WITTENBACH: «Schiessen ist wie Yoga»

Waffenhändler Alfred Hediger eröffnet einen Schiesskeller. Die Anlage beinhaltet eine neuartige Belüftung, aber auch ein Bistro mit Tea-Time-Ecke.

Noemi Heule
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Präzision und Technik mache die Faszination des Schiessens aus, sagt Waffenhändler Alfred Hediger. (Bild: Urs Bucher)

Präzision und Technik mache die Faszination des Schiessens aus, sagt Waffenhändler Alfred Hediger. (Bild: Urs Bucher)

Noemi Heule

noemi.heule

@tagblatt.ch

Schüsse hallen durch das Industriequartier. Sie dringen aus einer Lagerhalle und rattern in rhythmischer Folge über den Vorplatz. «Indoor Shooting» prangt in rotschwarzen Lettern an der Fassade. Doch die Schüsse entstammen keiner Feuerwaffe. Hinter einer Glastüre tackert ein Arbeiter mit einer Bostitch-Pistole eine Spanplatte an die Decke. Schon morgen Freitag soll hier der Empfang der neuen Schiessanlage Besucher begrüssen. An diesem Nachmittag aber sind die Bauarbeiten noch in vollem Gange. Staub liegt in der Luft und setzt sich in dünnen Schichten auf das nagelneue Mobiliar.

Frischluft statt Schiesspulver

«Momentan stecken wir im Schlussspurt», sagt Alfred Hediger, während er tatsächlich beinah durch die Anlage sprintet, hier und dort stoppt, zwischen zwei Zigarettenzügen eine Anweisung platziert und weiter hetzt. Immer wieder ist die Meinung vom Chef gefragt, bevor der Schiesskeller morgen öffentlich eingeweiht wird.

Nur die Schiessanlagen sind bereits fixfertig herausgeputzt. Kein Staubkorn ist hier zu sehen. In der Luft liegt einzig der Geruch von Gummi. Der Boden ist denn auch mit Platten aus Gummigranulat verkleidet. Mehrere Tonnen des Granulats sind auch im Zielbereich aufgeschichtet, um die Geschosse aufzufangen. Ein frischer Luftzug weht in den Raum ohne Tageslicht. Die Lüftungsanlage, «die modernste in Europa», ist Hedigers ganzer Stolz. Sie filtert Schadstoffe aus der Luft, etwa Blei oder Schiesspulver. Die Lüftung nimmt denn auch fast so viel Platz ein, wie die drei Schiesskeller zusammen. Um Platz zu schaffen für das System aus Rohren, die sich wie riesige Krakenarme ineinanderschlingen, wurde eigens eine Decke in die einstige Lagerhalle eingelassen.

Während draussen Maschinen wummern und die Lüftung surrt, dringt davon kein Ton zu den Schiessboxen vor. Ebenso findet kein Ton den Weg nach draussen. Nur eine Videokamera übermittelt ständig, was im schalldichten Raum vor sich geht. «Die Sicherheit hat Priorität», lässt sich Hediger zitieren und spricht von kontrolliertem Schiessen. Ständig seien Instruktoren zugegen, die das Treiben überwachen.

Profis, Amateure und blutige Anfänger

Hediger, der vor Jahrzehnten bereits einen Schiesskeller in Winkeln eröffnete, den er jedoch wieder verkaufte, erwartet, dass Polizisten und Bodyguards zu den Gästen gehören. Aber auch Hinz und Kunz, die Schiessen als Hobby betreiben. Für den 62-Jährigen selbst heisst Schiessen Entspannung. «Es ist wie Yoga», sagt er. Die nötige Konzentration lasse störenden Gedanken keinen Platz. Präzision und Technik mache die Faszination aus. Mit Töten, sagt er, habe der Schiesssport nichts zu tun. Er ergänzt: «Schiessen soll vor allem Freude bereiten.» Auch blutige Anfänger können sich in der Anlage versuchen. Bevor sie auf den Abzug drücken, müssen sie einen stündigen Kurs belegen. Pistolen können vor Ort gemietet werden; noch lieber aber werden Kunden mit eigener Waffe gesehen.

Schliesslich kann man diese sogleich nebenan kaufen. Vor einem Jahr zügelte der Waffenshop nach Wittenbach. Im Industriequartier steht mehr Platz zur Verfügung als in der St. Galler Innenstadt. In einem grosszügigen Raum ganz in Weiss reiht sich denn auch Waffe an Waffe. Messer, Pistolen, Revolver, Jagd- und Sturmgewehre werden in allen Variationen feilgeboten. Die einen schimmern in schlichtem Stahl, andere glänzen golden hinter Vitrinenglas. Vom Volkswagen bis zum Bentley sind alle Preisklassen vertreten.

Nebst Shop und Schiesskeller beherbergt die Anlage neu auch ein Bistro. «Die Kunden sollen sich wohl fühlen», sagt Hediger. Im Kühlschrank warten Süssgetränke und Bier. Auch eine Tea-Time-Ecke ist eingerichtet. Samtene Sofas und Holzstühle vermitteln Beizenatmosphäre im «Treffpunkt». Nur der zweideutige Name erinnert daran, dass es nebenan Kugeln hagelt.

Eröffnungsschiessen

Freitag und Samstag, 14–22 Uhr, indoorshooting-wittenbach.ch