Zehn städtische Verkehrsgebote

Der Stadtrat begegnet den Herausforderungen bei der Gestaltung der Verkehrszukunft mit einem Mobilitätskonzept. In einem Katalog legt er detailliert dar, welche Ziele mit welchen Massnahmen und mit welcher Priorität umgesetzt werden sollen. Busse und Velos stehen im Vordergrund.

David Gadze
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Im städtischen Verkehr sollen Busse künftig konsequent bevorzugt werden, etwa durch separate Busspuren. (Archivbild: Urs Jaudas)

Im städtischen Verkehr sollen Busse künftig konsequent bevorzugt werden, etwa durch separate Busspuren. (Archivbild: Urs Jaudas)

Mehr öffentlicher Verkehr, bessere Veloverbindungen, höchstens gleich viele Autos wie heute: Das sind die Kernpunkte des Mobilitätskonzepts, welches Peter Jans, Vorsteher der Direktion Technische Betriebe, und Baudirektorin Patrizia Adam vergangene Woche präsentiert haben (Tagblatt vom Samstag). Darin legt der Stadtrat detailliert dar, wie er dem Verkehr in der Stadt St. Gallen in den kommenden Jahren Herr werden will.

Vermeiden, gestalten, managen

In einem knapp 30seitigen Katalog hat der Stadtrat Ziele und entsprechende Massnahmen definiert sowie letztere nach Wirksamkeit (klein, mittel und gross) und zeitlichem Horizont gegliedert. Dabei unterscheidet er zwischen der Mobilitätsvermeidung, der Mobilitätsgestaltung beziehungsweise Verkehrsverlagerung und dem Mobilitätsmanagement, also einer verträglicheren Verkehrsabwicklung. Im Katalog finden sich zehn Ziele, denen der Stadtrat zugleich grosse Bedeutung beimisst und die entweder schon umgesetzt oder in naher Zukunft angegangen werden.

Velobahnen auf Ost-West-Achse

Bei der Mobilitätsvermeidung setzt der Stadtrat auf die Verdichtung, vor allem dort, wo die Erschliessung mit öffentlichem Verkehr (öV) gewährleistet ist. Patrizia Adam sprach an der Medienorientierung davon, St. Gallen müsse eine «Stadt der kurzen Wege» werden. Diese sollen vor allem mit dem öV und dem Langsamverkehr bewältigt werden.

Entsprechend finden sich die meisten Massnahmen zur Verlagerung des Verkehrs in den Unterkapiteln zur Förderung des Veloverkehrs und des öV, aber auch beim Parkplatzangebot. So will der Stadtrat für Velofahrer «attraktive, direkte, sichere und steigungsarme Routen» schaffen. Durch die Realisierung von «Velobahnen» und «Fahrradstrassen» will er die Reisezeit insbesondere auf der Ost-West-Achse verkürzen. Ausserdem sollen Velos etwa an Lichtsignalen bevorzugt werden und Einbahnen oder Busspuren nutzen dürfen, wie es an bestimmten Stellen bereits der Fall ist.

Öffentlichen Verkehr stärken

Der Stadtrat will zudem den öV als «Rückgrat des Arbeits- und Ausbildungsverkehrs» und als «wichtigstes Transportmittel im Einkaufs- und Freizeitverkehr» fördern. Als Grundlage für einen optimalen öV in Stadt und Region sieht er den Ausbau des Hauptbahnhofs zu einem Vollknoten mit vier Zugverbindungen pro Stunde nach Zürich.

Entlang der städtischen Hauptachsen soll die steigende ÖV-Nachfrage durch zusätzliche Kapazitäten (Doppelgelenkbusse, Einführung des Trams) bewältigt werden. Ausserdem soll das Busangebot sowohl in den als auch ausserhalb der Hauptverkehrszeiten ausgebaut werden, um den Umstieg auf den öV zu forcieren. Weiter soll dieser im Verkehr durch betriebliche und wenn nötig durch bauliche Massnahmen, etwa mittels Busspuren, konsequent bevorzugt werden.

Gleichzeitig will der Stadtrat das Parkplatzangebot anpassen. Zum einen strebt er in der Innenstadt eine Kompensation von oberirdischen Parkplätzen in Parkhäusern an. Zum anderen sollen beispielsweise teurere öffentliche Parkplätze zum Umstieg auf den öV und zur Plafonierung des motorisierten Individualverkehrs beitragen. Ausserdem sollen bei privaten Parkplätzen mit einem Parkplatzreglement ein Minimum und ein Maximum an Parkplätzen festgelegt werden.

Stadtautobahn als Hauptader

Beim Mobilitätsmanagement setzt der Stadtrat unter anderem auf die Stadtautobahn als «Hauptträgerin» des Durchgangs- und des übergeordneten Stadtverkehrs. Um ihre Leistungsfähigkeit zu erhalten, will er die dritte Röhre durch den Rosenberg sowie die Teilspange bis zur Liebegg vorantreiben. Ausserdem soll die Verkehrssicherheit auf städtischen Strassen erhöht werden. ? THEMA 3