WITTENBACH: Tempo 30 lässt auf sich warten

Seit zehn Jahren gilt auf der Grünaustrasse die freiwillige Tempo-30-Zone. Die definitive Geschwindigkeitsregelung wurde bis heute nicht eingeführt. Nun wurde der Umbau erneut verschoben.

Perrine Woodtli
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Auf der Grünaustrasse ist Tempo 30 empfohlen, aber nicht vorgeschrieben. (Bild: Jil Lohse)

Auf der Grünaustrasse ist Tempo 30 empfohlen, aber nicht vorgeschrieben. (Bild: Jil Lohse)

Perrine Woodtli

perrine.woodtli

@tagblatt.ch

Max Thürlemann ist verärgert. Seit Jahren wartet der Wittenbacher auf die versprochene Tempo-30-Zone an der Grünaustrasse. Er mache nun nicht mehr wie viele andere Bewohner die Faust im Sack, sondern spreche das Thema an. Doch von Anfang an: 2007 führte der Wittenbacher Gemeinderat die freiwillige Tempo-30-Zone an der Grünaustrasse ein. Die Planung für eine Tempo-30-Zone wurde in Auftrag gegeben und ein erstes Konzept mit der Kantonspolizei besprochen. Während der Renovation des OZ Grünau wurden dann weisse Parkfelder auf der Grünaustrasse markiert. Diese dienten als Ersatzparkplätze und sollten gleichzeitig auch zur Verkehrsberuhigung beitragen.

Danach passierte länger nichts mehr. Ganz zum Ärger von Thürlemann, der in der Nähe der Grünaustrasse wohnt. «Als bis Mitte 2014 nichts geschehen war, fragte ich bei der Gemeinde nach.» In einem Mail wurde dem Wittenbacher mitgeteilt, dass die Umsetzung infolge der angespannten finanziellen Lage auf frühestens 2017 verschoben wird.

Neue verkehrsberuhigende Massnahmen

Anfang dieses Jahres meldet sich Thürlemann erneut bei der Gemeinde. Wieder erhält er eine Mail. Darin steht, dass die Totalsanierung mit dem Umbau zur Tempo-30-Zone auf das Jahr 2020 oder 2021 verschoben werde. Bauverwalter Daniel Worni begründet dies mit der Zen­trumsüberbauung Oedenhof und anderen Strassenumbauten. «Es war aus unserer Sicht unmöglich, gleichzeitig mit der Bahnhofstrasse auch die Grünaustrasse umzubauen», sagt Worni. «Damit wären zwei Hauptstrassen teilweise gleichzeitig gesperrt.» Im Nachhinein wäre es zeitlich vielleicht doch aufgegangen, räumt der Bauverwalter ein. Warum die Strasse nicht bereits 2017 umgebaut wurde, führt Worni ebenfalls auf andere Projekte zurück. «Zum einen mussten zuerst die Bahnhof- und die Dottenwilerstrasse in zwei Etappen umgebaut werden.» Er betont, dass die erneute Verschiebung nichts mit den Finanzen zu tun hat, sondern auf die Planung der Zentrumsüberbauung zurückzuführen ist. Die Kosten der Totalsanierung für die Grünaustrasse belaufen sich gemäss Einschätzung auf rund 1,6 Millionen Franken. «Wird die Tempo-30-Zone innerhalb der Sanierung umgesetzt, entsteht so kein grosser Mehraufwand», erklärt Worni.

Als Überbrückung bis zur Sanierung 2020/21 sollen neue verkehrsberuhigende Massnahmen dienen, die dieses Jahr eingeführt wurden. «Es hat sich gezeigt, dass die Parkfelder alleine nicht ausreichen, um das Tempo zu reduzieren.» Die Strasse wurde deswegen mit Betonelementen, Pollern sowie Markierungen verschmälert. Dies kostete die Gemeinde rund 25000 Franken. «Wir haben dafür nicht sonderlich viel Geld ausgegeben. Einige Elemente können wir zudem wiederverwenden.»

«Der Steuerzahler wird verschaukelt»

Auf die kürzlich erstellten Massnahmen habe er mehrere positive Rückmeldungen von Anwohnern erhalten, sagt Worni. «Die meisten Autofahrer haben sich inzwischen an die neue Strassensituation gewöhnt. Durch die Massnahmen ist das Kreuzen nicht mehr überall möglich, weshalb nun einige Fahrer die Grünaustrasse meiden.» Auch das trage zur Beruhigung bei. Bürger, die nicht ganz zufrieden sind, könne es immer geben.

Nicht zufrieden ist Max Thürlemann. «Wir werden mit einer unbefriedigenden Zwischenlösung nach der anderen vertröstet. Diese sind jedes Mal mit neuen Kosten verbunden.» Er spricht von «Pflästerlipolitik» und findet es «unglaublich», wie man als Bürger und Steuerzahler verschaukelt werde. «Müssen wir wirklich bis 2021 warten, bis eine Tempo-30-Zone mit guter Verkehrsführung realisiert wird?» Ein weiteres Problem seien die Parkfelder auf der Grünaustrasse. Diese brauche es überhaupt nicht. «Gegenüber dem OZ befindet sich ein Parkplatz. Dieser ist meistens leer.»

Laut Worni werden aber auch bei der Einführung der definitiven Tempo-30-Zone gewisse Parkplätze als Beruhigungselement beibehalten. «Jedoch ist die definitive Planung noch nicht abgeschlossen.» Zu gegebenem Zeitpunkt werde ein Infoanlass zur Grünaustrasse stattfinden.

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