WITTENBACH: Treffpunkt Dorfhügel

Er ist ein Bijou in der Fülle der Weihnachtsmärkte: Wenn morgen Dienstag entlang der Dorfstrasse wieder die Lichter erstrahlen, stossen die Organisatoren auf 25 Jahre an. Dabei hat alles eher zufällig begonnen.

Corinne Allenspach
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Morgen Dienstag feiert der Weihnachtsmarkt auf dem Wittenbacher Dorfhügel sein 25-Jahr-Jubiläum. (Bild: Urs Bucher (30. November 2010))

Morgen Dienstag feiert der Weihnachtsmarkt auf dem Wittenbacher Dorfhügel sein 25-Jahr-Jubiläum. (Bild: Urs Bucher (30. November 2010))

Corinne Allenspach

corinne.allenspach@tagblatt.ch

Heute würde man damit niemanden mehr hinter dem Ofen hervorlocken. Gerade einmal sieben Stände zählte der Wittenbacher Weihnachtsmarkt bei seiner ersten Durchführung. Damals, vor 25 Jahren, war er nicht nur klein, aber fein, sondern «auf Anhieb ein voller Erfolg», wie sich Carmen Bleisch-Mettler erinnert. Es seien unheimlich viele Leute gekommen. «Wir mussten sogar Bratwürste nachbestellen.» Den Erlös aus dem Wurststand spendete sie an soziale Institutionen im Dorf – auch in den Folgejahren. Als die heute 62-Jährige den Markt 1992 initiierte, war es mehr eine Spontanidee. Als Inhaberin eines Jeansladens im Haus Kaufmann an der Ecke Romanshorner-/Dorfstrasse habe sie sich gedacht: Statt ein Inserat zu schalten, das auch Geld kostet, wäre es viel schöner, sich den Leuten persönlich zu präsentieren. Auch der Termin war eher zufällig gewählt: ein Dienstagabend, weil dann keine Gemeinde in der Nachbarschaft Abendverkauf hat.

Die Idee kam an, der Markt wuchs rasch und längst ist er aus der Wittenbacher Agenda nicht mehr wegzudenken. Bei der zweiten Ausgabe konnte Carmen Bleisch bereits 14 Standbetreiber begrüssen, beim dritten Mal 30. Danach schwankte die Zahl zwischen 55 und 65. Dieses Jahr, zur Jubiläumsausgabe, sind es sogar gegen 70 Marktstände, die die Dorfstrasse zwischen der Bäckerei Gätzi und der Kirche St. Ulrich in warmes Licht tauchen.

Ganzer Markt im Dunkeln und Sorgen wegen Umzugs

Dass sich der Markt all die Jahre nicht nur halten konnte, sondern sogar gewachsen ist, hat einen simplen Grund: Er ist ein Bijou. Wer von Stand zu Stand schlendert, sich von der Menschenmasse treiben lassend, kann ihn noch spüren, diesen Zauber der Weihnachtszeit. 15 Jahre lang hat Carmen Bleisch den Markt organisiert. «Ich habe es unheimlich gern gemacht», sagt sie. Aber irgendwann seien der Aufwand zu gross und die schlaflosen Nächte zu zahlreich geworden. «Besonders schwierig war, alle Wünsche der Standbetreiber zu erfüllen.» Den einen Ausstellern blies an dieser Ecke der Wind zu stark, den andern war an jener Ecke zu wenig los. Ein Problem sei auch der Strom gewesen. «Es gab immer Leute, die einen Ofen oder anderes anschlossen und dann war plötzlich der ganze Markt im Dunkeln.» Später kam eine weitere Sorge hinzu: Mit Eröffnung des Zentrumsplatzes wollte die Gemeinde, dass der Markt dorthin zügelt. Für Carmen Bleisch unvorstellbar: «Es ist doch so schön mit der Kirche und den Ständen entlang der Dorfstrasse.» In Hildegard und Albert Gätzi, die seit 25 Jahren vor ihrer Bäckerei einen Stand betreiben und den Wert des Marktes auf dem Dorfhügel kennen, fand Carmen Bleisch ideale Nachfolger. Gätzis organisierten den Markt von 2007 bis 2013 und erweiterten das Programm, etwa mit Auftritten verschiedener Musikformationen. Die Kosten übernahmen sie selber. «Für die Organisatoren rentiert es nie», weiss Hildegard Gätzi. «Aber wir haben es fürs Dorf gemacht.» Schliesslich sei der Markt wichtig fürs Wittenbacher Gemeinschaftsgefühl. Es sei immer unglaublich schön, zu sehen, wie viele Leute sich hier treffen. Überrascht ist sie nicht über den jährlichen Grossaufmarsch: «Einen Markt mit einem solchen Ambiente wie bei uns auf dem Dorfhügel muss man suchen.»

Seit 2014 führt der Verkehrsverein Wittenbach, unterstützt von der Gemeinde, die Tradition weiter. Wenn morgen Dienstag auf dem Dorfhügel wieder die Lichter angehen, stossen die heutigen Organisatoren mit all jenen an, die in den vergangenen 25 Jahren Herzblut in den Weihnachtsmarkt investiert haben.