WITTENBACH: Eine Oberstufe für alle

Die Bruggwalder Schüler müssen künftig nach Wittenbach in die Oberstufe. Das Schulparlament hat den Sonderstatus aufgehoben. Dem Entscheid ging eine lebhafte Debatte voraus.

Noemi Heule
Drucken
Teilen
Keine Ausnahme von der Regel: Kinder aus Bruggwald müssen künftig die Oberstufe Grünau in Wittenbach besuchen. (Bild: Urs Bucher)

Keine Ausnahme von der Regel: Kinder aus Bruggwald müssen künftig die Oberstufe Grünau in Wittenbach besuchen. (Bild: Urs Bucher)

Noemi Heule

noemi.heule

@tagblatt.ch

Bis zuletzt haben die Bruggwalder gehofft. Darauf, dass die Oberstufenschüler des Quartiers auch in Zukunft nach St. Gallen in die Schule dürfen. Doch vergebens. Am Montag hat das Schulparlament der Oberstufe Grünau dem Antrag des Schulrates zugestimmt und damit die Kündigung des Vertrages mit der Schulgemeinde St. Gallen gutgeheissen. Kinder und Jugendliche, die in Bruggwald auf Wittenbacher Boden wohnen, werden künftig ins OZ Grünau eingeteilt, zusammen mit Gleichaltrigen aus Wittenbach, Muolen und Berg. Dem Entscheid vorausgegangen war eine lebhafte Debatte.

Nachdem Georges Gladig, Schulratspräsident der Oberstufe Grünau, die Argumente des Schulrates dargelegt hatte, meldete sich Parlamentarierin Anette Frischknecht-Plohmann (SP/parteilos) zu Wort. Sie kritisierte das Vorpreschen der Behörde. «Warum diese Eile?», fragte sie. Schliesslich seien die Parlamentarier erst vor 20 Tagen informiert worden, dass nun dieser endgültige Beschluss zu fällen sei. Unter dieser Prämisse sei kein seriöser Entscheid möglich, zumal die Stimme aus Bruggwald gefehlt habe. Sie stellte einen Ordnungsantrag, um die Abstimmung zu vertagen. Dieser blieb jedoch chancenlos.

Sorgen, Ängste und ein blutendes Herz

«Eine Verzögerung ändert nichts an der Sache», konterte Patrik Reber (SVP). Er ging noch einen Schritt weiter: «Die IG Bruggwald hätte genug Zeit gehabt, um auf uns zuzugehen», sagte er. Jürg Schmidhauser (FDP) pflichtete bei. «Als Gemeinderat von Muolen blutet mir das Herz, wenn ich höre, dass sich die Bruggwalder nicht zu Wittenbach zählen», ergänzte er. Es sei an der Zeit, dies zu ändern. Mit Sorgen und Ängsten seien jeweils Entscheidungen rund um Kinder verbunden, räumte Anneliese Leitner-Frei (FDP) ein. Dennoch stellte sich die Bergerin in den Dienst der Gleichberechtigung. «Gelten für Berger und Muoler andere Regeln als für die Bruggwalder?», fragte sie rhetorisch. Müssten doch die Oberstufenschüler aus den benachbarten Dörfern ebenfalls den Weg nach Wittenbach auf sich nehmen. Die Abstimmung fiel schliesslich klar zu Gunsten des Schulrates aus. Mit 17 Ja-Stimmen wurde die Kündigung des Vertrages per Ende Schuljahr abgesegnet. Vier Parlamentsmitglieder enthielten sich der Stimme. Der Entscheid untersteht dem fakultativen Referendum. 400 Unterschriften aus Berg, Muolen oder Wittenbach sind nötig, damit das Anliegen vor das Stimmvolk kommt.

«Ein undemokratischer Entscheid»

Ob die IG Bruggwald diese Möglichkeit ergreifen will, das konnte Sprecher Jens Wiesenhütter am Montag noch nicht beantworten. Er verfolgte die Sitzung zusammen mit weiteren Vertretern der IG in den Zuschauerrängen. Sicher sei: «Wir werden weiter kämpfen», sagt er und prangerte den «undemokratischen Entscheid» an: «Unsere Argumente sind nicht in den Bericht eingeflossen.» Die IG hatte dem Schulrat vergangene Woche eine Petition übergeben (Ausgabe vom 14. November). Wiesenhütter zeigte sich enttäuscht über die Aussage, die IG habe ihre Chance zur Intervention versäumt. «Dafür wurden uns nur 14 Tage eingeräumt.» Er hofft nun, dass St. Gallen als Vertragspartner den Entscheid nicht akzeptieren wird.

Diese Chance ist allerdings gering. «Der Vertrag ist einseitig kündbar», sagte Georges Gladig. Der Schulratspräsident räumte ein, dass die Zeit knapp war. Der Schulrat habe jedoch die Stellungnahme der IG abwarten müssen, die einen Monat später als vereinbart erst Ende September eingetroffen sei.