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ZEUGNISNOTEN: Wieder halbe Sachen

Nur zwei Jahre nach ihrer Abschaffung kehren die halben Noten zurück in die Zeugnisse. Doch von einem Zurückkrebsen will der zuständige Stadtrat nicht reden.
Beda Hanimann
Gerade erst abgeschafft, auf Geheiss des Kantons wieder eingeführt: halbe Noten im Zeugnis. (Bild: Urs Bucher)

Gerade erst abgeschafft, auf Geheiss des Kantons wieder eingeführt: halbe Noten im Zeugnis. (Bild: Urs Bucher)

Beda Hanimann

beda.hanimann

@tagblatt.ch

Eine kleine Irritation lässt sich nicht von der Hand weisen. «Die Stadt St. Gallen setzt halbe Zeugnisnoten ab dem Schuljahr 2017/18 um», so steht es in einem Elternbrief und einer Medienmitteilung aus der Direktion Bildung und Freizeit. Eben erst vor zwei Jahren hat doch die Stadt als einzige Gemeinde im Kanton die halben Zeugnisnoten abgeschafft – und nun meldet sie, dass sie sie ab dem eben gestarteten Schuljahr umsetzen werde? Sogar der zuständige Stadtrat Markus Buschor spricht von einer «verzwickten Chronologie».

Als die Stadt St. Gallen beschloss, ab dem Schuljahr 2015/16 in den Zeugnissen der zweiten Primarklassen auf Halbnoten zu verzichten, war von einem Sonderzug die Rede, von Vorpreschen, von vorauseilendem Gehorsam. Tatsächlich hatte der Kanton im Hinblick auf den Lehrplan 21 die Möglichkeit in Aussicht gestellt, dass künftig auf halbe Noten verzichtet werden könne. Markus Buschor betont deshalb, man habe nichts anderes als geltendes Recht umgesetzt. «Die kantonale Vorgabe, auf halbe Noten zu verzichten, ist schon acht Jahre alt. Wir haben uns mit der Umsetzung auf den Weg gemacht, lange vor den Diskussionen und Vorstössen im Kantonsrat.» Eine Veranlassung, das Projekt zu stoppen, habe man keine gesehen.

Auf dem falschen Fuss erwischt

Doch dann wurde der Widerstand gegen das Streichen der halben Noten heftiger, im Kantonsrat wurde eigens eine Kommission ins Leben gerufen. Das Ergebnis der Debatte: Am 13. Juni dieses Jahres beschloss der Kantonsrat, dass doch nicht auf halbe Noten in Zeugnissen verzichtet werden dürfe. Der Beschluss erwischte die Stadt auf dem falschen Fuss, war doch die stufenweise Umstellung auf ganze Noten in vollem Gang. Und wieder reagierte die Direktion Bildung und Freizeit rasch. Obwohl der Umsetzungszeitpunkt noch nicht fest stehe, habe man entschieden, schon im Schuljahr 2017/18 wieder mit halben Noten zu arbeiten, heisst es in den beiden Informationsschreiben.

Von einer Neubeurteilung seitens der Stadt will Buschor indes nicht sprechen. Vielmehr habe der Kantonsrat mit seinem Beschluss vom Juni das Gesetz verändert, so dass «neue übergeordnete Rahmenbedingungen» entstanden seien. Auf diese reagiere die Stadt nun mit der Rückkehr zu halben Noten.

Buschor zerstreut Bedenken wegen Mehrkosten

Die Frage, ob das ein Rückschritt sei, beantwortet Buschor mit «Jein». Der Lehrplan 21 schreibe eine kompetenzorientierte Beurteilung vor. «Am Ende des Semesters muss beurteilt werden, was das Kind in den verschiedenen Fächern kann. Es geht nicht mehr darum, einfach den Notendurchschnitt aus den Prüfungen des Schuljahres zu errechnen», führt Buschor aus. An diesem Konzept und der Schulung der Lehrpersonen gemäss Lehrplan 21 ändere die Notenskala zwar nichts, allerdings würden es halbe Noten nicht einfacher machen – und sie seien auch kein Garant für mehr Fairness oder mehr Genauigkeit. Für die Beurteilung der Frage «Lernziel erreicht?» brauche es nicht elf Stufen.

Schon im Winter dieses Jahres, als die halben Noten im Kantonsrat zum Thema wurden, hatten städtische Bildungspolitiker in einer Umfrage Bedenken geäussert, dass eine Rückkehr zum alten System mit unnötigen Kosten verbunden sein würde. «Es gab schon vor dem Verzicht auf halbe Noten Diskussionen über allfällige Kosten», sagt Buschor – und zerstreut die Bedenken sogleich wieder: «Die Umstellung auf ganze Noten hat keine Mehrkosten verursacht.» Zwar habe es Weiterbildungsprogramme im Hinblick auf die kompetenz­orientierte Beurteilung gegeben, aber die brauche es unabhängig von der Notenskala, um den Vorgaben des Lehrplan 21 gerecht zu werden, sagt Bildungsdirektor Markus Buschor. «Wir haben nicht investiert in etwas, das mit der Rückkehr zu den halben Noten hinfällig würde.»

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