Wolfhäldler Nachfahre trifft UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon

Roland Thommen aus Rorschacherberg berichtet über seine neuesten Nachforschungen zu den Wolfhäldler Vorfahren von Igor Niederer aus Kasachstan.

Roland Thommen
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Der Journalist Igor Niederer trifft UN-Generalsekretär Ban Ki Moon. Der Bürger von Kasachstan hat Vorfahren aus Wolfhalden. (Bild: pd)

Der Journalist Igor Niederer trifft UN-Generalsekretär Ban Ki Moon. Der Bürger von Kasachstan hat Vorfahren aus Wolfhalden. (Bild: pd)

WOLFHALDEN-RORSCHACHERBERG. Igor Niederer ist ein Bürger von Kasachstan. Doch seine Wurzeln liegen in Wolfhalden, woher sein Ururururgrossvater Johann Jakob stammte. Als sich Igor nach seinen Appenzeller Vorfahren erkundigte, stellte Roland Thommen aus Rorschacherberg für ihn Nachforschungen an.

Ahnentafel mit über 80 Familien

Er berichtet: «Aufgrund seiner Angaben schickte ich Igor Niederer eine Ahnenreihe, die bis ins Jahr 1630 reicht. Johann Jakob wanderte 1801 nach Russland aus.

Gemäss den Unterlagen war er Brauer. Ich erinnerte Igor Niederer daran, dass sein Urahn zur Zeit als Suworow mit seiner Armee die Alpen durchquerte, noch Schweizer war. Anlässlich der Schlacht von Beresina aber sei er schon als Russe <auf der Gegenseite gestanden>. Mich wunderte, wie die folgenden acht Generationen der Niederer-Familie durch die Wirrungen der russischen Geschichte gekommen waren.

Igor schickte mir eine grosse Ahnentafel, mit vier verschiedenfarbigen Stämmen. Darauf sind zurzeit um die 80 Familien zu sehen – darunter 32, die jetzt Kinder bekommen können. Zu Beginn sind die Daten in lateinischer Schrift mit deutsch klingenden Namen festgehalten. Im Laufe der Zeit überwiegt jedoch die kyrillische Schrift. Johann Jakob hatte zehn Kinder, darunter die vier Söhne Carl, Johann, Heinrich und Johann Jakob, deren Nachkommen bis zum heutigen Tag im Gebiet des früheren Russland leben.

Der Auswanderer Johann Jakob landete 1804 in der deutschen Kolonie Sarepta an der Wolga, wo aus dem Brauer ein Goldschmied wurde. Goldschmiede gab es auch in den folgenden Generationen. Dazu Uhrmacher, Fotografen, Ingenieure und Journalisten.

Kritische Zeitgenossen

Seit rund 210 Jahren leben die Niederers nun in Russland. Das heisst, sie überlebten die Zarenzeit, die kommunistische Revolution und den Zusammenbruch der UdSSR.

Igor, selbst historisch interessierter Journalist, berichtet: <Meine Ahnen waren respektierte und fleissige Leute. Manche protestierten gegen inhumane Machenschaften und bezahlten dafür bitter. Ein Emil Niederer hatte das Zarenregime kritisiert, ein Anatoly wurde eingesperrt, weil er sich über Stalin lustig gemacht hatte, Urgrossvater Alexander meldete sich freiwillig zum Kampf gegen die (Hitler-)Deutschen, wurde aber als verdächtiger <Deutscher> zurückgewiesen.>

Treffen nach 80 Jahren

Die Niederer-Zweige wurden durch Stalins Regime in unterschiedliche Teile des Landes verteilt. Es ist dem Bemühen Igor Niederers zu verdanken, dass sie sich nach 80 Jahren wieder fanden, auch wenn sie in verschiedenen Ländern der ehemaligen UdSSR wohnen. Wenn einer von ihnen einmal in seiner alten Heimat Wolfhalden auftauchen sollte, dann sicher der reisegewohnte Igor, der neben Englisch auch etwas Deutsch spricht.»

Familie Niederer aus Kasachstan mit Sohn Edward. (Bild: pd)

Familie Niederer aus Kasachstan mit Sohn Edward. (Bild: pd)

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