Würth nimmt Form an

Die Untergrund- und Fundamentarbeiten sind vollbracht. Und plötzlich schiesst es aus dem Boden, und es wird erkennbar, wächst in die Höhe: Das in der Seeregion allseits und ständig besprochene Würth-Gebäude.

Marco Kamber
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Widerhall: Noch steht der Würth-Neubau hohl im Rohbau. Bald schon soll er bis zu fünf Stockwerke emporragen. (Bild: Marco Kamber)

Widerhall: Noch steht der Würth-Neubau hohl im Rohbau. Bald schon soll er bis zu fünf Stockwerke emporragen. (Bild: Marco Kamber)

Rorschach. Da erwacht bei interessierten Bürgern – und von denen gibt es bei solch grossen Bauprojekten so manche – die Neugier. Was wurde bisher gemacht? Wie geht es weiter? Die FDP Rorschach und Rorschacherberg organisierten für solche Fragen am Mittwochabend eine Informationsveranstaltung. Diese fand direkt auf dem Bauplatz statt, im Zusammenhang mit einer öffentlichen Baustellenbesichtigung, durch welche Fachpersonen leiteten: Ralph Friedlein, der Baustellenchef der ausführenden Firma Strabag AG, war da, aber auch Markus Würth, der Gatte der Tochter von Reinhold Würth.

Würth will gute Architektur

Der opulente, gegen die Seiten noch offene Betonraum, später dann ein Grossraumbüro im Erdgeschoss, verursacht ein Hallen, wenn Markus Würth die rund 50 anwesenden Besucher begrüsst. «Unser Unternehmen hat über 65 000 Mitarbeiter», sagt er. Etwa die Hälfte davon ist im Aussendienst tätig. Die andere Hälfte folglich bei einem der vielen Standorte der Würth-Gruppe. «Dass diese in schönen Räumen arbeiten können, ist uns stets sehr wichtig», betont Würth, der seit zwei Jahren in St. Gallen wohnhaft ist. In Rorschach kostet das den Schrauben-Riesen satte 150 Millionen Schweizer Franken.

Bis im April 2013 dann die Büros bezogen, die Kantinenküche angeheizt und das Museum behängt wird, muss aber noch einiges an Arbeit geleistet werden. Doch es ist erstaunlich, wie viel bereits vollbracht wurde.

Der Baustellenchef der Strabag, welche zusammen mit der Firma Gerschwiler den Bau ausführt (Strabag macht 70 Prozent, Gerschwiler 30 Prozent der Arbeiten), nennt Kennzahlen: «Zuerst wurde die wasserdichte Baugrubenumschliessung aus rund 860 Betonbohrpfählen inklusive deren Verankerung erstellt. Anschliessend konnten wir 60 000 Kubikmeter Material ausheben und abtragen.» 10 000 Kubikmeter davon waren Altlasten und 5000 Kubikmeter waren zäher Fels.

Das darin von der Baugrubenumschliessung losgetrennte Gebäude steht auf einer Entwässerungsschicht, die einen Auftrieb durch eindringendes Hochwasser verhindert. Die Berechnungen wurden auf das 100jährige Hochwasser ausgerichtet und gewährleisten so einen trockenen Baukörper, selbst im Falle einer Flut.

Führung durch Entstehendes

Nach einer offenen Fragerunde gibt es eine kleine Führung durch die Baustelle. Man sieht unter anderem die Grossraumbüros im Erdgeschoss, der spätere «Lufthof» – eine Art Balkon auf der Innenseite des Gebäudes –, der von den Büros rundum zugänglich ist, erste Konturen des Museums sowie der Kantine und der Umfang der Tiefgarage.

Beim letzten Posten der Besichtigung, dem Fassadenmuster, erklären die Fachleute den grössten Knackpunkt des Baus, dem sich die Firmen bis zum Bezug im Frühling 2013 widmen, nämlich dem Innenausbau und vor allem der Glasfassade. «Wir müssen die Thermik des Sees berücksichtigen. Die Scheiben dürfen nicht beschlagen – die Würth-Mitarbeiter in ihren Büros aber auch nicht schwitzen», sagt Friedlein. So hat das angewinkelte Glasfassadenwerk vor den eigentlichen Scheiben nicht nur ästhetische Qualitäten: «Es soll sich zwischen den beiden Scheiben ein Luftstrom bilden, der stetig zirkuliert – ähnlich einem Doppelmauerwerk», erklärt der Baustellenchef. Dies entspricht dem Minergiestandard, der für rationellen Energieverbrauch steht.

Der höchste Teil des Würth-Sitzes in Rorschach soll mitsamt dem Erdgeschoss fünf Stockwerke umfassen. «Momentan haben wir zweieinhalb Geschosse roh gebaut», sagt Friedlein. Noch bis im Dezember soll der Rohbau stehen; 20 000 Kubikmeter Beton werden verbaut. Dann wird das Volumen des für die Region riesigen Projekts für jedermann erkennbar sein.

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