Wittenbach braucht mehr Transparenz

«Wittenbach will Steuern senken», Ausgabe vom 3. November

Michel Klein Dorfstrasse 17, 9300 Wittenbach
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Menschen, denen man die Information entzieht, macht man damit unfähig, sich selbst zu helfen (Dieter Hildebrand). Mit seiner tiefen Finanzkraft pro Einwohner hat Wittenbach sich den Titel Armenhaus der Region geholt. Dieser Titel sichert Wittenbach grosszügige Subventionen des Kantons in der Form von Finanzausgleichen für die kommenden Jahre. Dies ermöglicht Wittenbach, seinen Steuerfuss jetzt massiv zu senken. Keiner bestreitet jedoch, dass die tiefe Steuerkraft in Wittenbach auch damit zu tun hat, dass die Behörde schon früh auf grosse Überbauungen mit Mietwohnungen gesetzt hat. Die Schlussfolgerung: lass die Behörde deine Gemeinde betonieren und du wirst dafür mit einer Senkung des Steuerfusses belohnt!

Bei der kantonalen Fachstelle für Statistik können Daten über wichtige Indikatoren bezogen werden. Mit wenigem Aufwand lassen sich diese Daten in der Form von Diagrammen umwandeln. Solche Diagramme ermöglichen auf einen Blick, die Entwicklung über die letzten 20 Jahre zu erfassen und zu vergleichen mit der lokalen Entwicklung in anderen Gemeinden.

Die jährliche Veröffentlichung solcher Diagramme würden dem Stimmbürger sehr helfen, sich eine fundierte eigene Meinung über Entwicklungen in seiner Gemeinde zu bilden. Finanzberichte dicht mit Zahlen gefüllt, jedoch ohne Diagramme, die Entwicklungen darstellen, sind angesichts der heutigen verfügbaren Informatik nicht mehr vertretbar.

Bei der kommenden Bürgerversammlung vom 27. November wird die IG Denkmal Wittenbach entsprechende Anträge stellen, um die Behörde zu mandatieren, solche Diagramme zu veröffentlichen.

Die Entwicklung der Steuerkraft in Häggenschwil und Waldkirch widerlegt den herrschenden Fatalismus in Wittenbach. «Die Steuerkraft kann man nicht grundlegend ändern.» In diesen zwei Gemeinden lag sie 1995 deutlich tiefer als die in Wittenbach und nach einer Steigerung von zirka 50 Prozent liegt sie heute drüber.

Eine Hoffnung besteht darin, dass die bisherige Raumplanungspolitik als Ursache der tiefen Steuerkraft deutlich genannt wird.

Aber die Art, wie in Wittenbach über die letzten 20 Jahre gebaut worden ist, erzeugt auch Einsamkeit. Diese Einsamkeit steht immer mehr im Fokus von Wissenschaftern, die sie als Ursache physischer und psychischer Beschwerden sehen. Jetzt ist zu hoffen, dass das Projekt Zukunft Wittenbach so geführt wird, dass das Menschenwohl als wichtigste Inspiration für die zukünftige Entwicklung in Wittenbach uns leiten wird.

Michel Klein Dorfstrasse 17, 9300 Wittenbach