WITTENBACH: Ein Herz für das historische Wittenbach

Alfred Zwickl ist Kurator der Ausstellung «Wittenbach entdecken». Besucher sollen der Geschichte nachspüren und zum Nachdenken angeregt werden.

Raphaela Roth
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Alfred Zwickl gestaltete die Ausstellung selbst. (Bild: Raphaela Roth)

Alfred Zwickl gestaltete die Ausstellung selbst. (Bild: Raphaela Roth)

Heute prägen zahlreiche Wohnblöcke und Geschäftsgebäude das Bild der 9700-Seelen-Gemeinde Wittenbach. Einst war die Gemeinde ein beschauliches Dorf mit einem überschaubaren Dorfkern. Alfred Zwickl ist der Kurator der Ausstellung «Wittenbach entdecken» im Nebenhaus des Schlosses Dottenwil. Mit seiner Ausstellung möchte er nebst Alteingesessenen vor allem auch Neuzuzüger über den historischen Dorfkern informieren.

«Wir haben zusammen mit der Kulturkommission historische Begehungen auf dem Dorfhügel durchgeführt. Solche kamen auch bei Klassentreffen besonders gut an», sagt Zwickl. Das war wohl die Initialzündung für eine fixe, für alle zugängliche, Ausstellung. Im Frühjahr 2017 begann er sein Projekt zu planen. Im Museumsarchiv suchte Zwickl zusätzliche alte Dokumente über den Wittenbacher Dorfkern zusammen, die er dann auf Tafeln visualisierte. Die alten Bilder und kurzen Infotexte geben einen Einblick in die Gebäude, um die sich damals das gesamte Leben drehte: so zum Beispiel die Schulhäuser, das erste Raiffeisen-Bankhaus der Schweiz von 1923 oder das abgebrannte «Doktorhaus» von 1764 auf dem Ulrichsberg. Alfred Zwickl versorgt die Besucher auch mit spannenden Hintergrundfakten: «Im Gemeindehaus von 1849 wohnte auch der Landjäger, der Totengräber, Nachtwächter und auch Arrestaufseher zugleich war.»

Der Dorfkern soll erhalten bleiben

Im Ortsteil Oedenhof schreitet der Ausbau zu einer modern gestalteten Überbauung voran. Mit der Ausstellung möchte Zwickl den Menschen zeigen, welch historischer Wert auf dem Dorfhügel vorhanden ist. Da momentan ein neues Schulhaus geplant wird, ist unklar, was mit den alten Schulhäusern geschieht. Werden sie an Private verkauft, könnten sie abgerissen werden. Einen Abriss will der Museumsvorsteher möglichst vermeiden: «Wenn man in diesem Dorfkern Gebäude abreisst, sind diese Zeitzeugen für immer verloren.» Er hofft mit seiner Ausstellung einen Teil zur Meinungsbildung beizutragen. Er rät den Einwohnern: «Befasst euch mit dem Thema und bildet euch eine Meinung.»

Die Ausstellung wird bis im September 2018, jeweils am Samstag und Sonntag, zugänglich sein. Für das Jahr 2018 kündigt der 76-jährige Museums-­Copräsident bereits weitere Projekte über das historische Wit­tenbach an.

Raphaela Roth

raphaela.roth@tagblatt.ch