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WITTENBACH: Fakten, Emotionen, Konflikte

Statt über die Traktanden der Bürgerversammlung von Ende Mai diskutierten die Teilnehmer am Montag über die Informationspolitik der Gemeinde. Der Abend entwickelte sich zum Streitgespräch.
Noemi Heule
Nicht nur die Ortsplanung im Gebiet Neuhus polarisierte am Montag die Wittenbacher. (Bild: Michel Canonica)

Nicht nur die Ortsplanung im Gebiet Neuhus polarisierte am Montag die Wittenbacher. (Bild: Michel Canonica)

Noemi Heule

noemi.heule

@tagblatt.ch

Die Traktanden rückten in den Hintergrund, stattdessen diskutierten die Wittenbacher Bürger an der Informationsveranstaltung vom Montag über Sinn und Unsinn der Informationsveranstaltung per se. «Dieses Setting ist unbefriedigend», enervierte sich ein Zuhörer in der Aula des OZ Grünau. Gemeindepräsident Fredi Widmer hielt derweil an den vorbereiteten Fakten fest und verwies kritische Fragen in die Zukunft.

Ein Zuhörer legte es besonders darauf an, den Gemeindepräsidenten aus der Reserve zu locken. Mit Erfolg. Michel Klein, Initiant der IG Denk Mal Wittenbach, forderte Fredi Widmer zum Streitgespräch. Keine Frage liess er ungestellt, kein Faktum unkommentiert. Damit brachte er nicht nur den Gemeindepräsidenten an die Geduldsgrenze. Zwei Weltbilder prallten aufeinander und mit ihnen zwei Protagonisten, die unterschiedlicher nicht sein könnten.

Aktivist versus Bürokrat

Klein auf der einen Seite, der schmächtige Aktivist im Wollpullover, das Gesicht von langem Haar umspielt. Widmer auf der anderen, eine schlanke Gestalt im schwarzen Anzug, um den Hals die Krawatte gezurrt. Der belgische Asterix gegen den Wittenbacher Bürokraten, französischer Accent gegen Fachjargon.

«Wann werden die Bürger in die Planung einbezogen?», wollte Klein jeweils wissen, wenn der Gemeindepräsident etwa das Projekt Oedenhof oder die Ortsplanung auf dem Gebiet Neuhus vorstellte. Widmer verwies auf die öffentliche Auflage des Gestaltungsplans, die Möglichkeit, Einsprache zu erheben, oder auf das Vernehmlassungsverfahren. «Das sind die demokratischen Rechte der Bürger», so Widmer. Konkretes Feedback dagegen nehme er entgegen, sobald die Themen priorisiert behandelt werden.

Er erntete Kritik nicht nur von Klein. Längst hatten sich unter den rund 60 Teilnehmern zwei Lager gebildet. «Dann heisst es wieder, jetzt ist es zu spät», merkte eine Zuhörerin an. Ohnehin fehlten klare Antworten, stattdessen sei alles «sprachlich schön verpackt». «Wir können die Bürger nicht bei Stand null einbeziehen», sagte dagegen Widmer. Er rief die Initianten der IG Denk Mal dazu auf, konkrete Ideen vorzubringen, und veranlasste damit einen Zuhörer zu spontanem Applaus. Jubel entflammte ebenso, als ein Teilnehmer die Geschichte Wittenbachs zitierte und auf die nationale Bedeutung der Drumlins – von Gletschern geformte Hügel – verwies, einer davon der Dorfhügel im Gebiet Neuhus.

Fredi Widmer entschuldigt sich

Direkt Einfluss nehmen können die Wittenbacher Bürger voraussichtlich am 24. September auf das Projekt Oedenhof. Dann kommt der Baukredit für die Überbauung im Zentrum vors Volk, wie Widmer am Montag bekannt gab. Dank weiterer Investoren soll das Projekt die Gemeinde knapp fünf Millionen Franken kosten. Detaillierte Zahlen blieb Widmer aber vorerst schuldig.

Die Infoveranstaltung endete nach über zwei Stunden für beide Seiten unbefriedigend mit dem Protest eines Zuhörers über den Anlass, an dem die Gemeinde «von oben herab» informierte. Er rang damit Fredi Widmer eine leise Entschuldigung ab.

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