Wo diesen Winter Bäume fallen

Das Gartenbauamt ist für rund 9000 Bäume in der Stadt St. Gallen zuständig. Seine Mitarbeiter sind stolz auf den grossen Bestand. Fällungen gehören zu den weniger beliebten Aufgaben, sind aber auch diesen Winter nötig.

Reto Voneschen
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Die Sommerlinde mit der Registernummer 4882 auf dem Damm des Mannenweier ist einer der bekanntesten und markantesten Bäume, die das städtische Gartenbauamt in diesem Winter fällen muss. (Bild: Reto Voneschen)

Die Sommerlinde mit der Registernummer 4882 auf dem Damm des Mannenweier ist einer der bekanntesten und markantesten Bäume, die das städtische Gartenbauamt in diesem Winter fällen muss. (Bild: Reto Voneschen)

46 grössere und kleinere Bäume figurieren für die nächsten Wochen auf der Fällliste des Stadtsanktgaller Gartenbauamtes. Darunter sind markante Exemplare. Christoph Bücheler bedauert dies. Es sei schade um jeden grossen Baum, der aus dem Siedlungsgebiet verschwinde, sagt der Chef des Gartenbauamtes. Bäume seien in der Stadt ein wichtiger Faktor für die Lebensqualität.

Nach Fällung Ersatz pflanzen

Entsprechend sorgfältig klärt das Gartenbauamt im Vorfeld einer Fällung im öffentlichen Raum ab, ob ein Baum wirklich umgehauen werden muss oder ob man ihm nicht doch noch eine Gnadenfrist einräumen kann. Zudem wird für die gefällten Bäume wenn immer möglich Ersatz gepflanzt.

«Abgestorbene und kranke Bäume können im öffentlichen Raum nicht einfach stehen gelassen werden», sagt Christoph Bücheler. Zu gross wäre das Risiko von Unfällen, wenn sie Äste verlören oder umstürzten. Positiv ist für ihn aber, dass die Fällliste für diesen Winter weniger lang ist als in den vergangenen Jahren.

Ein Grund dafür ist, dass der Höhepunkt der Ulmenkrankheit (siehe Kasten) offenbar vorüber ist. Dies, weil in den letzten fünf bis zehn Jahren ein Grossteil der Ulmen im öffentlichen Raum daran eingegangen ist und die toten Bäume bereits entfernt wurden.

Auch Baumriesen verschwinden

Von den 46 zu fällenden Bäumen dieses Winters gehen aber nochmals 16 aufs Konto der Ulmenkrankheit. Betroffen ist auch eine Ulmenart, von der man früher annahm, dass sie resistent gegen die Baumseuche sei. Gefällt werden je eine grosse und markante Ulme im Friedhof Feldli, auf dem Spelteriniplatz und im Stadtpark. Fortgesetzt werden müssen Fällaktionen früherer Jahre unter anderem an der Post- und an der Kolumban-/Splügenstrasse.

Einen anderen markanten Baum werden die Mitarbeiter des Gartenbauamtes in den nächsten Wochen im Umfeld der Universität fällen müssen. Es handelt sich um eine Hemlock-Tanne im Kirchhofergut an der Dufourstrasse. Der ursprünglich aus Kanada stammende Baumriese ist krank und abgestorben. Er wird durch zwei junge Bäume der gleichen Art ersetzt.

Im Leonhardspärkli muss eine absterbende Silberlinde gefällt werden. Um diesen Baum sei es «sünd und schad», sagt Christoph Bücheler. Es gehe aufgrund seines schlechten Zustandes aber nicht anders. Und durch die Fällung kämen vor einigen Jahren neu gepflanzte Bäume im Pärklein zu mehr Raum und Licht.

Schattenspender für Badegäste

Der wohl bekannteste Einzelbaum, den die Mitarbeiter des Gartenbauamtes in diesen Tagen fällen, ist eine Sommerlinde auf dem Damm des Mannenweiers. Der Baum mit der Nummer 4882 ist von Pilzen befallen und stark geschwächt. Die «Tilia platyphyllos», wie die Baumart botanisch korrekt heisst, hat einen Umfang von über drei Metern. Sie hat Sonnenhungrigen und Badegästen während deutlich mehr als hundert Jahren am Weiher Gesellschaft geleistet. Und sie kann zum Bedauern von Christoph Bücheler nicht durch einen jungen Baum ersetzt werden: Vorschriften des Bundes untersagen Neupflanzungen auf Naturdämmen.

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