Wohnen neben dem Fussballplatz

Grete und Toni Lamprecht wohnen neben dem Fussballplatz in Gossau. Schlechte Erfahrungen haben sie damit keine gemacht. Die Bilanz nach beinahe 30 Jahren: Ein paar zertrampelte Pflanzen und ab und zu ein Ball im Blumenbeet.

Stefan Fischer
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Grete Lamprecht wohnt direkt neben dem Fussballplatz. Die Bälle, die manchmal in ihrem Garten landen, stören sie nicht. (Bild: Coralie Wenger)

Grete Lamprecht wohnt direkt neben dem Fussballplatz. Die Bälle, die manchmal in ihrem Garten landen, stören sie nicht. (Bild: Coralie Wenger)

Der Himmel über dem Sportplatz Buechenwald beim Gossauer Bahnhof klart allmählich auf. Es ist ruhig. Weder Kindergeschrei aus dem Freibad, noch das Knallen von gekickten Bällen auf dem Fussballplatz ist zu hören. Nur ein Motor brummt. Irgendwo auf dem Spielfeld ist der Platzwart mit dem Rasenmäher unterwegs.

Von der Terrasse von Grete Lamprecht hat man keinen Einblick auf die Geschehnisse zwischen den beiden Strafräumen. Die braune Rückwand der Fan-Tribüne versperrt jegliche Sicht. Nur an den hohen Scheinwerfermasten kann man erraten, was sich dahinter befindet.

«Wenn gespielt wird, ist es jeweils etwas laut, doch das stört mich überhaupt nicht», sagt Grete Lamprecht. Schon seit fast 30 Jahren wohnen sie und ihr Mann Toni neben dem Fussballplatz in einem Reiheneinfamilienhaus. «Der Fussballplatz war schon da, als wir hier eingezogen sind.» Im Laufe der Jahre habe auf dem ganzen Areal der Betrieb zugenommen. «Vor allem der Verkehr beim Parkplatz ist schlimmer geworden.»

Radau im Garten

Grete Lamprecht kommt ursprünglich aus Schönenwerd im Kanton Solothurn. Ihr Mann ist ein Stadtsanktgaller. Die beiden haben drei erwachsene Kinder.

Sie wohne ja nicht nur neben einem Fussballplatz, sondern einem ganzen Sportareal, sagt sie. Neben dem Hauptspielfeld der ersten Mannschaft gibt es noch weitere Spielfelder, die Sporthalle Buechenwald und das Freibad. Eine Finnenbahn mit Vitaparcours sind auch in der Nähe zu finden. «Für die Kinder war das früher ideal», sagt sie.

«Ein Ort, um sich auszutoben, liegt direkt vor der Haustür.»

Bisher habe sie nur wenig schlechte Erfahrungen mit dem Fussballplatz gemacht. Nur einmal habe es eine Situation gegeben, in der einige Fans bei einem Spiel Krawall machten. Sie seien direkt durch die Gärten marschiert und hätten ein paar Pflanzen zertrampelt. Ansonsten sei es immer ruhig geblieben.

«Das hängt wahrscheinlich damit zusammen, in welcher Liga Gossau gerade spielt und wie viel Erfolg das Team hat», sagt Grete Lamprecht. «Ich hoffe, dass es weiterhin so friedlich bleibt.» Es wirke schon jetzt befremdlich, wenn die Polizei bei manchen Spielen in voller Montur aufmarschiert.

Hand- statt Fussball

Selber besuche sie keines der Spiele. «Als der Sohn noch bei den Fussballjunioren spielte, war ich öfters mit dabei», sagt Grete Lamprecht. «Heute interessiere ich mich mehr für Handball.

» Gemeinsam mit ihrem Mann engagiert sie sich beim lokalen Handballverein TSV Fortitudo. Mit guten Bekannten organisiert und betreibt sie jeweils die Festwirtschaft bei den Spielen. Toni Lamprecht, der früher selbst Handball spielte, ist Teambetreuer.

Was Grete Lamprecht an dieser Arbeit besonders gefalle, sei der Kontakt zu den verschiedenen Leuten und dass sie gemeinsam mit ihrem Mann etwas machen könne. «Es ist halt einfach eine gute Möglichkeit, sich öfters zu sehen», sagt sie und lacht.

Natürlich fiebere man bei den Spielen immer mit, besonders wenn das Resultat knapp wird.

Neben der Arbeit beim Handballverein ist Grete Lamprecht, die ursprünglich Dekorationsgestalterin gelernt hat, noch in der Evangelischen Brockenstube tätig. Diese befindet sich gleich im Haus gegenüber. «Ich arbeite dort auf freiwilliger Basis», sagt sie. Von der Wichtigkeit einer solchen Freiwilligenarbeit sei sie überzeugt.

Ein Ball im Blumenbeet

Der benachbarte Fussballplatz sei sicherlich kein Grund, von hier wegzuziehen, sagt Grete Lamprecht. Er bringe etwas Leben in die Umgebung. Ganz ruhig müsse es hier gar nicht sein. «Wenn die Leute auf dem Weg zu einem Spiel sind, trifft man meistens noch Bekannte und kann miteinander plaudern», sagt sie. Ihr und ihrem Mann gefalle es in Gossau. Mit dem Fussballplatz nebenan hätten sie sich arrangiert. Daran würden auch die Fussbälle nichts ändern, die von Zeit zu Zeit in ihrem Garten landen.

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