspapiere gedrückt. (Bild: Benjamin Manser)

Zwischen der MS Direct AG mit Sitz an der Fürstenlandstrasse 35 und dem Zollamt St. Gallen an der Oberstrasse 222 liegen circa 500 Meter. Diese Nähe ist für die im Internethandel tätige Unternehmung mit circa 900 Mitarbeitenden von grosser Bedeutung, wie Urs Mettler, der Senior Account Manager Logistics der MS Direct AG, sagt. Das Unternehmen arbeitetet mit mehr als 40 ausländischen grossen Kunden unterschiedlicher Branchen im Onlinehandel zusammen.

Brief an Zollkreisdirektion

Geschäftsführer Milo Stössel nennt die MS Direct AG in einem Brief an die Zollkreisdirektion in Schaffhausen einen der «grössten Kunden» des Zollamtes St. Gallen. Stössel bezeichnet in seinem Schreiben an Fredy Bucher, den höchsten Ostschweizer Zöllner, das Zollamt St. Gallen mit seinen acht Mitarbeitenden als «Kompetenzzentrum». Das komplexe E-Commerce-Geschäft mit der Rückwarenabwicklung in die EU und die damit verbundene Zollrückerstattung würden heute sehr zeitnah und kompetent bearbeitet. Auch beratungsintensive Kundengeschäfte wie der Import von Schmuck, Futtermitteln, Nahrungsergänzung und Kosmetika könnten seine Mitarbeitenden mit den Zollbeamten vor Ort in St. Gallen stets schnell und mit hoher Prozesssicherheit abwickeln. «Diese partnerschaftliche und zielführende Zusammenarbeit war und ist für uns stets sehr wertvoll», schrieb Milo Stössel im Herbst 2015 an die Zollkreisdirektion. Und: «Es wäre für uns als Dienstleister im E-Commerce-Geschäft äusserst bedauerlich, wenn das Zollamt St. Gallen tatsächlich geschlossen würde.» In Stein gemeisselt ist die Schliessung des Zollamtes St. Gallen noch nicht (siehe Zweittext), doch es müsste ein Wunder geschehen unter der Bundeshauskuppel, ehe National- und Ständerat die Sparpläne des Finanzministers Ueli Maurer beim Zoll noch korrigierten.

Ein Zeitverlust droht

Urs Mettler sagt, die Zusammenarbeit zwischen den Zöllnern in St. Gallen und den Mitarbeitern der MS Direct AG sei von Vertrauen und Wertschätzung geprägt. Wenn eine Lastwagenladung von den Zöllnern bei der MS Direct AG kontrolliert werde, seien die kurzen Wege ein Vorteil. Es sei davon auszugehen, dass es länger dauern werde, bis jemand von St. Margrethen im Westen von St. Gallen sei, sagt er.

Die MS Direct AG setzt im Jahr gemäss Angaben auf ihrer Homepage rund 100 Millionen Franken um. Das Unternehmen empfängt und versendet gemäss eigenen Angaben im Internet pro Monat 300 000 Pakete, das Gros aus und nach Ländern in der EU; diese Pakete werden vom Zollamt St. Gallen abgefertigt.

Politik kümmert es hier wenig

Die St. Galler Ständeräte Karin Keller-Sutter (FDP) und Paul Rechsteiner (SP) haben sich in Bern für den Erhalt der Zollstellen in der Ostschweiz eingesetzt.

Im Oberthurgau sammelte die FDP gut 25 000 Unterschriften für den Erhalt des Zollamts in Romanshorn; die Petition ist in Bern medienwirksam den Behörden überreicht worden.

Die vom Bundesrat geplante Schliessung des Zollamts in St. Gallen schlug regional keine hohen Wellen. Ein SP-Kantonsrat reichte einen Vorstoss ein. Die Regierung schrieb nach Bern. Mehr geschah hier (noch) nicht.

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