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WITTENBACH: Trauern ist gesund: Trauercafés haben nicht ausgedient

Der Trauer-Treff legt nach neun Jahren eine Pause ein. Ein Blick auf andere Angebote in der Region zeigt jedoch, dass sogenannte «Trauercafés» wichtig für Betroffene bleiben.
Matthias Fässler
«In schweren Momenten werden Tränen zu unserer Sprache». So stand es im ersten Flyer des T-Treffs in Wittenbach. (Bild: Donato Caspari)

«In schweren Momenten werden Tränen zu unserer Sprache». So stand es im ersten Flyer des T-Treffs in Wittenbach. (Bild: Donato Caspari)

Matthias Fässler

matthias.faessler@tagblatt.ch

Menschen trauern unterschiedlich. Die einen tun es im engsten Familienkreis oder für sich alleine, anderen hilft es, öffentlich darüber zu sprechen. Mit dem Ziel, einen gemeinsamen Raum für Trauererfahrungen zu schaffen, gründete das Palliativzentrum des Kantonspitals St.Gallen vor zehn Jahren das erste Trauercafé, ein Pionierprojekt. Bis heute sind daraus mehr als 30 Angebote in der Ostschweiz entstanden, an die sich Trauernde wenden können. Eines davon ist der Trauer-Treff der evangelischen und katholischen Kirchen Wittenbach, der vor neun Jahren lanciert wurde. Bis anhin wurde einmal im Monat der «T-Treff» angeboten. Wie die Organisatorinnen nun jedoch im «Gemeindeplus» schreiben, wird das Angebot vorerst eingestellt. «In letzter Zeit mussten wir erfahren, dass es nicht jedermanns Sache ist, Gefühle und Emotionen in einer Gruppe zu verarbeiten», heisst es.

Wie wichtig die Trauerbewältigung im Allgemeinen, aber auch der Austausch mit Personen in ähnlichen Lebenslagen ist, weiss Mona Mettler. Sie initiierte 2008 das Trauercafé im Kantonsspital St.Gallen und ist heute für die Vernetzung der verschiedenen Angebote zuständig. Mit dem Trauercafé vollzog sich innerhalb des Kantonsspitals ein Paradigmenwandel. «Vorher hörte unsere Betreuung der Angehörigen nach dem Tod des Patienten auf», sagt Mona Mettler. Palliative Care definiere sich ja als umfassende Begleitung und Betreuung von Schwerkranken und Sterbenden mit ihren Angehörigen – über den Tod hinaus; das wird laut Mettler erst jetzt mit den Trauercafés so gelebt.

Trauern ist gesund

Auf die Bedeutung einer intensiven «Trauerarbeit» wies bereits der renommierte Psychoanalytiker Sigmund Freud 1915 hin. Es galt als gefährlich, wenn jemand nicht offensichtlich trauerte oder gar die Trauer verdrängte. Auch Mettler betont diesen Fakt, der mittlerweile wissenschaftlich weiter belegt wurde: «Trauer, die nicht gelebt wird, kann Menschen krank machen», sagt sie. Gerade deshalb sei es wichtig, Räume zu schaffen, in denen Trauer offen thematisiert werden könne. Dass die kleineren Angebote in den Gemeinden mehr Mühe hätten, Teilnehmerinnen und Teilnehmer für ihre Trauercafés zu finden, erklärt sich Mona Mettler mit der Kleinräumigkeit. «Bei uns ist es anonymer, die Leute kennen sich nicht. Die Hemmungen sind geringer.» Ähnlich argumentiert Käthi Meier-Schwob, evangelisch-reformierte Pfarrerin und Mitorganisatorin des Trauercafés im «Kolumban» in Rorschach. Sie sagt aber auch: «In der Gemeinde kennen die Leute einander, das kann auch eine Chance sein.»

Die Pfarrerin berichtet von unregelmässigen Besucherzahlen im «Kolumban». Mal seien es drei, ein ander Mal acht Personen, die zu ihnen kämen. «Das Angebot einzustellen, steht aber nicht zur Debatte. Wir machen weiter, auch wenn nur eine Person kommt», sagt sie. Auch in anderen Gemeinden laufen die Trauercafés weiter. Friederike Herbrechtsmeier, Pfarrerin der Kirchgemeinde Gossau-Andwil, organisiert mit dem katholischen Pastoralassistenten Eric Petrini den Anlass einmal im Monat im Friedegg-Treff. Das Angebot richtet sich, wie alle Trauercafés, an Menschen aller Konfessionen. «Es gibt eine grosse Nachfrage. Derzeit ist es eine Gruppe von fünf bis acht Personen, die das Angebot nutzen», sagt sie.

Trauercafés haben nicht ausgedient

Für den Umgang mit Trauer gibt es kein Patentrezept. Feststellen lässt sich jedoch, dass heute Trauern zunehmend eine individuelle Angelegenheit ist, wie Trauerforscher Hansjörg Znoj von der Universität Bern schreibt.

Haben Trauercafés also ausgedient? Nein, sagen die verschiedenen, hauptsächlich kirchlichen Initianten der Angebote und betonen deren Notwendigkeit. Auch die Organisatorinnen des T-Treffs in Wittenbach schreiben: «Wir glauben aber, dass sich doch sehr viele Menschen mit dem Thema Tod und Trauer beschäftigen.» Sie wollen weitermachen, jedoch in einer anderen Form und Regelmässigkeit. Geplant sind verschiedene Anlässe zum Thema «Trauerarbeit». Und sie stünden weiterhin zur Verfügung, wenn jemand ein Gespräch wünsche, wie es im «Puls» heisst. Der Text schliesst mit den Worten: «Wer weiss, vielleicht wird der Wunsch zu einer Selbsthilfegruppe ja wieder einmal laut.»

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