Wurde Altar nicht recht gereinigt?

ST.GALLEN. Die Ornamente des neuen Altarraums der Kathedrale weisen stellenweise einen milchigen Film und Kratzer auf. Die Herisauer Firma, die den Altar gebaut hat, schweigt, der Dompfarrer bezeichnet die Beobachtungen als «pingelig».

Tobias Hänni
Drucken
Teilen
Vor der feierlichen Einweihung durch Bischof Markus Büchel: Der neue Altarraum der Kathedrale St. Gallen wird gereinigt. (Bild: Archiv/Hanspeter Schiess)

Vor der feierlichen Einweihung durch Bischof Markus Büchel: Der neue Altarraum der Kathedrale St. Gallen wird gereinigt. (Bild: Archiv/Hanspeter Schiess)

Vor kurzem wurde die neue Altarinsel in der Kathedrale St.Gallen feierlich eingeweiht. Bischof Markus Büchel bediente sich bei der Feier am vorletzten Sonntag dem Bild der Lupe, um den neu gestalteten Altarraum symbolisch als «Brennpunkt» darzustellen und auf die sorgfältig gestalteten liturgischen Elemente hinzuweisen. Dass bei der Erstellung des Altarraums mit Sorgfalt gearbeitet wurde, bezweifelt nun ein Leser. «Der neue Terrazzo-Boden ist völlig verschmiert», regt sich das Mitglied des Domchors auf, das sich nicht mit Namen exponieren möchte.

Weisse Flecken und Kratzer auf einem Altar-Ornament. (Bild: Tobias Hänni)

Weisse Flecken und Kratzer auf einem Altar-Ornament. (Bild: Tobias Hänni)

Rückstände oder Abnutzung?

Die Verunreinigung falle vor allem bei den Intarsien auf, die eigentlich schwarz sein sollten, schreibt der Mann. «Eine perfekte Reinigung wäre für die liturgische Altarweihe unabdingbar gewesen.»

Tatsächlich zeigt sich bei einem Augenschein in der Kathedrale, dass einige der schwarzen Ornamente – etwa in der Nähe des Taufbeckens – einen milchigen Film oder weisse Kratzer aufweisen. Ob es sich dabei um Rückstände der Bauarbeiten oder bereits um erste Abnutzungserscheinungen handelt, ist schwer zu sagen. Bei der Schmitt Natursteinwerke AG in Herisau, die den Altarraum gebaut und geputzt hat, wollte man gestern dazu keine Stellung nehmen.

Dutzende Male gereinigt

Dompfarrer Beat Grögli findet die Vorwürfe, der Altar sei nicht richtig gereinigt worden, «in Anbetracht der ganzen Neugestaltung pingelig». «Ich habe gesehen, mit welcher Sorgfalt hier gearbeitet wurde», sagt Grögli. Der Altarraum sei vor der Einweihung Dutzende Male gereinigt worden.

Grögli sieht aber in anderen Bereichen Nachbesserungsbedarf. «Wir haben zum Beispiel zu wenig Platz für die Opferkerzen.» Die Ständer neben dem Altar reichten für die zahlreichen Kerzen nicht aus. Nun sollen sie durch solche mit mehr Ablagefläche ersetzt werden. Auch das Taufbecken – für Grögli von der Symbolik her «das schönste Stück des Altarraums» – könne aus praktischen Gründen noch verbessert werden. Das runde Becken, auf dessen Grund sich das reich verzierte Gewölbe der Kathedrale spiegelt, fasst 58 Liter Wasser, die von Hand eingefüllt und auch wieder abgeschöpft werden müssen. «Und das Wasser muss regelmässig gewechselt werden, damit es immer frisch ist», sagt der Dompfarrer.

Gewisse Gewöhnungszeit

Insgesamt seien die Gläubigen des Bistums zufrieden mit dem neuen Altar. «Von den Liturgiehelfern haben wir positive Rückmeldungen bekommen. Auswärtige, die den Bau des Altars nicht Schritt für Schritt mitbekommen hätten, müssten sich vermutlich noch daran gewöhnen. «Dafür muss man sich ein wenig Zeit nehmen.» Die Gestaltung des 1,65 Millionen Franken teuren Altarraums war bis zu Beginn der Bauarbeiten kontrovers diskutiert und teils heftig kritisiert worden. Die Gruppierung «Freundeskreis der Stiftskirche St.Gallen» hatte erfolglos versucht, den Bau mit einer Petition zu verhindern.

Aktuelle Nachrichten