«Zirkus, das ist mein Leben»

ST.GALLEN. Nicht zum ersten Mal ist der Bauchredner Willer Nicolodi mit dem Circus Knie auf Tournée. In St. Gallen haben wir ihn getroffen – zusammen mit Joselito, seiner lustigen Ratte.

Rolf App
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Werden unruhig, wenn sie zu lange zu Hause sind: Joselito und Willer Nicolodi. (Bild: Urs Bucher)

Werden unruhig, wenn sie zu lange zu Hause sind: Joselito und Willer Nicolodi. (Bild: Urs Bucher)

Bevor wir mit ihm über den Bauchredner und seine kuriose Puppe reden, mit dem er dem zweiten Teil des diesjährigen Knie-Programms einen komischen Glanzpunkt aufsetzt, wollen wir etwas über den Ehemann und Familienvater Willer Nicolodi erfahren. Immerhin: Seit 35 Jahren ist er mit einer ehemaligen Miss Schweiz zusammen. «Oh, ich habe das nicht gewusst, als ich 1979 in Zürich diese Béatrice Aschwanden kennenlernte», sagt er.

Wie man eine Frau kennenlernt

Und er erzählt, wie sie ihm schon im vorbeifahrenden Auto aufgefallen ist, und er sie dann von der Knie-Manege aus im Publikum gesehen hat. «Ich war da noch Artist, und bin gleich nach der Vorstellung zum Zeltausgang gelaufen, um sie kennenzulernen. Sie hat sehr distanziert reagiert und gesagt, wenn es denn sein müsste, habe sie fünf oder zehn Minuten Zeit.»

Aus zehn Minuten sind zwei Stunden im Café geworden. «So haben wir uns kennengelernt. Ich habe sie dann zu einer Party eingeladen, und es hat ihr gefallen unter den Zirkusleuten.» Im Café übrigens hat Willer Nicolodi Bilder von ihr an der Wand gesehen – und erst erfahren, dass er es mit der Miss Schweiz von 1975 zu tun hat.

«Sie besucht mich»

Willer Nicolodi ist auch mit 55 noch ein charmanter Mann, man kann ihn sich gut vorstellen in diesen jungen Jahren. Er erzählt die Geschichte augenzwinkernd – und wohl auch mit Stolz, dass die Beziehung gehalten hat. Denn einfach ist es ja nicht: Hier ein mittlerweile zum Bauchredner mutierter Artist, der das Herumreisen im familiären Blut hat, da eine Schönheitskönigin und Schauspielerin. «Wenn sie Zeit hat, besucht sie mich», erzählt er.

Sie haben zwei Kinder zusammen: Dustin, einen Sohn, der heute 32 und Komiker ist, und eine Tochter, die 28jährige Sheila, die als Pole-Akrobatin mit ihrem Vater auf der Knie-Tournée ist. Sie sind Zirkusmenschen in achter Generation.

Die zweite Karriere

Die Nicolodis stammen aus dem Südtirol. «Mein Grossvater war Kunstturner, meine Grossmutter hat die Zirkustradition mitgebracht», erzählt er. «Ich bin lange zusammen mit meinen Brüdern als Artist aufgetreten und habe das geliebt. Ich war auch nicht schlecht. Aber so mit 35, 40 wird man in dieser Sparte langsam alt, ausserdem wollte ich etwas alleine machen. So habe ich es mit Bauchreden probiert. Wir waren da gerade in Paris am Moulin Rouge engagiert, und ich hatte viel Zeit zwischen den Vorstellungen.»

So ist aus der ersten eine zweite Karriere herausgewachsen, mit einer Show in einem grossen australischen Hotel als erster Station. «Der Producer dort war ein Freund von mir, er hat mich weiterempfohlen.» So hat er die Welt bereist, ist auf Kreuzfahrtschiffen unterwegs gewesen, in Kabaretts aufgetreten in aller Welt, auch in Russland und China. Was gar nicht so leicht sei. «Ich lerne meine Darbietung in der jeweiligen Landessprache, das klappt. Denn auf der ganzen Welt lachen die Menschen über dasselbe. Es funktioniert sofort.»

Es muss Zirkus sein

Willer Nicolodi hätte es also einigermassen bequem haben können. Doch der Zirkus hat ihn nie losgelassen. «Der Zirkus, das ist mein Leben. Er hat mir gefehlt. So habe ich mir in den Kopf gesetzt, meine Nummern in den Zirkus zu bringen. Der Erste, der mich gebucht hat, war Louis Knie in Österreich.» Dass ein Bauchredner mit dem Publikum spielt, hat man dort noch nicht gekannt. Er tut es sehr professionell. Streift vor der Vorstellung im Zelt herum, sucht ein paar Kandidaten, die zu seinen Stimmen passen, und die einen gut gelaunten Eindruck machen. «Sie müssen mitmachen wollen. Jetzt, nach so vielen Jahren, habe ich das im Blick.»

Wenn Joselito kommt

Wenn Nicolodi mit seiner Puppe Joselito daherkommt, ist die Auseinandersetzung zwischen den beiden das treibende Element. Nicolodi will das, Joselito tut jenes. Dem schrägen, manchmal auch herrlich ordinären Humor dieser seltsamen Ratte kann man sich nur schwer entziehen. Jetzt gerade ruht Joselito in der Tasche, die Willer Nicolodi mitgebracht hat. Später erst wird er ihn auspacken. Und Joselito wird kreischend mit seinem Herrn um die Wette singen. Das Publikum aber wird den seltsamen Kerl mögen.

Der Circus Knie gastiert noch bis kommenden Dienstag auf dem Spelteriniplatz in St. Gallen. www.knie.ch

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