Wittenbachs Kasse leidet

Die Rechnung 2014 schliesst in Wittenbach um über eine Million Franken besser als erwartet. Dennoch resultiert ein kleines Defizit, und die Verschuldung hat zugenommen.

Sebastian Schneider
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Schlägt zu Buche: Die Finanzierung der Alterspflege, die die Gemeinden neu vollumfänglich zahlen müssen. (Archivbild: David Suter)

Schlägt zu Buche: Die Finanzierung der Alterspflege, die die Gemeinden neu vollumfänglich zahlen müssen. (Archivbild: David Suter)

WITTENBACH. Wie die meisten Gemeinden in der Region schliesst auch Wittenbach seine Rechnung besser ab als erwartet. Gemeindepräsident Fredi Widmer kann eine Besserstellung gegenüber dem Budget von rund 1,1 Millionen Franken präsentieren. Trotzdem blieb der Aufwand im vergangenen Jahr höher als der Ertrag. So bleibt ein kleines Defizit von 8541 Franken. «So gut wie eine schwarze Null also», sagt Widmer.

Hohe Sozialhilfekosten

Die Gemeinde Wittenbach hat 2014 rund 43,3 Millionen Franken ausgegeben. Das sind gemäss Rechnung 874 000 Franken weniger als budgetiert. Zugleich ist diese Differenz einer der Hauptgründe für den besseren Abschluss. Entlastungsmassnahmen haben Wirkung gezeigt: In der allgemeinen Verwaltung wurden rund 182 000 Franken weniger ausgegeben, die Schulgemeinden haben 353 000 Franken weniger gebraucht als budgetiert. Zu einem Minderaufwand führte die Reduktion der Abschreibungen in der Höhe von 445 000 Franken, weil diese bereits im Vorjahr getätigt wurden. Unerwartet hohe Aufwände gab es bei der Pflegefinanzierung, die erstmals vollumfänglich von der Gemeinde übernommen werden musste. Auch die Leistungen bei der Sozialhilfe überstiegen das Budget. Zusammen haben die beiden Posten den budgetierten Wert um fast 800 000 Franken überschritten.

Einmalige Mehrerträge

Wittenbach hat nicht nur weniger Geld ausgegeben als budgetiert; die Gemeinde hat auch ein bisschen mehr Geld eingenommen als geplant. Der Mehrertrag von 212 000 Franken kommt vor allem dank unerwarteter Grundstückgewinnsteuern zustande. «Leider ist das nicht nachhaltig», sagt Widmer. Fürs laufende Jahr könne er natürlich nicht auf solch einen Ausschlag zählen. So rechnet Widmer auch 2015 mit einem Defizit von rund einer Millionen Franken. Das Budget 2015 hat die Wittenbacher Stimmbevölkerung Ende November bereits gutgeheissen, die Rechnung 2014 muss sie an der Bürgerversammlung vom 18. Mai noch genehmigen.

Wachsende Schulden

Eine Gemeinde wie Wittenbach, die unabhängig der konjunkturellen Lage weniger Geld einnimmt als sie ausgibt, leidet unter einem strukturellen Defizit. Dessen ist sich Widmer bewusst. Ihm bereitet besonders die zunehmende Verschuldung pro Kopf Sorgen. Von 2013 auf 2014 ist sie von 2489 auf 2728 Franken gestiegen. «Wir haben mehr Geld investiert als wir abschreiben konnten», lautet die Erklärung.

Was führte eigentlich zur finanziell angespannten Lage Wittenbachs? «Die drei Sparpakete des Kantons sind für unsere Gemeinde nur schwer verkraftbar», sagt Widmer. Allein wegen dieser Kostenumlagerungen sei die Belastung für seine Gemeinde in den vergangenen drei Jahren etwa 2,5 Millionen Franken pro Jahr gestiegen. Zu vergessen sei auch nicht, dass Wittenbach eine der höchsten Sozialhilfequoten im ganzen Kanton hat.

Nochmals sparen

Fredi Widmer bleibt nicht viel anderes übrig, als die Investitionen auf ein Minimum zu senken, um die Schulden nicht weiter ansteigen zu lassen. Dass Widmer reagiert, zeigt sich auch im Budget 2015, wo nur rund eine Million Franken in die Investitionsrechnung aufgenommen wurde. Zum anderen versucht die Gemeinde, weiter den Aufwand zu senken. Über 20 neue Sparmassnahmen sind laut Widmer derzeit in Prüfung. Er hofft, dass diese noch in diesem Jahr Wirkung zeigen. Auch wenn der Spielraum klein ist und noch kleiner wird, will Widmer auf eine umstrittene Massnahme verzichten: «Eine Erhöhung des Steuerfusses kommt vorerst nicht in Frage.»