Wolken im Bücherregal

Eine Deutsche beschliesst eines Tages, in ihrer neuen Heimat Kinderbücher zu schreiben, und gründet dafür eigens einen Verlag. Ihre Schwiegertochter hilft ihr dabei.

Dieter Langhart
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Winnifret: Sabine Irion (l.) und Jessica Stroinski machen aus Wolken eine Buch- und Spielserie für Kinder. (Bild: Donato Caspari)

Winnifret: Sabine Irion (l.) und Jessica Stroinski machen aus Wolken eine Buch- und Spielserie für Kinder. (Bild: Donato Caspari)

horn. Wenn das nur gutgeht. Schwiegermutter und Schwiegertochter an einem Projekt. Doch dem Klischee zum Trotz: Es ist gut gegangen. Sabine Irion-Stroinski und Jessica Stroinski haben miteinander etwas gemacht, das es noch gar nicht gibt. Auf dem blauen Schuber steht «3 in 1: eine tolle Wolkengeschichte, ein Malbuch und ein Gedächtnisspiel». Und dafür haben sie eigens einen Verlag gegründet. Weil sie Angst hatten, jemand klaue oder verändere ihre Idee.

Am Anfang der Idee standen Wolken, die Sabine Irion seit langem im Bündnerland fotografiert. Schwiegertochter Jessica Stroinski machte aus den Wolken Figuren, malte ihnen Gesichter und Hexenbesen und Schildkrötenpanzer dazu, und weil den beiden Frauen ein Bilderbuch ein bisschen zu langweilig vorkam, schrieb Irion die Geschichte nieder von Windmausmann Winnifret im Wolkenland.

Passt in keine Schublade

Dann weitete sich die Idee aus, es kamen ein Memoryspiel und ein Malbuch hinzu. Aber wie einpacken, damit das Ganze nicht in der Kuschelecke landet? Samuel Zurbuchen von der Genius Media in Frauenfeld schlug einen Schuber vor. Weil die Produktionskosten höher lagen als der angepeilte Verkaufspreis, ist er in Asien hergestellt worden. Immerhin auf giftfreiem Papier und nach strengen europäischen Standards.

Jetzt tauchte eine neue Schwierigkeit auf: wie soll der Schuber vertrieben werden? Denn die Geschichte von Winnifret passt in keine Schublade, Buchhandlungen wissen nicht, in welche Abteilung sie passt. «Wir sind der Zeit voraus», sagt Sabine Irion. In einer Zeit, in der Kinder multimedial umworben werden? «Wir stellen uns bewusst gegen diesen Trend.»

Erlös soll Folgeband sichern

600 von 5000 Stück haben sich ohne Werbung verkauft, aber für die beiden Vertriebsfirmen gibt es noch viele andere Bücher. Und die Autorinnen waren auch nicht allein am SBVV-Stand der Frankfurter Buchmesse. «Ich fühle mich total schüchtern im Verlagswesen», sagt Sabine Irion, die aus Ostberlin stammt und zwanzig Jahre erfolgreiche Agenturchefin war, bis sie ihre Firma verkaufte.

Die Geschichte von Winnifret in den Wolken geht weiter. Geplant sind «aber nicht 100 Folgen wie bei Globi». Die zweite Episode ist in sich abgeschlossen und wird durch ein neues Spiel und einen Malblock ergänzt.

Alma & Elma: Winnifret im Wolkenland. Der lange Weg nach Hause.

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