Zeit für sich und die weite Welt

40 Jahre unterrichtete Christine Brasser die Unteregger Kinder, jetzt verabschiedet sie sich in den Frühruhestand. Ein Abschied für immer ist es aber nicht. Als Stellvertreterin und Begleiterin für Lager engagiert sie sich weiter für die Schule.

Daniela Huber-Mühleis
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Nach vier Jahrzehnten verlässt Christine Brasser das Schulzimmer per Ende Schuljahr. (Bild: Daniela Huber-Mühleis)

Nach vier Jahrzehnten verlässt Christine Brasser das Schulzimmer per Ende Schuljahr. (Bild: Daniela Huber-Mühleis)

UNTEREGGEN. Christine Brasser unterrichtet schon so lange im Dorf, dass heute bereits die Kinder von ehemaligen Schülerinnen und Schülern ihre Klassen besuchen. «Ich gehe, bevor die dritte Generation schulpflichtig wird», scherzt die 60-Jährige. Nachdem die im Toggenburg aufgewachsene «Chrigel», wie sie von allen genannt wird, das Lehrerseminar in Wattwil beendet hatte, nahm sie 1975 ihre Tätigkeit im ländlichen Dorf auf. Hier fand sie nicht nur ihre Traumstelle, sondern auch ihren Traummann.

Schüler wird ihr Vorgesetzter

Vor 40 Jahren fing die junge Lehrerin mit dem Mehrklassenunterricht an. Sie betreute die Kinder von der 1. bis zur 3. Klasse. Später erteilte sie abwechselnd sämtliche Schulfächer von der 1. bis zur 5. Klasse und beendet jetzt am 3. Juli ihre Arbeit mit dem Zweiklassensystem der 3. und 4. Klasse. Rund 400 Kindern hat sie während ihren Dienstjahren die schulischen Grundkenntnisse beigebracht. Einer ihrer Schüler war Thomas Allmann, er ist heute Schulleiter und Lehrer in Untereggen und damit ihr Vorgesetzter. «Er war ein anständiger, aufgeweckter Lausbub», sagt Chrigel Brasser und lacht.

Aktiv im Dorfleben

An ihre erste Zeit im Dorf erinnert sie sich noch gut. «Ich musste an fast jedem Fest servieren», erzählt sie. Doch dies sei eine gute Gelegenheit gewesen, die Leute kennenzulernen, ist sie überzeugt. Bis heute nimmt die hilfsbereite Lehrerin aktiv am Dorfleben teil, obwohl sie seit 2007 in Goldach wohnt. Seit 1980 ist sie in der Leitung der Joggergruppe. Für die Bürgermusik spielte sie in der Theatergruppe und sie wirkte bei der Gründung des Fasnachtsvereins mit, dem sie zehn Jahre als Präsidentin vorstand.

Gerne denkt Christine Brasser auch an die Musicals zurück, die jeweils alle Kinder vom Kindergarten bis zur 6. Klasse gemeinsam einstudierten. Auch die Weihnachtsfeiern, die ihre Schüler für die Senioren veranstaltet haben, gehören zu den liebsten Erinnerungen. «Ein Höhepunkt war sicher meine Schulassistenz in einem Armenviertel in Südafrika», schwärmt die Pädagogin. 2012 verbrachte sie drei Wochen dort in den Townships.

In ihrer Lehrerlaufbahn musste sie immer wieder auch mit heiklen Situationen fertig werden. Der plötzliche Hinschied des ehemaligen Schulleiters Guido Riedener 2007 brachte sie und das Team an die Belastungsgrenze. Und ohne Krisenintervention hätte sie die traumatischen Umstände, in denen Kinder unerwartet einen Elternteil verloren haben, emotional kaum durchgestanden, sagt sie.

Mit ins Lager

Mit Blick auf die vergangenen vier Jahrzehnte stellt Christine Brasser fest, dass die Kinder je länger je weniger freie Zeit haben. «Sie werden mit Hobbies förmlich zugedeckt, müssen den Erwartungen der Erwachsenen, der Gesellschaft entsprechen», bedauert sie. Die strahlenden Kinderaugen, ihr Lachen und ihre Spontanität haben Christine Brasser die Freude am Unterrichten immer wieder erhalten. Künftig wird sie der Schule für kurzfristige Stellvertretungen und als Lagerbegleiterin zur Verfügung stehen. Jetzt freut sie sich, bald mehr Zeit für sich selber zu haben und mit ihrem Mann die Welt zu bereisen.

Lob der Schulratspräsidentin

«Christine Brasser hat einen tollen Humor, der allgegenwärtig ist. Sie ist immer fröhlich und aufgestellt», sagt Schulratspräsidentin Petra Gächter. Sie findet nur lobende Worte für die scheidende Lehrerin. «Sie hat mit ihrer grossen Erfahrung die Schule stark geprägt und ist jungen Lehrkräften gegenüber sehr aufgeschlossen gewesen.» Schulleiter Thomas Allmann und Teamkollegen schätzen an ihr, dass sie gut ins Team passte und das Wohl der Kinder immer ins Zentrum stellte. «Sie hat die vielen Neuerungen immer mitgetragen und sich loyal verhalten», sagt Petra Gächter. Christine Brasser wird von den Behörden und den Kindern Ende Schuljahr verabschiedet. «Wir bedauern sehr, dass Chrigel unser Team verlässt. Es wird seltsam sein, nach den Sommerferien ohne sie zu starten», meint die Schulratspräsidentin.