Wo Sprayer Spuren hinterlassen

ST.GALLEN. In der Stadt entsteht wegen Sprayereien und Klebern ein jährlicher Sachschaden von bis zu 300 000 Franken. Manche Sprayer richten derlei Sachbeschädigung an, um eine Botschaft zu verbreiten. Anderen geht es um Kunst.

Sebastian Schneider
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Dunkle Gassen – wie hier das Schattengässlein – wirken für Sprayer besonders einladend. (Bilder: Sebastian Schneider)

Dunkle Gassen – wie hier das Schattengässlein – wirken für Sprayer besonders einladend. (Bilder: Sebastian Schneider)

Stukkaturen, goldene Inschriften und Holzschnitzereien an mittelalterlichen Erkern. Eilt man im hektischen Alltag durch die St. Galler Innenstadt, stechen einem die kleinen Schönheiten der Altstadtgassen nicht mehr gross ins Auge. Gleiches mag für «Verzierungen» der anderen Art gelten: Kleber, Graffitis und Kritzeleien – sogenannte Tags – mögen einem nicht bei jedem Gang durch die Altstadt auffallen. Obschon sie zahlreich vorhanden sind. Beklebt sind vor allem Rohre und Briefkästen, besprüht sind Hausfassaden und Strassentafeln.

Kunst, Revier und Botschaften

Derlei Sachbeschädigungen werden in der ganzen Stadt registriert. Am meisten davon betroffen sind aber die Innenstadt sowie Quartiere im Osten der Stadt, wie Dionys Widmer, Pressesprecher der Stadtpolizei, auf Anfrage sagt.

Es seien vorwiegend Jugendliche, die zur Spraydose und zum Filzstift greifen oder Kleber anbringen. Aber warum machen sie das? «Damit sollen Reviere markiert, künstlerische Aktivitäten präsentiert oder Botschaften verbreitet werden», sagt Widmer.

Kleber von Fussballfanclubs

Schaut man sich die betroffenen Rohre, Hausfassaden und Verkehrsschilder etwas genauer an, trifft man immer wieder die grünen Grossbuchstaben FCSG oder die Zahl 1879 an. Kleber von Fussballfanclubs sind ebenfalls kein seltenes Gut in St. Galler Strassen, wie der Pressesprecher der Stadtpolizei bestätigt.

A für Anarchie

Doch nicht nur aus Stolz auf den FC St. Gallen scheinen Jugendliche zu sprayen und Kleber anzubringen. Auch politische Botschaften wollen über diesen Weg verbreitet werden. So ist zum Beispiel das grosse eingekreiste A, das für Anarchie steht, immer wieder anzutreffen.

Widmer bestätigt, dass politische Botschaften vor allem mit Klebern verbreitet werden. Wie hoch der Anteil von Sujets politischer oder fussballerischer Natur ist, lässt sich laut Widmer nicht sagen.

Sachschaden konstant

Die Stadtpolizei kann hingegen den Schaden beziffern, der jährlich durch Sprayereien und Kleber verursacht wird: «Seit 2008 bewegt sich die Schadenssumme in der Stadt zwischen 100 000 und 300 000 Franken», sagt Widmer. Diese Zahl sei seit dem Jahr 2008 konstant geblieben und nehme in der Tendenz sogar ab. Aufgekommen seien Sprayereien und Kleber nach der Jahrtausendwende. Bis 2008 habe diese Art von Sachbeschädigung stetig zugenommen.

Legal sprayen möglich

Damit sich die Schäden in Grenzen halten und sich Sprayer auf legalem Weg verwirklichen können, werden von der Stadt mitunter Wände zur Verfügung gestellt. Im vergangenen Jahr lancierte das Jugendsekretariat dafür vier Projekte. Unter anderem durften Sprayerinnen und Sprayer die Betonmauer vor dem Hallenbad Blumenwies oder die Baustellenwand vor der Sportanlage Lerchenfeld besprühen. Für das aktuelle Jahr würden derzeit verschiedene Ideen geprüft, sagt Andrea Thoma, die beim Jugendsekretariat für die mobile Jugendarbeit Zentrum verantwortlich ist.

Geldstrafe und Busse

Personen, die illegal Tags, Graffitis oder Kleber anbringen, müssen in der Regel mit einer Geldstrafe und einer Busse rechnen. Erstattet ein Geschädigter Anzeige, laufen die Ermittlungen bei der Kantonspolizei, wie Widmer erklärt. Grundsätzlich würden Geschädigte gebeten, die Schmiererei oder den Kleber möglichst rasch selber zu entfernen. Denn sobald ein Sujet etwa an einem Verkehrsschild klebt, kommt es laut Widmer oft vor, dass weitere folgen und die Verwüstung ihren Lauf nimmt.

Die Stadtpolizei fördert das Ablösen der Kleber oder das Wegwischen der unerwünschten Sprayereien, wie der Pressesprecher sagt: «Geschädigte, die derlei Sachschaden selber und rechtzeitig beheben, bekommen 50 Franken.»

In der Brühlgasse haben sich FCSG-Fans verewigt.

In der Brühlgasse haben sich FCSG-Fans verewigt.

Ein Totenkopf ziert die Oberstrasse. (Bild: unknown)

Ein Totenkopf ziert die Oberstrasse. (Bild: unknown)

Verwirrende Botschaft an der Teufener Strasse. (Bild: unknown)

Verwirrende Botschaft an der Teufener Strasse. (Bild: unknown)

Beklebte Rohre in der Brühlgasse.

Beklebte Rohre in der Brühlgasse.