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Wo sich Hipster und Bauern treffen

Der Army-Liq-Shop im Zeughaus feiert nächste Woche sein einjähriges Bestehen. Nach wie vor ist die Nachfrage nach den ausgemusterten Armee-Utensilien ungebremst. Auch Touristen aus dem Ausland haben den Laden entdeckt. Japanerinnen treffen dort auf buddhistische Mönche.
Elisabeth Reisp
Im Army-Liq-Shop im Zeughaus findet jeder etwas, ob Kälberstrick, Velopedale oder Kampfstiefel. (Bilder: Ralph Ribi)

Im Army-Liq-Shop im Zeughaus findet jeder etwas, ob Kälberstrick, Velopedale oder Kampfstiefel. (Bilder: Ralph Ribi)

Karabinerhaken sind das «Angebot des Monats». 2.50 Franken kostet das Stück statt eines Fünflibers. Für Gelegenheitsbergsteiger, Pfadiabteilungen oder für Väter, die eine Kinderschaukel basteln, sind die reduzierten Karabiner ein Schnäppchen. Wer günstige, aber stabile Kunststoffteller für das Segelboot oder den Camper braucht, findet sie im Regal nebenan. Direkt darüber sind Propeller, dreiflügelig, eingeordnet. Für Suchende ist der Army-Liq-Shop eine Fundgrube.

Der Liquidationsshop verkauft Sachen, die von der Schweizer Armee ausgemustert worden sind. Nur zwei Geschäfte in der Schweiz bieten die gebrauchte, aber beinahe ewig haltende Ware an: jenes in Thun und seit einem Jahr auch wieder das Geschäft in St. Gallen. Nächste Woche feiert es das einjährige Bestehen mit noch mehr Sonderangeboten.

Nachttisch für kleine Mädchen

Vor ein paar Jahren hatte es in St. Gallen schon einmal einen Liquidationsladen der Armee. Vor fünf Jahren kündete der Bund die Verträge allerdings mit dem Kanton. «Heute ist die Ruag die direkte Partnerin der Armee-Liquidationsläden», sagt Andreas Schwarz, Kreiskommandant Kanton St. Gallen, Abteilungsleiter Militär, und verantwortlich für den Laden. «Sie übernimmt die Restbestände der Armee, die wir in ihrem Auftrag verkaufen.» Erst ab einem gewissen Umsatz sei der Laden am Gewinn beteiligt, sagt Schwarz. Der grosse Teil fliesse zurück zur Ruag, die damit die Kosten für die Entsorgung nicht verwertbarer Munition decke.

Selber ist der Oberstleutnant auch Kunde im Army-Liq-Shop. Für seine beiden kleinen Töchter habe er eine alte Offizierstruhe aufgewertet, die ihnen nun als Nachttischchen diene. «Dort können sie ihre Geheimnisse verstecken. Sie haben sich riesig darüber gefreut.»

Haaraffe, ein Kultobjekt

Die gute Seele des Ladens ist Markus Vetter. In «seinem» Laden – der eigentlich mehr einem Lager gleicht – hält er militärische Ordnung und mit den Kunden gerne ein Schwätzchen. Der Laden zieht Kunden aus der halben Schweiz an. Begeistert von der gebrauchten Ware sind aber auch Gäste aus dem Ausland.

Vetter hat im vergangenen Jahr schon manches Mal gestaunt darüber, welche Sachen besonders gut laufen und wer was kauft. «Wir hatten mal eine Gruppe buddhistischer Mönche hier, die haben Beleuchtungskisten mit Benzingasverbrenner-Lampen gekauft, weil sie zu Hause nicht immer Strom haben.» Eine Gruppe Japanerinnen hingegen sei fast ausgeflippt wegen der «Haaraffen», den fellbezogenen Tornistern. Und eine Südamerikanerin habe sich mit Tarnkleidern aus den 1980er-Jahren eingedeckt.

Nebst den hippen Touristen besuchen auch «chnorrige» Bauern und Büezer das Geschäft. Und zwar in Scharen. Gegen 50 Verkäufe schliesst Vetter an einem Nachmittag ab.

Der Laden hat mittwoch-, donnerstag- und freitagnachmittags und einmal im Monat an einem Samstag offen. Pro Monat generiert das Geschäft einen Umsatz von 50 000 Franken.

Mal seien es mehr, mal weniger, es hänge immer vom Sortiment ab, das sich stets ändert, je nachdem welches Lager die Arme gerade wieder ausgemistet hat. «Aber, vor der Open-Air-Saison läuft es immer besonders gut.» Dann decken sich die Jungen mit Schlafsäcken und Pelerinen ein.

Im Internet kostet es das x-Fache

Pelerinen waren der Verkaufsrenner vor dem letzten Schwägalp-Schwinget. Das Wetter war schlecht, also deckten sich die Besucher zuvor mit dem verlässlichen Armee-Regenschutz ein. «Das war eine richtige Freude, als ich im Fernseher das Schwingfest sah und jeder zweite die Camouflage-Pelerine anhatte», sagt Vetter.

Der absolute Verkaufsschlager sind aber die Militärvelos '93. Für 320 Franken gibt es einen der schweren, aber robusten Drahtesel. «Im Internet werden dafür bis zu 5000 Franken geboten», Vetter schüttelt ungläubig den Kopf. Bei ihm hätten sie alles billiger bekommen.

Andreas Schwarz und Markus Vetter mit den Verkaufshits. (Bild: Ralph Ribi (Ralph Ribi))

Andreas Schwarz und Markus Vetter mit den Verkaufshits. (Bild: Ralph Ribi (Ralph Ribi))

Für buddhistische Mönche ein Segen: Benzinvergaser-Lampen. (Bild: Ralph Ribi (Ralph Ribi))

Für buddhistische Mönche ein Segen: Benzinvergaser-Lampen. (Bild: Ralph Ribi (Ralph Ribi))

Zwar nicht neu, aber fast: Militärstiefel in allen Grössen. (Bild: Ralph Ribi (Ralph Ribi))

Zwar nicht neu, aber fast: Militärstiefel in allen Grössen. (Bild: Ralph Ribi (Ralph Ribi))

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