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Wo einst Papier hergestellt wurde

Derzeit saniert die Stadt St. Gallen das Gebäude der alten Papiermühle Oberkräzern in Winkeln. Ein Vorgang, der Geschichte sichtbar macht, wie ein Rundgang mit dem städtischen Denkmalpfleger Niklaus Ledergerber zeigt.
Marlen Hämmerli
Niklaus Ledergerber Denkmalpfleger Stadt St. Gallen (Bild: pd)

Niklaus Ledergerber Denkmalpfleger Stadt St. Gallen (Bild: pd)

Die Papiermühle an der Kräzernstrasse wurde 1604 von der Fürstabtei St. Gallen erbaut. Nun soll sie zu einem Quartierzentrum ungenutzt werden. An den Sanierungsarbeiten ist auch die städtische Denkmalpflege beteiligt. Bei den Sanierungs- und Umbauarbeiten wurden etliche Überbleibsel aus der Zeit der Papierherstellung freigelegt.

Wasser vom Bildweier

Papier war früher eine Mangelware, weil es aus alten Lumpen hergestellt wurde. Zudem war die Papierherstellung eine feuchte Angelegenheit: Die Lumpen wurden in grossen Bottichen aufgeweicht und danach im Stampfwerk zerfasert. Die Hämmer dieses Stampfwerks trieb ein Wasserrad an. «Damals führte ein Kanal vom Bildweier zur Papiermühle, durch das Gebäude hindurch und belieferte weiter unten drei oder vier Kornmühlen ebenfalls mit Wasser», erklärt Niklaus Ledergerber das ausgeklügelte System.

Bis 1908 habe man Papier auf diese herkömmliche Art hergestellt. Danach wurde das als Maschinenwerkstatt genutzte Gebäude mit Turbinen und Druckleitung modernisiert. Ein Stück dieser Leitung ragt noch heute auf der strassenabgewandten Seite des Hauses aus der Mauer. «Die Turbinen und das Wasserrad sind leider nicht erhalten geblieben. Dafür existieren Teile des Wasserkanals heute noch. Nur im oberen Bereich der Bildweiherstrasse ist er unterbrochen», sagt Ledergerber.

Der Denkmalpfleger geht dann zu einer Stelle zwischen der Mühle und dem kleineren Nebengebäude. Dort hebt sich ein Teil der Mauer farblich vom Rest ab. Hier führte der Kanal früher ins Gebäude. Hinter der Wand befand sich das Ketthaus mit dem Mühlrad. «Die Öffnung wurde später zugemauert und verputzt», erläutert Ledergerber. Der Wasserkanal im Gebäude ist derzeit offengelegt. Später wird er aber mit Dielen, welche jederzeit wieder entfernt werden könnten, zugedeckt.

Fehlende Verbindungen

Im ersten Obergeschoss, «direkt über dem wärmenden Dampf» der Papierproduktion, wohnte der Müller. Die Türöffnungen sind klein und niedrig. Bei einigen der Wände handelt es sich – wie damals üblich – um Bohlenwände. Bei dieser Bauweise werden vertikal liegende Bretter aufeinandergeschichtet und in die begrenzenden senkrechten Balken eingeführt. Vieles ist kaputt. Der Grund dafür sind aber nicht etwa die laufenden Sanierungsarbeiten. «Als die Stadt hier 1949 Notwohnungen einrichtete, wurden Gipswände eingezogen, einige der alten Wände und auch viele Buge entfernt», erklärt Ledergerber. Diese Verbindungsstücke zwischen Stützen, Deckenbalken und Boden stabilisierten das Gebäude. Dass sie nun fehlen, bereitet Probleme. Denn die von der Stadt eingezogenen Wände sollen wieder entfernt und die Räume möglichst in ihren ehemaligen Zustand versetzt werden. Doch: «Die von der Stadt eingezogenen Gipswände stabilisierten die gesamte Konstruktion etwas und ersetzten so die Buge.»

Einen Lift gab's schon damals

Neben anderen Massnahmen wird ein betonierter Liftschacht das Gebäude künftig etwas stützen. In diesem Bereich habe sich bereits früher ein Aufzug befunden. Mit diesem wurde das Papier transportiert: «Die Müller mussten die schweren Papierbögen nicht buckeln und die steilen Treppen bis ins zweite Obergeschoss hinauftragen.» Dort wie auch im Dachstuhl wurden die nassen Papierbögen getrocknet. Die Böden des zweiten Stocks wie auch jene des Erdgeschosses bestehen deshalb aus Sandsteinplatten. Diese sogen das Wasser auf, welches von den Bögen im Dachgeschoss tropfte. Die Feuchtigkeit war auch der Grund, warum das Erdgeschoss der Mühle gemauert wurde. Holz wäre verfault.

Wind pfiff durch die Lücken

Die Aussenwände des Dachstuhls der alten Papiermühle machen einen geschlossenen Eindruck. Doch dieser täuscht: «Zwischen den etwa 18 Zentimeter breiten Brettern hat es eineinhalb Zentimeter breite Lücken. Durch diese Aussparungen pfiff der Wind hindurch.» So war dafür gesorgt, dass das frischgeschöpfte Papier möglichst schnell trocknete.

Die alte Papiermühle an der Kräzernstrasse in Winkeln wird derzeit saniert und zum Quartierzentrum umgebaut. (Bild: Ralph Ribi)

Die alte Papiermühle an der Kräzernstrasse in Winkeln wird derzeit saniert und zum Quartierzentrum umgebaut. (Bild: Ralph Ribi)

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