Wo einst Elche ästen

Als «Glanzpunkt der urwüchsigen Natur» wird das Andwiler Moos immer wieder bezeichnet. Ein Glanzpunkt, aber der immer wieder «poliert» werden will, soll er seinen Glanz nicht verlieren. Dabei soll ein Entwicklungskonzept helfen.

Marianne Bargagna
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Schützenswert: Im Andwiler Moos soll unter anderem das Moor regeneriert und sollen Teiche vor der Verlandung bewahrt werden. (Bild: Urs Bucher)

Schützenswert: Im Andwiler Moos soll unter anderem das Moor regeneriert und sollen Teiche vor der Verlandung bewahrt werden. (Bild: Urs Bucher)

andwil. Vor 15 000 Jahren sollen Elche im Andwiler Moos geäst haben. Tempi passati. Heute trifft, wer mit offenen Augen und Ohren durchs Andwiler Moos streift, keine grossen Tiere an, sondern eher kleine wie Insekten, Schmetterlinge und Ameisen. Hört Vögel zwitschern, Frösche quaken. Kann Moorbirken, Zittergras, Dotterblumen, gelbe Schwertlilien, Glocken- oder Witwenblumen entdecken. Das Andwiler Moos ist also quasi ein Naturarchiv. Seit 1987 gehört es zum Bundesinventar der Flachmoore von nationaler Bedeutung. Gleichzeitig ist es ein Amphibienschutzgebiet von regionaler Bedeutung.

Projekt startet im Frühling

Damit dies so bleibt, muss das Moos gehegt und gepflegt werden. Die Eigentümerin, die Ortsgemeinde Andwil, kann dabei jährlich auf freiwillige Helfer zählen. Das schätzt Eugen Ledergerber, Präsident des Verwaltungsrates der Ortsgemeinde. Er weiss aber auch, dass die Pflege aufwendig ist. Dank verschiedener Massnahmen könnte diese vereinfacht und auch dann, wenn die Helferzahl schwinden sollte, noch bewerkstelligt werden.

Wie könnten diese Massnahmen aber aussehen? Darüber macht sich die Ortsgemeinde seit einiger Zeit Gedanken. Darum liess sie auch schon Inventare über die Vogel- und die Pflanzenwelt erstellen. Jetzt soll die Regeneration des Moores in Angriff genommen werden. Zusammen mit Vertretern des Amtes für Natur, Jagd und Fischerei des Kantons St. Gallen nahmen Andwiler Ortsgemeindemitglieder und ein Vertreter des Zuger Büros Beck und Staubli, Umweltprojekte, einen Augenschein vor Ort vor. Das war im November vergangenen Jahres. Daraufhin erstellte das zugezogene Büro einen ersten Bericht über die Moor-Regeneration. Die Kosten für diesen übernahm der Kanton. 2000 Franken hat die Ortsgemeinde für weitere Projektarbeiten in diesem Jahr ins Budget 2011 aufgenommen. Wie viel das ganze Projekt kosten wird, darüber kann Ledergerber momentan noch keine Auskunft geben. Geplant sei, im Frühjahr das weitere Vorgehen zu besprechen. Dann werde nochmals eine Begehung stattfinden und die Experten würden dann einen Vorschlag mit Kostenschätzung ausarbeiten. Ledergerber freut sich. Die Ortsgemeinde kann auch in der Projektarbeit auf Freiwillige zählen. An der Bürgerversammlung haben sich zwei Ortsbürger spontan bereit erklärt, mitzuarbeiten.

Viele Massnahmen

Was wird die Projektgruppe erwarten? Als Grundsatzpapier wird ihnen der vorliegende Bericht des Büros Beck und Staubli dienen. Darin wird festgehalten, dass das Andwiler Moos relativ isoliert in einer intensiv genutzten Landschaft mit wenig oder keiner Verbindung zu anderen naturnahen Lebensräumen liege. Und es sich heute als Flachmoor mit wenigen Bereichen mit Hochmoorcharakter präsentiere. Die Liste von möglichen Massnahmen ist lang. Vorgeschlagen wird unter anderem, dass im Hochmoorbereich allenfalls aufkommende Fichten oder Laubhölzer ausgerissen werden. Dann soll das «kulturhistorische Element» der Torfstichkante mit dem Gehölzstreifen erhalten werden. Offene Wasserflächen seien zu schaffen. Die kleinen Teiche sollen vor der Verlandung bewahrt werden, was bedeutet, dass sie periodisch ausgebaggert werden sollten.

Festgestellt wird weiter, dass sich trotz regelmässiger Streunutzung Gebüsche, Baumgruppen und Einzelbäume entwickelt haben, die wiederum zu einer parkartigen Landschaft geführt haben. Dies wird als Bereicherung der Landschaft und wertvoller Lebensraum empfunden. Diese reich strukturierte Fläche sei zu erhalten.

Schliesslich noch ein Blick auf den Wald: Dieser sei recht dicht, heisst es im Bericht. Eugen Ledergerber sagt dazu, dass in diesem Winter Bäume, vor allem Fichten, geschlagen worden seien. Eine weitere Auslichtung wird empfohlen mit dem Ziel, einen lichten, reich strukturierten Wald zu erreichen.