Wo Musiker proben sollen

Es gibt nicht genügend Räume für Kulturschaffende, sind sich Stadtrat und ein Interpellant einig. Nicht aber darüber, wo und für wen zusätzliche Lokale zur Verfügung gestellt werden sollen.

Mirjam Grob
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«Für ihre künstlerische Tätigkeit sind Kulturschaffende auf kostengünstige Arbeitsräume angewiesen», stellt der Stadtrat in seiner Antwort vom 10. Juni 2010 auf den parlamentarischen Vorstoss «Förderung durch Infrastruktur – wie sieht's aus?» fest. Er listet die zur Verfügung stehenden Musik-Proberäume und Ateliers auf und stellt – wie der Interpellant Pascal Kübli – fest, dass dieses Angebot die bestehende Nachfrage nicht befriedigt. Obwohl die Proberäume für Musiker bereits doppelt belegt würden.

Günstige Räume sind rar

Gegenwärtig befinden sich 69 Bewerber für Musik-Proberäume und 84 Interessenten für Ateliers auf der Warteliste der städtischen Fachstelle Kultur. Deren Länge bemängelt Juso-Politiker Kübli: In der Stadt St. Gallen gebe es zu wenig Musik-Proberäume. Ausserdem seien bezahlbare Ateliers für Kunstschaffende eine «Rarität», und für Theater- oder Tanzgruppen stünden überhaupt keine Lokale zur Verfügung.

Der Parlamentarier bezieht sich in seinem Vorstoss auf das Kulturkonzept der Stadt St. Gallen. Dieses sieht vor, künstlerische Produktionen durch die Schaffung eines kostengünstigen Raumangebots für «möglichst alle kulturellen Sparten» zu unterstützen.

Zivilschutzanlagen nutzen?

Aus diesem Grund erbitten Pascal Kübli und 28 Mitunterzeichnende vom Stadtrat Auskunft über die aktuelle Situation bezüglich bestehender sowie geplanter Räumlichkeiten.

Und fragen nach der Möglichkeit, leerstehende städtische Liegenschaften oder Schutzräume des Bevölkerungsschutzes zu nutzen. Auch ein Raumkonzept zur kulturellen Nutzung städtischer Liegenschaften wird angeregt.

Der Stadtrat antwortet, Zivilschutzanlagen seien für eine kulturelle Nutzung aufgrund mangelnder sanitärer Einrichtungen und wegen Vorschriften bezüglich Sicherheit nur bedingt geeignet. Es sei laut Hochbauamt nicht möglich, in Schutzräumen weitere Proberäume zu schaffen.

Ebenfalls keinen Handlungsspielraum sieht der Stadtrat im Hinblick auf permanente Räume für Theater- und Tanzgruppen. Da diese in der Regel nur eine beschränkte Zeitlang benötigt würden, stellten hier «Zwischennutzungen eine ideale Lösung dar».

Und auf die Eignung zur kulturellen Zwischennutzung würden alle leerstehenden städtischen Gebäude bereits geprüft, heisst es weiter.

In Zukunft soll aber ein «regelmässiger, systematischer Austausch» zwischen dem Liegenschaftenamt, dem Hochbauamt und der Fachstelle Kultur stattfinden. Auch eine Erweiterung des Aufgabenbereichs letzterer sei zu prüfen.

Weitere Räume sollen entstehen

Nebst dieser Massnahme werde auch die Schaffung weiterer Räumlichkeiten in der Kräzernstrasse 79, im ehemaligen Schulhaus Lachen und in Zusammenarbeit mit der Immobilienplattform Immodream der Kantonalbank St. Gallen diskutiert.

Abschliessend schreibt der Stadtrat: «Angesichts der bestehenden und vorgesehenen Massnahmen besteht aus heutiger Sicht kein Bedürfnis, ein Raumkonzept für die kulturelle Nutzung städtischer Liegenschaften zu erarbeiten.» Der Fokus liege auf der Verstärkung des systematischen Informationsaustausches.

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