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WITTENBACH: Den Sonderstatus bewahren

Mit einer Petition setzen sich die Bewohner von Bruggwald für ihre Oberstufenschüler ein. Am Montag entscheidet das Schulparlament über deren Zukunft.
Noemi Heule
162 Quartierbewohner haben unterschrieben: Schulpräsident Georges Gladig nimmt die Petition von Jens Wiesenhütter (rechts), Vertreter der IG Bruggwald, entgegen. (Bild: Ralph Ribi)

162 Quartierbewohner haben unterschrieben: Schulpräsident Georges Gladig nimmt die Petition von Jens Wiesenhütter (rechts), Vertreter der IG Bruggwald, entgegen. (Bild: Ralph Ribi)

Noemi Heule

noemi.heule@tagblatt.ch

Dass ihr Quartier im Nordosten von St. Gallen zu Wittenbach und nicht etwa zur Stadt gehört, das merken die Bruggwalder nur einmal im Jahr. Davon ist Hanspeter Nigg überzeugt: «Dann nämlich, wenn die Steuererklärung eintrifft», sagt er. Nigg ist einer von sieben Vertretern des Quartiers, die gestern zusammen mit acht Kindern bei der Schulverwaltung in Wittenbach vorstellig wurden, um eine Petition einzureichen. Denn die Oberstufenschüler aus Bruggwald könnten künftig täglich damit konfrontiert werden, dass sie – zumindest politisch – zu Wittenbach gehören. Bis anhin hatten sie die Wahl, ob sie die Schule in St.Gallen oder jene in Wittenbach besuchen wollen. Der Schulrat der Oberstufe Grün­au will den Vertrag, der dem Quartier einen Sonderstatus gewährt, per Ende Schuljahr kündigen (Ausgabe vom 4. November). Damit wollen sich die Quartierbewohner nicht abfinden; 162 von ihnen haben die Petition unterschrieben, um an der Abmachung aus dem Jahr 2007 festzuhalten. Schliesslich habe sich die Ausgangslage seither nicht verändert.

Die Steuern werden in dieser Diskussion immer wieder aufgeworfen. Und zwar von beiden Seiten, geht es doch vordergründig um Geld: Ein Wittenbacher Kind, das eine Oberstufe in St. Gallen besucht, kostet die Schulgemeinde pro Jahr rund 22000 Franken. Derzeit muss diese Summe für zwei Oberstufenschüler aufgebracht werden. «Ob in Wittenbach oder St. Gallen, jedes Kind verursacht Kosten, im Gesamtbudget fällt der Betrag aber kaum ins Gewicht», sagt Jens Wiesenhütter. Der Sprecher der IG Bruggwald will das finanzielle ­Argument deshalb nicht gelten lassen, zumal die Bruggwalder ihrerseits Schulsteuern nach Wittenbach abliefern. Aber auch er führt die Finanzen ins Feld: «Das Quartier verliert an Attraktivität», sagt er. Für Familien, die sich im Einfamilienhausquartier niederlassen wollen, spiele die Schulwahl eine wichtige Rolle. Damit stünden für die Gemeinde wiederum Steuereinnahmen auf dem Spiel.

«Kinder werden aus Schulsystem gerissen»

Geografisch ist das Quartier seit jeher ein Sonderfall – eine Wittenbacher Exklave in der Stadt, inklusive St.Galler Postadresse. «Die Grenzziehung mitten durch das Quartier macht keinen Sinn», sagt Wiesenhütter. Seit 100 Jahren besuchen die Kinder St.Galler Schulen. Zuerst, weil die Grenzen der Schulgemeinde nicht mit jenen der Politischen Gemeinde übereinstimmten. Später, weil der Sonderstatus vertraglich aufrechterhalten wurde. Für die Primarschule soll der Vertrag denn auch weiterhin gelten, nicht so für die Oberstufe. «Man reisst die Kinder aus einem Schulsystem und macht es ihnen unnötig schwer, Freundschaften aufrechtzuerhalten», sagt Wiesenhütter, selbst Vater dreier Kinder.

Georges Gladig, Schulpräsident der Oberstufe Grünau, möchte die Petition derzeit nicht kommentieren. Der Ball liege nun beim Schulparlament, das am Montag über die Kündigung des Vertrages befindet. Gladig betont, dass es dem Schulrat nicht nur um die Finanzen gehe, sondern auch um Themen wie Gleichbehandlung oder die Integration des Quartiers ins Dorf.

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