Wo die Stadt Hausherrin ist

Die Stadt St. Gallen hat nicht nur Liegenschaften, in denen die Verwaltung untergebracht ist. Sie besitzt auch Gebäude, die sie privat vermietet. Zum Teil erstaunlich, wer bei der Stadt Mieter ist.

Fredi Kurth
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Sogar Schlossherrin: Das Schlössli Haggen ist verpachtet. (Bilder: Fredi Kurth)

Sogar Schlossherrin: Das Schlössli Haggen ist verpachtet. (Bilder: Fredi Kurth)

Aus ihrem Immobilen-Portefeuille macht die Stadt kein Geheimnis. Aber sie macht sie auch nicht auffällig publik. Die 145 Wohn- und Geschäftsgebäude und die 46 landwirtschaftlichen Liegenschaften sind in der Jahresrechnung aufgeführt, nach Adressen. Wer wissen will, um welche Mieter es sich handelt, kommt mit gängigen Internet-Anwendungen weiter, zum Beispiel Online-Telefonbüchern. Hintere Bahnhofstrasse 11? Das Architekturbüro Eigen GmbH ist dort zu Hause. Museumstrasse 2? Die Genossenschaft Konzert und Theater St.

Gallen ist dort untergebracht. Wer verbirgt sich denn hinter dem Gebäude mit dem geringsten Verkehrswert von 71 000 Franken? Die Grabenhalle-Betreiber haben an der Magnihalden 13 ihr Büro, und die Käsehalle ist dort ebenfalls zu Hause. Nicht zuletzt ist die Stadt auch Schlossherrin: Ihr gehört gemäss Bestandesrechnung 2009 das Schlössli an der Haggenstrasse 94, das sie als Restaurant verpachtet hat.

Von Kirche bis Verkaufsstand

Der Immobilienbesitz aus dem Finanzvermögen umfasst eine weitreichende Palette an Gebäudetypen. Der grosse Anteil ist an Hausbewohner und Betriebe vermietet. Aber das Angebot reicht auch von Gebäuden für öffentliche Anlässe wie die Offene Kirche über Notwohnungen bis zu Verkaufsständen. So ist die Stadt auch Hausherrin über den Verkaufspavillon beim Marktplatz, im Volksmund Rondelle genannt.

Höchstwert: Lagerhaus

Dass sich die Stadt im Immobilienmarkt engagiert, hat schon Argwohn geweckt. Doch Stadträtin Elisabeth Beéry betont, dass der Nutzen daraus stets in öffentlichem Interesse erfolge. «Wir kaufen Boden und Gebäude nicht aufs Geratewohl, sondern im Hinblick auf die Stadtentwicklung», sagt die Baudirektorin. «Die Stadt erwirbt unter anderem Bauland an passender Lage, um es interessanten Unternehmungen anzubieten.» Oder Wohnraum wird an Genossenschaften oder Stiftungen abgetreten.

Die Bauverwaltung lässt sich dabei von neutraler Stelle die Gebäudewerte schätzen.

Am höchsten bewertet ist die Liegenschaft an der Davidstrasse 40 bis 46 (die geraden Nummern), mit einem amtlichen Verkehrswert von 9,7 Millionen Franken. Dort befinden sich unter anderm die Kunsthalle, das Restaurant Lagerhaus, die Wyborada-Frauenbibliothek, der Caritas-Markt und das Delinat-Weindepot.

In tieferen Preisregionen bewegen sich die Handelswerte der landwirtschaftlichen Liegenschaften, welche an Bauern verpachtet sind.

«Was wir nicht machen: Selber Wohnungen bauen», sagt Beéry, «wir geben Boden lieber im Baurecht ab, wie dies bei der Überbauung Remishueb der Fall war.» Hingegen baut die städtische Pensionskasse selber Gebäude wie vor rund acht Jahren im Hompeli-/Heiligkreuzquartier.

Die Stadt sichert sich auch Bauplätze. Zum Beispiel tat sie dies bereits vor 30 Jahren in der südlichen Altstadt – im Hinblick auf eine mögliche Südumfahrung. Sie handelt desgleichen im Hinblick auf Schulhaus- und weitere Strassenbauten.

Die neuen Transfers

Die Stadt hat ihre Anstrengungen auf dem Immobilienmarkt in den vergangenen zehn Jahren noch verstärkt. Gemäss Geschäftsbericht hat sie 2009 neun Liegenschaften von fünf verschiedenen Verkäufern erworben. Unter anderem für 2,40 Millionen Franken die Wohn- und Geschäftshäuser an der Lukasstrasse 27/29.

Dort sind die Bisal GmbH, HFK Bau AG, Henseler Molkereimaschine und Aufzüge AG sowie die Schreinerei Burger eingemietet. Zwei Mehrfamilienhäuser in der Stadt wurden von Wogeno gekauft.

Sieben Grundstücke wurden im Baurecht abgegeben: unter anderem jenes an der Museumstrasse 1 an Konrad Hummlers Privatbank Wegelin & Co und drei Wohnhäuser an der Gottfried-Keller-Strasse an die Christlichsoziale Wohnbaugenossenschaft.

Wie Elisabeth Beéry betont, basiert das städtische Engagement im Immobilienmarkt auf fairen Preisen, auch was die Mieten betrifft. Die Rendite der Wohn- und Geschäftsliegenschaften betrug im vergangenen Jahr 7,2 Prozent.

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