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Wo nachts die Glocken schweigen

Die IG Stiller und die Kirchgemeinden streiten sich um den nächtlichen Glockenschlag. Ein Blick in die Gallusstadt zeigt derweil, dass es neben rund der Hälfte aller Kirchen in der Nacht ruhig ist.
Malolo Kessler
Stille Nacht: Die Glocke der Linsebühlkirche ist nachts abgestellt. (Bild: Ralph Ribi)

Stille Nacht: Die Glocke der Linsebühlkirche ist nachts abgestellt. (Bild: Ralph Ribi)

Sie schlagen Tag und Nacht, viermal pro Stunde. Den einen ein Dorn im Auge, den andern ein Trost in schwierigen Zeiten: Kirchenglocken. Seit Anfang Jahr hat die IG Stiller, die sich seit Jahren gegen Glockenlärm wehrt, auch die Glocken in der Gallusstadt im Visier. Ihr Ziel: die Glocken zwischen 22 und 7 Uhr zum Schweigen zu bringen.

Ein Blick in die Gallusstadt zeigt: Vielerorts schweigen die Glocken nachts bereits.

Neben rund der Hälfte aller Kirchen auf Stadtgebiet können auch lärmempfindliche Anwohner ruhig schlafen.

Nach Reklamation abgestellt

Eine davon ist die reformierte Kirche Linsebühl. Deren Glocke schlug viele Jahre lang nachts. Bis sich vor etwa zehn Jahren eine Anwohnerin beschwert habe, sagt Karl Gabler, Präsident der Evangelischen Kirchgemeinde St. Gallen Centrum.

Deshalb beschloss die Kirchenvorsteherschaft im August des Jahres 2000, dass der Glockenschlag auf Wunsch der Anwohnerin von 22 bis 6 Uhr eingestellt wird. Es galt als einmaliger Entscheid, der im Fall von negativen Reaktionen überdacht hätte werden müssen. Dazu kam es aber nie.

Auch die Glocke der evangelischen Kirche Winkeln ist seit Jahrzehnten still – nicht nur nachts, sondern auch tagsüber.

Es sei eine eher neue Kirche, sagt Annina Policante, Präsidentin der Evangelischen Kirchgemeinde Straubenzell. Weil die Kirche nach dem Quartier erbaut wurde, sei ziemlich schnell klar gewesen, dass die Glocke nicht schlagen sollte. Auch die Kirche in der Lachen schweigt: Sie hat gar kein Schlagwerk und daher keinen Stundenschlag.

Tablat: Vier von fünf nachts still

Von den fünf Kirchen der Evangelisch-reformierten Kirchgemeinde Tablat auf Stadtgebiet schlägt nur diejenige im Heiligkreuz nachts. Die Kirche Stephanshorn habe gar keine Uhr und folglich auch keinen Zeitschlag, sagt Verwalter Werner Menzi. Auch der Glockenschlag der Kirchen Grossacker und Rotmonten sei schon seit mindestens 20 Jahren zwischen 22 und 6 Uhr abgestellt.

Die ökumenische Kirche Halden, die zur Evangelisch-reformierten Kirchgemeinde Tablat und zur Katholischen Kirchgemeinde St. Gallen gehört, hat ebenfalls keinen Zeitschlag. Auch sie hat keinen Kirchturm mit Uhr.

Winkeln als Sonderfall

Um die katholischen Kirchen in der Stadt ist es nachts weniger ruhig. Von den zehn Gotteshäusern lassen nur zwei ihre Glocken in der Nacht schweigen: Riethüsli und Rotmonten.

Im Riethüsli wird die Glocke lediglich geläutet, einen Zeitschlag gibt es weder am Tag noch in der Nacht. In Rotmonten schweigen die katholischen – genauso wie die evangelischen – Glocken von 22 bis 6 Uhr.

Die katholische Kirche in Winkeln ist in bezug auf ihren Glockenschlag ein Sonderfall. Sie schlägt zwar nachts – aber nicht wie alle anderen jede Viertelstunde, sondern nur zu jeder vollen Stunde. Und das seit über 20 Jahren.

Trost für Spitalpatienten

Derweil schlagen die übrigen Kirchenglocken – Dom, St. Laurenzen, Heiligkreuz, St. Mangen, Bruggen, St. Fiden oder St. Maria Neudorf – Tag und Nacht.

«Gott sei Dank auch», sagt der Mesmer der katholischen Kirche St. Maria Neudorf, Daniel Koller. Er höre auch nie Leute, die sich wegen der Glocken beklagten. Auch Matthias Angehrn, Leiter der katholischen Gemeinde St. Fiden, hat selten mit Beschwerden zu tun. Überraschenderweise höre er viel häufiger positive Stimmen.

Vor allem von Patienten des nahegelegenen Kantonsspitals. Für sie sei der Zeitschlag beruhigend. «Und irgendwie auch tröstend.» Tag und Nacht, viermal pro Stunde.

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