Wo die wilden Tiere wohnen

Das Projekt Stadtwildtiere ruft St. Gallerinnen und St. Galler dazu auf, die «Big5» der Stadt zu fotografieren und die Beobachtungen auf einer Internetseite zu melden. Jetzt gibt es erste Auswertungen der Begegnungen mit Igel, Eichhörnchen, Reh, Fuchs und Dachs.

Katharina Brenner
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Dachs am Wolfgangweiher.

Dachs am Wolfgangweiher.

Am häufigsten vor der Kamera war bisher der Fuchs. Von Mai bis Anfang Juli sind auf der Seite www.stadtwildtiere.ch 52 Beobachtungen von Füchsen registriert worden, gefolgt von 38 Rehen, 33 Dachsen, 19 Igeln und 18 Eichhörnchen. Wer eines dieser Tiere oder auch andere Wildtiere in der Stadt sieht, kann die Beobachtung im Internet dokumentieren. Meldungen mit Fotos sind gemäss dem Verein Stadtnatur besonders wertvoll.

Tiere, die jeder kennt

Er hat das Projekt Stadtwildtiere in St. Gallen initiiert. Getragen wird es von der Stadt St. Gallen, vom WWF St. Gallen, Pro Natura St. Gallen-Appenzell und vom Naturmuseum. Bereits im vergangenen Jahr hatte der Verein Stadtnatur zu Tierbeobachtungen in St. Gallen aufgerufen. In diesem Jahr liegt der Fokus auf den «Big5» der Stadt – in Anlehnung an die «Big5» von Afrika. Zu diesen zählen Elefant, Nashorn, Büffel, Löwe und Leopard. In St. Gallen fallen die grossen Fünf deutlich kleiner aus: Igel, Eichhörnchen, Reh, Fuchs und Dachs. Warum gerade diese Tiere? «Es sind Arten, die jeder kennt und gut unterscheiden kann», sagt Madeleine Geiger. Die Biologin betreut während der Aktion die Fotofallen.

Sie stellt noch bis Ende September in Gärten Infrarotkameras mit Bewegungsmeldern auf, die nachtaktive Tiere fotografieren. Das Eichhörnchen ist als einziges Tier der St. Galler «Big5» tagaktiv. 13 von 20 Kameras seien derzeit im Einsatz, sagt Geiger. Sie sucht weitere Interessierte (siehe Zweittext). «Die Kameras machen auch ein Bild, wenn zum Beispiel ein Blatt herunterfällt», sagt sie. Katzen sind immer wieder auf den Bildern, Kurioses habe sie noch nicht gesehen. Laufe ein Mensch durchs Bild, werde er meistens nur bis zu den Knien fotografiert.

Wenig Igel, viele Füchse

Je mehr Fotofallen in der Stadt verteilt seien, desto besser wisse sie am Ende, ob es etwa weniger Igel in der Stadt gebe. Bisher seien kaum welche fotografiert worden. Füchse hingegen seien auch in anderen Städten weit verbreitet, weil sie jede Art von Nahrung fressen.

Geiger sagt, sie hoffe auf mehr Beobachtungen von Eichhörnchen. In der Online-Galerie sind auch Bilder von Schnecken zu sehen. «Die Leute können Bilder von allen möglichen Tieren hochladen.» Der Fokus liege zwar auf den «Big5», aber es seien auch Bilder von anderen Tieren willkommen.

«Mit der Aktion Stadtwildtiere wollen wir herausfinden, welche Tiere es wo in St. Gallen gibt», sagt Geiger. «Davon ausgehend können wir gezielte Fördermassnahmen starten.» Werden in einem Gebiet beispielsweise besonders wenige Wildtiere gemeldet oder mit der Fotofalle nachgewiesen, sei das ein Hinweis dafür, dass der Lebensraum aufgewertet werden könnte.

Ist es überhaupt wünschenswert, dass Dachse, Füchse, Rehe, Igel und Eichhörnchen in der Stadt leben? «Das ist wohl Ansichtssache», sagt Geiger. Ihrer Meinung nach sind Wildtiere ein Zeichen von Naturnähe und deshalb Lebensqualität – wenn die Stadt nicht nur Lebensraum für Menschen, sondern auch für Tiere bietet. «Wichtig ist aber, dass die Tiere ihre natürliche Scheu vor dem Menschen nicht verlieren und deshalb nicht gefüttert werden.»

Rehbock am Guggeienhof.

Rehbock am Guggeienhof.

Fuchs an der Lehnstrasse. (Bilder: pd/Projekt Stadtwildtiere)

Fuchs an der Lehnstrasse. (Bilder: pd/Projekt Stadtwildtiere)

Madeleine Geiger Mitarbeiterin Stadtwildtiere (Bild: pd)

Madeleine Geiger Mitarbeiterin Stadtwildtiere (Bild: pd)