WITTENBACH: Der Betrachter macht das Bild

Die St. Galler Künstlerin Verena Staggl rückt in ihren Arbeiten Alltägliches in neue Zusammenhänge. Bis 9. Juli sind ihre Bilder im Schloss Dottenwil ausgestellt.

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Verena Staggl in ihrem Atelier in St. Gallen. (Bild: PD)

Verena Staggl in ihrem Atelier in St. Gallen. (Bild: PD)

Auf Reisen in Südamerika habe sie heruntergekommene Häu- ser gesehen, deren Wände mit Schichten aus Putz und Farbe bedeckt waren, erzählt Verena Staggl. Manchmal habe eine einzelne angebrachte Postkarte oder ein Foto diese Fläche aufgebrochen und den Blick des Betrachters auf sich gezogen. Dieses Hinsehen strebt sie auch mit ihren Bildern an.

In ihnen verarbeitet sie Ausschnitte und Motive aus anderen Medien und setzt sie in einen neuen Zusammenhang. Dabei arbeitet sie mit Öl oder Acryl auf Papier. Manchmal dauert es Monate, bis der richtige Farbton getroffen ist. Es sei nicht nur eine Farbfläche, auf die sie hinarbeite, sondern ein «Körper», sagt die Künstlerin. Durch die vielschichtige Maltechnik wird Alltägliches, manchmal Banales, in überraschende Zusammenhänge gebracht: «poetisch, humorvoll, irritierend, skurril», sagt sie selbst.

Kürzlich fand die Vernissage im Schloss Dottenwil statt. Bereit ist eine Ausstellung für Verena Staggl mit dem vollendeten Hängen der Bilder. «Wenn alles passt, ist es ein Spiel mit dem Raum», sagt sie. Das sei ein wunderbares Gefühl. Das Aussuchen der Bilder, eine allfällige Überarbeitung und das Platzieren nehme vorgängig viel Zeit in Anspruch.

Die Titel ihrer Arbeiten seien bewusst vage, sagt Verena Staggl. «Ich möchte, dass die Bilder für den Betrachter offen bleiben.» Jeder solle seine eigene Geschichte darin sehen können, ohne voreingenommen zu sein.

Für diese Eindrücke liegt in den Ausstellungsräumen ein Blanko-Buch bereit. Darin können Besucher ihre Geschichten festhalten. Die Ausstellung im Schloss Dottenwil ist samstags von 14 bis 20 Uhr und sonntags von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Am 28. Mai, 18. und 24. Juli ist Verena Staggl im «Dottenwil» an­wesend. Darauf freue sie sich, sagt die Künstlerin: «Ausstellen heisst, sich zeigen.» Das Malen an sich sei ein einsamer Beruf, das Ausstellen mache mehr Kontakte möglich. «Ich bekomme dadurch etwas zurück.» (lw)

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