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WITTENBACH: «Es darf nicht langweilig sein»

Annamaria Farkas Holdinger ist neue Primarschulrätin in Wittenbach. Zudem engagiert sich die 41-Jährige in der Ungarischen Gemeinschaft St. Gallen. Bevor sie in die Schweiz kam, war sie Porzellanmalerin.
Nina Rudnicki
Die Pinsel hat Annamaria Farkas Holdinger mittlerweile weggelegt. Stattdessen engagiert sich die gelernte Porzellanmalerin im Wittenbacher Primarschulrat und in der ungarischen Gemeinschaft. (Bild: Sabrina Stübi)

Die Pinsel hat Annamaria Farkas Holdinger mittlerweile weggelegt. Stattdessen engagiert sich die gelernte Porzellanmalerin im Wittenbacher Primarschulrat und in der ungarischen Gemeinschaft. (Bild: Sabrina Stübi)

Nina Rudnicki

redaktiongo@tagblatt.ch

«Als ich vor 17 Jahren in die Schweiz zog, war das schwierigste für mich, nicht mehr in meinem Beruf arbeiten zu können», sagt Annamaria Farkas Holdinger aus Wittenbach. In Ungarn hatte die heute 41-Jährige als Porzellanmalerin gearbeitet. Gleich nach der Schule hatte sie sich gegen 300 Mitbewerber durchgesetzt und einen der begehrten Ausbildungsplätze bei der bekannten ungarischen Manufaktur Herend bekommen.

«Für mich war damals klar, ich möchte diesen oder einen anderen abenteuerlichen Beruf lernen, etwa Geigenbauerin. Es sollte einfach nichts Langweiliges sein.» Annamaria Farkas Holdinger hatte schon ihr Leben lang gerne gemalt. Als sie in die Schweiz kam und feststellte, dass es hier bis auf einige wenige Familienbetriebe keine Porzellan- oder Keramikunternehmen gab, begann sie Lebkuchen zu bemalen und an Märkten sowie über ihre Internetseite zu verkaufen. «Anders als in der Schweiz werden Lebkuchen in Ungarn während des ganzen Jahres gegessen. Daran mussten sich meine Kunden hier zuerst gewöhnen», sagt sie.

Primarschulrätin und angehende Katechetin

Mittlerweile hat Annamaria Farkas Holdinger die Malerei aufgegeben, zu viel Neues ist in den vergangenen Jahren dazugekommen. Seit Anfang Jahr ist die CVPlerin Primarschulrätin in Wittenbach. Seit mehreren Jahren engagiert sie sich in der Ungarischen Gemeinschaft St. Gallen. Und aktuell absolviert sie eine mehrjährige Ausbildung zur katholischen Katechetin, um danach als Religionslehrerin zu arbeiten. Die Religion hat in ihrem Leben immer eine wichtige Rolle gespielt. Im Ungarn der Sowjetunion war Religion nicht gerne gesehen. Ihre Eltern und Grosseltern waren aber gläubig. «Sie sagten, wir gehen trotzdem in die Kirche. Wir müssen einfach vorsichtig sein und es nicht weitererzählen.» Damals lebte sie mit ihrer Familie in einem kleinen Dorf in der Gegend von Veszprém nördlich des Plattensees. «Auf dem Land wurden die Kirchen nicht so überwacht wie in den Städten und so hatten wir Glück.» Erst als sie in die Schweiz kam, wo später ihre beiden Kinder den Religionsunterricht besuchten, sei ihr bewusst geworden, wie frei und selbstverständlich die Religionsausübung hier sei.

Der Grund, in die Schweiz zu ziehen, war die Liebe. Während eines Urlaubs bei Schweizer Bekannten lernte Annamaria Farkas Holdinger an einem Fest in Winterthur ihren zukünftigen Mann kennen. Er ist ebenfalls Ungar und arbeitete im Altersheim in Rotmonten. Später zogen die beiden von ihrer St. Galler Wohnung in ein Haus in Wittenbach. «Wir hatten beide in Ungarn stets in Einfamilienhäusern mit grossem Garten gelebt und fühlten uns in Wohnungen eingeengt», sagt sie. Während vier Jahren besuchte sie eine Dolmetscherschule in St. Gallen, danach lernte sie Schweizerdeutsch. «Aus meiner Anfangszeit hier weiss ich, wie einsam und isoliert man ist, wenn man die Sprache eines Landes nicht spricht», sagt sie. Diese und weitere Erfahrungen möchte sie in Zukunft in ihr Amt als Primarschulrätin einbringen.

Sich für die Integration einsetzen

Auch die Ungarische Gemeinschaft St. Gallen setzt sich für die Integration ein. Von ihrem Treffpunkt im Pfarreiheim Stephanshorn aus organisiert sie beispielsweise Fussballspiele, Grillpartys, Weihnachtsfeste, Tanzveranstaltungen und die Fasnacht. Aktuell sind rund 20 Familien Mitglied. Ein weiteres Ziel der Gemeinschaft ist es, die ungarische Kultur und Sprache zu fördern, so dass die Kinder zweisprachig aufwachsen und auch ungarisch lesen und schreiben können. Annamaria Farkas Holdinger ist in der Ungarischen Gemeinschaft als Jugendverantwortliche tätig. «Ich interessiere mich sehr für die Schule, Bildung und Kinder. Es ist ein Bereich, der viel Austausch und Begegnungen schafft.»

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