«Woher dieses Misstrauen?»

In jüngster Zeit war es einzig der «Freihof», der die Mörschwiler in solchem Mass bewegte wie jetzt das geplante Wohn- und Pflegezentrum. An die Vorversammlung kamen rund 120 Personen. Zentrale Themen waren Geld und Vertrauen.

Corinne Allenspach
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Im eigenen Dorf alt werden und gut umsorgt sein, das wollen alle Mörschwiler. Am Montag entscheiden sie, wer das geplante Heim führen soll. (Archivbild: Urs Jaudas)

Im eigenen Dorf alt werden und gut umsorgt sein, das wollen alle Mörschwiler. Am Montag entscheiden sie, wer das geplante Heim führen soll. (Archivbild: Urs Jaudas)

MÖRSCHWIL. Es ist 21.40 Uhr und Gemeindepräsident Paul Bühler wirkt ratlos. «Ich begreife einfach dieses Misstrauen nicht», sagt er kopfschüttelnd. «Man könnte doch auch mal das Positive sehen und nicht immer nur das Negative.» Schliesslich gebe es die Di Gallo Gruppe seit 50 Jahren, sie verfüge über einen Personalpool von 1200 Leuten und habe Anfragen von überall, um Heime zu betreiben.

Informieren, fragen, kritisieren

Rund 120 Mörschwiler sind am Dienstag zur Vorversammlung ins Gemeindezentrum gekommen. Um sich eine Meinung zu bilden, um ein Votum abzugeben, um Fragen zu stellen. Zu einem Sachgeschäft mit einer hohen emotionalen Komponente, dem Alterswohnen. Trotz ausgiebiger Diskussion wird deutlich: Im Grundsatz ist man sich einig. Was sich alle wünschen ist ein gut geführtes Wohn- und Pflegezentrum zu erschwinglichen Preisen. Ob dieses von der Di Gallo Gruppe geführt werden soll, wie der Gemeinderat vorschlägt, oder von der Politischen Gemeinde, wie es eine Volksmotion mit 406 Unterschriften verlangt, entscheidet die Bürgerversammlung am Montag (siehe Kasten).

Know-how fehlt

Wiederkehrendes Thema sind die Kosten. «Ist es denn günstiger, wenn die Gemeinde das Heim selber führt?», will eine Mörschwilerin wissen. Das sei auf die Schnelle schwierig zu beantworten, sagt Bühler. «Wenn ich sage, es kostet mehr, dann glauben das nicht alle.» Was er sicher sagen könne: «In der heutigen Zeit ein Heim von Null an aufzubauen, ist nicht einfach.» Da das nötige Know-how fehle, müsste die Gemeinde relativ bald jemanden anstellen, der sagt, worauf man achten müsse, vor allem in der Personalrekrutierung. Auch hier ist man sich einig: Zentral für einen guten Heimbetrieb ist das Personal, namentlich der Heimleiter. Laut Guido Bartelt, Berater im Gesundheits- und Heimwesen, braucht es für ein Heim in der Grösse Mörschwils etwa 50 Angestellte – «eine grosse Herausforderung». Für Bartelt, der vier Varianten für einen Heimbetrieb aufzeigt, gibt es «viele Wege, die nach Rom führen». Jener des Mörschwiler Gemeinderats sei «eine zukunftsgerichtete Lösung». Sie verbinde «öffentliches Interesse und betriebliche Effizienz optimal».

Anderes Demokratieverständnis

Bevor Erich Jud, Gemeindepräsident von Schänis, von den positiven Erfahrungen mit der Firma Di Gallo berichtet, die in Schänis ein Heim führt, platzt einem Motionär der Kragen. Es könne doch nicht sein, dass sich drei Referenten für die Variante des Gemeinderats aussprechen. Richtig wäre gewesen, auch die Vorteile eines öffentlichen Betriebs aufzuzeigen. Spontanapplaus.

Warum denn die Motionäre dies im Gutachten nicht selber getan hätten?, will jemand wissen. «Unser Demokratieverständnis ist ein anderes», entgegnet ein Motionär. Man habe erwartet, dass die Gemeinde die Vorteile darlege. «Das sind ja bezahlte Leute.» «Traurig» finde er es, entgegnet ein Dritter, wenn der Gemeinderat jahrelang an einem Projekt arbeite und dann solche Voten kämen. Erneut Spontanapplaus.

Nervös, aber gut vorbereitet

Nach knapp zwei Stunden wird das Thema vorerst beendet. Paul Bühler rechnet damit, dass auch am Montag nochmals diskutiert wird. Ist er nervös? «Nervös oder angespannt bin ich vor jeder Bürgerversammlung», sagt er. Aber er sei gut vorbereitet. «Jetzt liegt es an den Bürgern.»