ZEIT: Das Zeiträtsel am Hauptbahnhof

Norbert Möslang hat den Wettbewerb für eine Lichtinstallation an der Ankunftshalle des Hauptbahnhofs gewonnen. Es handelt sich um eine binäre Uhr, welche die traditionelle Zeitanzeige ersetzt.

David Gadze
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Die binäre Uhr von von Norbert Möslang (Projektname «Patterns») auf der Ankunftshalle ist seit gestern in Betrieb. (Bild: Urs Bucher)

Die binäre Uhr von von Norbert Möslang (Projektname «Patterns») auf der Ankunftshalle ist seit gestern in Betrieb. (Bild: Urs Bucher)

David Gadze

david.gadze@tagblatt.ch

In den vergangenen Tagen haben diverse Passanten am Bahnhofplatz über die Bedeutung der blauen Kreuze, Kreise und Quadrate an der Frontfassade der Ankunftshalle gerätselt. Gestern haben die Verantwortlichen der Stadt St. Gallen das Geheimnis gelüftet: Wie mancher richtig vermutet hat, handelt es sich um eine binäre Uhr (siehe Zweittext). Die Idee stammt vom St. Galler Künstler Norbert Möslang, der vor allem als Improvisationsmusiker bekannt ist. Der 65-Jährige hat sich in einem Wettbewerb, zu dem die Stadt acht Kunstschaffende aus dem In- und Ausland eingeladen hatte, durchgesetzt. Die Gesamtkosten für das Kunstprojekt betragen 324000 Franken. Sie waren gemäss Stadtingenieur Beat Rietmann im Kredit für die Neugestaltung des Bahnhofplatzes enthalten.

Möslangs Vorschlag, die analoge Uhr durch eine binäre Zeitanziege zu ersetzen, sei «etwas Einfaches, das radikal umgesetzt wird», sagte Stadtbaumeister Hansueli Rechsteiner. Angst, dass die meisten Passanten sein Werk nicht verstehen beziehungsweise die binäre Uhr nicht lesen könnten, hat Möslang nicht. «Menschen sind gut darin, Muster zu erkennen. Und letztlich ist auch die analoge Uhr ein Muster, das wir lernen mussten.» Die Funktionsweise einer binären Uhr könne man schnell erfassen. Diese hat gemäss Rechsteiner aber auch Überzeugungsarbeit gebraucht – sowohl bei den Architekten der Ankunftshalle, die sie als Konkurrenz zu ihrem Glaskubus verstanden haben, als auch bei den SBB, die zunächst nicht bereit auf die traditionelle Bahnhofsuhr verzichten wollten.

Neue Haltestelle für VBSG-Linien 1 und 4

Derweil neigt sich die Neugestaltung des Bahnhofplatzes dem Ende entgegen. Am Wochenende steht die letzte Busumstellung bevor. Die VBSG-Linien 1 (nach Winkeln) und 4 (zum Wolfganghof) halten ab Sonntag am neuen Busunterstand A vor dem Rathaus. Die bisherige provisorische Haltestelle der beiden Linien vor dem Bahnhofgebäude dient bis im Herbst für den Bahnersatz der Südostbahn nach Wittenbach. Danach gibt es dort sechs weitere Taxistandplätze, ausser die Haltestelle wird für Eventbusse gebraucht, etwa bei Heimspielen des FC St. Gallen.

Die übrigen Bauarbeiten am Hauptbahnhof und am Bahnhofplatz verlaufen derweil nach Plan. Bis im Sommer sollen der Kornhausplatz und das Bahnhofpärkli fertiggestellt sein. Im Verlauf des Jahres 2019 wird dann die St.-Leonhard-Strasse neu gestaltet und die Parkplätze vor dem Gaiserbahnhof werden erstellt.

Rathausunterführung ab Juni mit Läden

Seit einigen Tagen ist der Lift vom Perron eins in die Rathausunterführung in Betrieb. Damit ist diese ab jetzt komplett hindernisfrei. Fertig sind die Umbauarbeiten allerdings noch lange nicht. Die Rathausunterführung wird bis im Sommer fertiggestellt. Im Juni öffnen gemäss Urs Honold, Gesamtprojektleiter von SBB-Infrastruktur, acht der neun Läden. Einzig der Interdiscount zwischen den Aufgängen auf die Perrons drei und vier öffnet erst im August seine Türen. Bis im Herbst stellen die SBB den nördlichen Aufgang aus der Rathausunterführung mit Treppe und Lift sowie Veloabstellplätzen fertig. Die Arbeiten sollen bis Herbst abgeschlossen sein. Ab Ende April wird auch die Rosenbergstrasse in Etappen instandgestellt.

www.bahnhofplatz.stadt.sg.ch